Neue Formeln für die Führungsspitze

Das Unternehmen BASF feiert in diesem Jahr sein 150. Jubiläum. Im Mittelpunkt stehen zentrale Herausforderungen der menschlichen Entwicklung, zu deren nachhaltiger Lösung der führende Chemiekonzern aus Deutschland aktiv beiträgt. Innovative Lösungen, die die Lebensqualität heute und morgen verbessern, heißt es. Die Karriere von Claudia Guterl, neue BASF-Chefin in Chile, könnte dafür als Beweis dienen.

4151_p16_1

Claudia Guterl leitet seit September 2014 das Business Center West für die BASF Gruppe in Südamerika und ist für rund 500 Mitarbeiter in Chile und Peru und insgesamt vier Produktionsstätten zuständig. BASF gehört zu den 30 wichtigsten Unternehmen Deutschlands laut Börsenindex DAX und ist das führende Chemieunternehmen weltweit. Die Gruppe hat 2014 einen Umsatz von 74 Milliarden Euro erzielt, 113.000 Mitarbeiter beschäftigt und 353 Produktionsanlagen betrieben. Jedes Jahr investiert BASF 1,8 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung – 10.700 Wissenschaftler beschäftigen sich tagtäglich mit der Suche nach innovativen und nachhaltigen Lösungen in nahezu allen Bereichen des täglichen Lebens.
Dabei findet heute Entwicklung längst nicht mehr hinter verschlossenen Türen im Labor statt. Co-Creation ist das Motto unter dem BASF im Rahmen der weltweiten Aktivitäten rund um das 150jährige Jubiläum Mitarbeiter, Kunden, Partner und die Öffentlichkeit dazu einlädt, sich bei der Entwicklung von Lösungen für die großen globalen Zukunftsthemen Wasser, Energie, Verstädterung und Ernährung einzubringen. «Chemie ist überall präsent», sagt Claudia Guterl.
Auch in Chile ist BASF bereits seit einhundert Jahren mit seinen Produkten und Lösungen präsent. Die beiden größten Kundenindustrien sind hier die Landwirtschaft und der Kupfer-Bergbau. Auch in den Wachstumsbranchen Solarindustrie und Meerwasseraufbereitung ist der Chemiekonzern unter anderem aktiv.
Innovation ist das Thema, das Claudia Guterl im Jubiläumsjahr auch in Chile ganz groß schreibt. «Ich möchte dazu beitragen, dass BASF die Zusammenarbeit mit Kunden und anderen innovativen Akteuren intensiviert. Gemeinschaftlich entwickelte Lösungen für die Schlüsselbranchen vor Ort werden in der Zukunft den entscheidenden Unterschied machen». Fraunhofer und Camchal sind hierbei zwei der wichtigen Partner, die sie erwähnt. Auch wenn das wirtschaftliche Wachstum in Chile im Moment etwas gedämpft ist, bewertet sie die Marktchancen nach wie vor positiv und hat sich fest vorgenommen, die Position der BASF in Chile und auch in Peru zu stärken.
Der Karriereweg von Claudia Guterl in der BASF ist bemerkenswert und zeugt auch hier von innovativen Wegen der Mitarbeiterentwicklung, die das Unternehmen zweifelsohne beschreitet. Sie war gerade 33 Jahre alt, als BASF sie in den Kreis der oberen Führungskräfte berief. Inzwischen ist sie 37 und hält bereits ihre zweite Position als Vizepräsidentin im größten Chemieunternehmen der Welt inne.
Claudia Guterl ist in der 800-Seelen-Gemeinde Ruppertsweiler in der Nähe von Pirmasens im Pfälzer Wald – wie sie sagt – behütet aufgewachsen. Mit 15 ging sie «in die weite Welt hinaus»: nach Wattenscheid in Bochum, da dort der Olympiastützpunkt für Rhythmische Sportgymnastik untergebracht war und sie der deutschen Nationalmannschaft dieser Sportart für mehrere Jahre angehörte.
Nach dem Abitur in Wattenscheid bewarb sie sich bei BASF für einen dualen Studiengang. Diese Modalität der Ausbildung war 1996 noch relativ neu, ausgesprochen attraktiv und von großer Nachfrage. Der Chemiekonzern in Ludwigshafen bot 25 Plätze für dieses fünfjährige Programm mit Modellcharakter an, welches die Ausbildung zum Industriekaufmann, das BWL-Studium an der Fachhochschule Ludwigshafen sowie das MBA-Studium in Greensboro, North Carolina, USA, beinhaltete. Alles komplett finanziert durch das Unternehmen. Unter hunderten von Bewerbern erhielt Claudia Guterl einen Platz und zog in eine kleine Studentenwohnung in Mannheim.
