Professor Otto Dörr erhält Nationalpreis für Medizin

Ehrung für Leistungen in Psychiatrie und Neurologie

Im Jahr 2016 hielt Prof. Otto Dörr während der DCB-Jahreshauptversammlung einen Vortrag über Goethes Erbe. Foto: Walter Krumbach
Im Jahr 2016 hielt Prof. Otto Dörr während der DCB-Jahreshauptversammlung einen Vortrag über Goethes Erbe. Foto: Walter Krumbach

 

 

Von Walter Krumbach

Der diesjährige Nationalpreis für Medizin wurde dem Psychiater Otto Dörr (1936) zuerkannt. Der Sohn eines in Curicó ansässigen Chirurgen studierte an der Universidad de Chile Medizin und vervollkommnete später seine Ausbildung an der Universität Heidelberg, wo er 1972 sein Diplom als Doktor der Medizin entgegennahm und 1980 seine Spezialisierung als Facharzt für Psychiatrie und Neurologie beendete.

Otto Dörrs herausragende Leistungen beschränken sich jedoch gewiss nicht auf die Patientenbetreuung. So hat er zum Beispiel bereits 1972 in der Revista Chilena de Neuropsiquiatría die Magersucht («Sindrome de hiperfagia y vómito secundario en la mujer joven») beschrieben. Der Text erschien sieben Jahre, bevor sein englischer Kollege Gerald Russell, der als Schöpfer des Begriffs gilt, seine Arbeit über die gleiche Thematik veröffentlichte.

Professor Dörr hat sich in letzter Zeit wiederholt und mutig dem Trend widersetzt, den Konsum von Marihuana zu verharmlosen und in einigen Fällen sogar zu fördern, wie es in bestimmten Gesellschaftskreisen mit besorgniserregender Beharrlichkeit getan wird. In zahlreichen schlagkräftig begründeten Zeitungsartikeln hat er auf die Gefahren hingewiesen, die besonders Jugendliche laufen, wenn sie diese Droge einnehmen.      

Otto Dörr hat zahlreiche Lehrstühle innegehabt, darunter einen als Gastprofessor an der Universität Heidelberg zwischen 1978 und 1981.

 

Dichtung und Musik   

In seiner Freizeit befasst der Gelehrte sich bevorzugt mit Dichtung. Seine Übersetzungen ins Spanische von Werken Rainer Maria Rilkes gelten in Fachkreisen als rundum gelungen. Ebenso ist er ein Liebhaber der klassischen Musik. Auch auf diesem Gebiet hat er sich öffentlich geäußert und auf die Vorteile der Ausübung der Tonkunst hingewiesen. Im Jahr 2011 veranschaulichte Dörr seine Auffassungen hierzu in einem Artikel, in dem er auf das Erziehungssystem der Griechen hinwies: «Die erste Stufe der Bildung war die Erkenntnis des Lesens, des Schreibens und der Umgang mit der Lyra. Danach kam die Dichtung und die Musik. Diese spielte in der griechischen Bildung eine grundlegende Rolle, da die Hellenen meinten, dass die Musik den perfekten Kreislauf der Sterne wiedergab. Sie auszuüben war somit eine Art, sich in die Gliederung des Kosmos einzuordnen.»

Die Liebe zur Musik im Hause Dörr blieb nicht ohne Folgen: Des Professor Tochter Constanza ist heute eine herausragende professionelle Sängerin.

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