Die neue Art des Lernens ist erfolgreich

Aus Anlass des 65-jährigen Bestehens der privaten Deutschen Schule Sankt Thomas Morus blickt der Vorsitzende des Schulvereins, Max Schilling, zufrieden auf eine Dekade als Direktor der Korporation zurück. Zwischen 2005 und 2015 hat es die familiäre, kleine deutsche Schule geschafft, sich an internationalen Maßstäben messen zu können. Petra Wilken sprach mit Max Schilling über die Modernisierung des Bildungsprojekts, der Infrastruktur und über Qualitätsmanagement.

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Max Christian Schilling Ferrari ist Hauptgeschäftsführer des Familienunternehmens Ópticas Schilling, das fast genauso alt ist wie die Thomas-Morus-Schule. 1954 hatte sein Vater Hellmut Schilling Lagunas die Firma gegründet. Max Schilling stieg 1985 ins Unternehmen ein, nachdem er Betriebswirtschaft an der Universidad de Chile studiert hatte. Neben der Arbeit studierte er anschließend noch Augenoptik. Obwohl er auf die Deutsche Schule Santiago gegangen war, schickte er seine eigenen fünf Kinder auf die Thomas-Morus-Schule.
Cóndor: Was gefällt Ihnen an der Schule Sankt Thomas Morus?
Max Schilling: Die Thomas-Morus-Schule ist eine Schule im menschlichen Maßstab. Sie hat zwar inzwischen 800 Schüler, aber es gibt hier eine sehr persönliche Beziehung zu ihnen. Ich bin sehr zufrieden mit der Bildung meiner Kinder. Die drei ältesten sind bereits von der Schule abgegangen. In diesem Jahr wird das vierte Kind fertig und das jüngste ist in der 7. Klasse. Es bleiben mir also noch fünf Jahre an der Schule.
Was zeichnet das Bildungsprojekt der Schule aus?
Der Schulverein hat es sich vor knapp zehn Jahren zur Aufgabe gemacht, gleichzeitig zwei Bereiche zu stärken: Ein Bereich war die Verbesserung des Deutschunterrichts und der andere die Umstellung von der lehrerzentrierten auf die schülerzentrierte Pädagogik. Es ging darum zu erreichen, dass die Schüler fürs Leben lernen.
Was ist der Vorteil der schülerzentrierten Pädagogik?
Auf diese Weise erreichen die Schüler bessere Leistungen. Im klassischen System hält der Lehrer Vorträge vor der Klasse. Das andere System erfordert es, dass die Bedürfnisse der einzelnen Schüler berücksichtigt werden. So ist es möglich, dass sie bessere Ergebnisse erlangen. Es bereitet sie auf das Leben vor. Sie lernen zu lernen. Die Arbeit an diesen akademischen Herausforderungen ist bereits unter dem damaligen Schulleiter Steffen Berg begonnen worden. Er hat die Kontakte zur Zentralstelle für Auslandsschulen – ZFA – hergestellt, um von der Kategorie der Sprachbeihilfeschule zur Schulbeihilfeschule aufzusteigen.
Dabei haben Sie auch das International Baccalaureate eingeführt?
Das International Baccalaureate (IB) ist ein international anerkannter Abschluss. Wir haben sogar das GIB eingeführt. Das ist das Gemischte IB. Normalerweise wird das IB in der Muttersprache abgelegt. Bei uns ist hingegen werden die Fächer Biologie, Geschichte und Deutsch auf Deutsch absolviert und die Fächer Mathematik, Sprache und Englisch auf Spanisch. Wir haben 2006/2007 angefangen, die Schüler darauf vorzubereiten. Der erste Jahrgang ging 2010 mit dem GIB ab. Fast hundert Prozent schaffte das Sprachdiplom! Und das, obwohl nur sehr wenige Schüler von uns zuhause Deutsch sprechen. Das zeigt, dass die neue Art des Lernens erfolgreich ist.
Welche Unterstützung erhalten Sie aus Deutschland?
In Zusammenarbeit mit der Zentralstelle für Auslandsschulen haben wir ein System des Qualitätsmanagements eingeführt. Die ZFA unterstützt uns, indem sie aus Deutschland bezahlte Lehrer finanziert. Für unser Qualitätsmanagement gibt es eine Supervision. Wir haben die Prüfung geschafft und sind 2013 mit dem Gütesiegel „Exzellente Deutsche Auslandsschule“ ausgezeichnet worden. In Chile tragen auch die Deutschen Schulen von Valdivia, Valparaíso, Concepción und Santiago dieses Gütesiegel.
Was ist im Bereich Infrastruktur erreicht worden?
In dem alten Gebäude hier an der Avenida Pedro de Valdivia war früher die Residenz des Deutschen Botschafters untergebracht. Es wurde der Schule zunächst von der Bundesrepublik Deutschland vermietet, dann verpachtet. Das Direktorium hat deshalb beschlossen, das Gelände zu kaufen. Ab 2005 haben wir überlegt, wie wir es schaffen, die Modernisierung der Schule auch durch die entsprechende Infrastruktur zu begleiten. 2009 haben wir die Genehmigung vom Direktorium erhalten, ein neues Gebäude zu errichten. Das alte Schulgebäude wurde abgerissen und ein neues mit 3000 Quadratmetern errichtet, das 2010 eingeweiht wurde. Im Jahr 2014 haben wir ein 800 Quadratmeter großes benachbartes Grundstück an der Straße Guardia Vieja erworben, in dem die Stufe „Medio Mayor“ eine neue Unterkunft erhalten soll.
Was kommt auf die Schule in der näheren Zukunft zu?
Wir wollen die Qualität der Bildung weiter entwickeln und pädagogische Programme anbieten, die die Natur einer deutschen Schule auszeichnen. Da wir eine bilinguale Schule sind, müssen wir weiterhin mehr als 50 Prozent des Unterrichts auf Deutsch anbieten. Die derzeitige Bildungsreform bringt uns in eine Situation der Ungewissheit, aber wir gehen davon aus, dass wir nicht in unseren Ressourcen beschnitten werden und weiterhin die Freiheit haben werden, eigenständige pädagogische Konzepte zu entwickeln. Chile muss einen Prozess einleiten, bei dem progressiv qualitative Verbesserungen in der Schulbildung erreicht werden. Das ist ein langfristiger Prozess, der nicht in einer Legislaturperiode zu erreichen ist. Was die Deutsche Schule Sankt Thomas Morus angeht, so glaube ich, dass wir sehr gut auf die Herausforderungen der kommenden zehn oder 20 Jahre vorbereitet sind.

Herr Schilling, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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