Nach Abschluss des Studiums im Jahr 2001 entschied sie sich ohne zu zögern für den Verbleib bei der BASF. «Die Firma bietet alles, um sich zu entwickeln. Man hat immense Möglichkeiten», erzählt sie, während sie die Stationen ihrer bisherigen Entwicklung zusammenfasst. Sie war gerade 24 Jahre als sie voll ins Arbeitsleben einstieg – als Erstes für ein Jahr als Produktmanager von Raffineriechemikalien in Ludwigshafen. Anschließend wurde sie für zehn Monate im Rahmen eines regionalen Projekts nach Singapur delegiert.
Nach einer weiteren Position in Ludwigshafen im Globalen Marketing hatte sie dann 2004 erneut die Möglichkeit, im Ausland weitere Geschäfts- und interkulturelle Erfahrung zu sammeln. Zusammen mit ihrem heutigen Mann, Dr. Juan Aiscar, gingen beide für drei Jahre für die BASF nach Mexiko-Stadt. Für Claudia Guterl war es das erste Eintauchen in die lateinamerikanische Arbeitskultur.
«Am Anfang war der Kulturschock nicht zu leugnen», räumt sie ein. Disziplin, Gründlichkeit und gute Organisation sind für sie eine Selbstverständlichkeit. «Das „mañana“ und das „ahorita“, stellten mich zu Beginn vor eine große Herausforderung. Aber dann habe ich mich gut eingelebt, mich an die lokalen Gegebenheiten angepasst und die Kultur und Werte meiner mexikanischen Kollegen sehr zu schätzen gelernt. Ich bin sehr herzlich aufgenommen worden.»
Zurück in Ludwigshafen im Jahr 2007 bot ihr BASF einen Job an, der einen entscheidenden Schritt für ihre Entwicklung im Konzern darstellen sollte: Sie wurde die rechte Hand eines Vorstandsmitglieds. In dieser Position, die sie für zwei Vorstandsmitglieder hintereinander ausübte, habe sie einen anderen Blick für das Unternehmen bekommen. «An so exponierter Stelle versteht man vieles besser».
Während dieser Zeit heiratete sie und ein Jahr später wurde ihr erster Sohn Rafael geboren. Bei ihrer Rückkehr ins Unternehmen, nach achtmonatiger Babypause, wurde sie dann zur oberen Führungskraft ernannt und Leiterin der Einheit «Globales Marketing Human Nutrition». Die Geschäftseinheit ist für Zusatzstoffe in Lebensmitteln zuständig, wie zum Beispiel pflanzliche Sterole, Omega-3, Vitamine und Pigmente. Als Beispiel nennt sie Fanta, die vielen Ländern mit von BASF hergestelltem Beta-Karotin ihre orange Farbe erhält.
Sie erinnert sich lebhaft daran, wie schwierig für sie die erste Zeit in dieser Position war. Rafael war neun Monate alt und kam in die betriebseigene Kinderkrippe der BASF in Ludwigshafen, «LuKids» genannt. Gleichzeitig hatte ihr Mann eine Geschäftsleitung außerhalb der BASF angenommen und war ebenfalls sehr gefordert. «Die ersten sechs Monate in der neuen Doppelrolle waren sehr anstrengend und haben mich teilweise an meine Grenzen gebracht. Die beruflichen Aufgaben mit der familiären Situation in Einklang zu bringen war und ist eine große Herausforderung und nicht immer einfach zu lösen.»
Eine große Erleichterung schuf die Einstellung einer Haushaltshilfe und Kinderbetreuerin, die der ganzen Familie mehr Flexibilität ermöglichte. «Wir haben lange gesucht, bis wir schließlich die passende Person gefunden hatten. Im Gegensatz zu Chile ist dieses Berufsbild in Deutschland nicht üblich.»
2013 kam dann der zweite Sohn Santiago zur Welt und Claudia Guterl nahm sich erneut eine Auszeit vom Job. Der Name hatte noch nichts mit dem aktuellen Auslandseinsatz zu tun, diese Möglichkeit ergab sich erst bei der erneuten Rückkehr ins Unternehmen. «Das Angebot, für die BASF die Leitung der Geschäfte in Chile und Peru zu übernehmen, kam recht überraschend», räumt sie ein. «Wir haben allerdings schnell realisiert, welch große Chance dies für uns als Familie darstellte, sowohl professionell wie auch privat. Schließlich sind wir eine kulturell gemischte Familie. Da ist es enorm wichtig und unser Herzenswunsch, dass unsere Kinder auch die lateinamerikanische Kultur und die spanische Sprache kennenlernen.»
«Ich bin hier sehr gut aufgenommen worden, und wir fühlen uns als Familie inzwischen sehr wohl in Santiago. Chile ist ein faszinierendes Land, welches wir unbedingt noch näher kennenlernen wollen», unterstreicht sie. Ablehnung habe sie nie gespürt. «Ganz im Gegenteil. Ich habe das Gefühl, dass es bei den Mitarbeitern gut ankommt zu sehen, dass BASF auch in den Führungsetagen neue Wege geht.»

Print Friendly, PDF & Email

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*