Nasa-Forscher entdecken bislang erdähnlichsten Planeten

Einen «größeren und älteren Cousin der Erde» haben Wissenschaftler der US-Raumfahrtbehörde Nasa entdeckt. Der «Kepler-452b» getaufte Planet ist der wohl bislang erdähnlichste. Die Forscher sehen sich einen großen Schritt weiter bei der Suche nach der «Erde 2.0».

4147_p12a

Washington (dpa) – Kaum war die Nachricht draußen, überschlugen sich die Reaktionen im Internet. Ein neuer Planet sei erspäht worden, teilte die US-Raumfahrtbehörde Nasa bei einer mit Spannung erwarteten Pressekonferenz am Donnerstag vergangener Woche mit – und er sei der Erde so ähnlich wie kein bislang entdeckter anderer Planet. Ob man da hinfliegen könne, fragten sich sofort dutzende Menschen beim Kurznachrichtendienst Twitter. Oder gar Grundstücke kaufen? Gibt es auf dieser «neuen Erde» Menschen? Elektrizität? Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel sei sicher schon mit einer Handelsdelegation auf dem Weg zum «Kepler-452b» getauften Planeten, witzelte ein Twitter-Nutzer – in Anspielung auf die jüngste Reise des Vizekanzlers in den Iran.
Aber obwohl solche Überlegungen bislang natürlich reine Science-Fiction sind, waren auch die Wissenschaftler der Nasa von ihrer Entdeckung elektrisiert. Der mit dem Weltraumteleskop «Kepler» erspähte Planet sei eine Art «größerer und älterer Cousin der Erde». In einer bewohnbaren Zone umkreise er einen sonnenartigen Stern in einem ähnlichen Abstand wie die Sonne die Erde. Wasser könnte auf «Kepler-452b» also flüssig sein – eine der Grundvoraussetzungen für Leben.
«Dieses aufregende Ergebnis bringt uns einen Schritt näher zur Entdeckung einer Erde 2.0», sagte Nasa-Manager John Grunsfeld. Für die Mitarbeiter der US-Raumfahrtbehörde gab es damit bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage Grund zum Jubel, nachdem erst vor Kurzem eine Sonde am Zwergplaneten Pluto vorbeigeflogen war.
«Kepler-452b» ist nicht der erste erdähnliche Planet, den Astronomen entdeckt haben. Nach Nasa-Schätzungen besitzt mindestens jeder zweite Stern in etwa erdgroße Planeten. Bei der Suche nach diesen Planeten geholfen hat der Nasa in erster Linie das nach dem deutschen Astronomen Johannes Kepler (1571-1630) benannte Weltraumteleskop, das 2009 in die Erdumlaufbahn gebracht wurde. Fast 4.700 mögliche Exoplaneten hat «Kepler» erspäht, bestätigt sind davon 1.030.
Rund 500 der Planeten-Kandidaten haben die Nasa-Forscher gerade erst ausfindig gemacht. Alleine davon entsprechen 12 in ihrer Größe der Erde oder sind bis zu doppelt so groß. Neun von ihnen umkreisen Sterne, die unserer Sonne in Größe und Temperatur ähnlich sind – auch sie sind also alle mögliche neue Erden, müssen allerdings noch genauer untersucht werden.
«Kepler-452b» ist schon genauer untersucht worden und vieles passt. Sein Durchmesser ist 60 Prozent größer als der der Erde, seine Zusammensetzung mit hoher Wahrscheinlichkeit felsig. Seine Sonne, genannt «Kepler-452», umkreist er in einem fünf Prozent weiteren Abstand als unsere Erde unsere Sonne. Und er braucht für eine Umrundung 385 Tage.
Und sowohl den Stern «Kepler-452» als auch seinen Planeten «Kepler-452b» gibt es wohl schon 1,5 Milliarden Jahre länger als unsere Sonne und die Erde. «Es ist beeindruckend, wenn man sich vorstellt, dass dieser Planet sechs Milliarden Jahre in der bewohnbaren Zone eines Sterns verbracht hat, länger als die Erde», sagte Nasa-Wissenschaftler Jon Jenkins. «Das ist eine wesentliche Möglichkeit für die Entstehung von Leben, wenn denn alle wesentlichen Voraussetzungen und Konditionen dafür auf diesem Planeten existieren.»
Wasser oder gar Leben, wie wir es kennen, haben die Forscher auf dem fremden Planeten bislang aber nicht entdeckt. Einfach mal hinfliegen und nachschauen geht auch nicht, denn das «Kepler-452»-Sonnensystem liegt rund 1.400 Lichtjahre von unserer Erde entfernt. Zum Vergleich: Von der Erde zum Pluto benötigt das Licht je nach Position der beiden gerade mal rund 4,5 Stunden. Und allein, um zu Pluto zu gelangen, ist die Sonde «New Horizons» neun Jahre lang geflogen.
Forscher bewerten die Entdeckung des Erd-Cousins trotzdem als einen Meilenstein der Planetenforschung. «Das ist eine großartige Zeit, in der wir leben», sagt Planetenforscher Didier Queloz von der britischen Universität Cambridge. «Wenn wir weiter so gut und so enthusiastisch arbeiten, ist es nicht zu optimistisch zu denken, dass wir in der Zukunft das Rätsel vom Leben auf einem anderen Planeten lösen können.»

Auf der Suche nach Außerirdischen

4147_p12b
Szene aus dem Film „Mars Attacks!“ aus dem Jahr 1996

Grüne Männchen und Zombies bevölkern Science-Fiction-Welten. Jetzt wird aber die ernsthafte Suche nach echten Außerirdischen im All mit einer Millionenspende intensiviert.

Sydney (dpa) – Spätestens seit der Kultserie «Raumschiff Enterprise» halten Erdlinge sich für Kenner des Außerirdischen. Und die Entdeckungen erdähnlicher Exoplaneten wie «Kepler-452b» beflügeln diese Spekulationen noch. Spitze Ohren, grünes Blut, kaum Gefühle, und doch so liebenswert – das ist Mr. Spock, der Halbvulkanier, der Erdlingen die Angst vor Andersartigen nimmt.

Aber Vorsicht! mahnt Astrophysiker Matthew Bailes. Bailes von der Swineburne-Universität in Australien gehört zu einem Team hochkarätiger Wissenschaftler, die die Suche nach außerirdischen Zivilisationen dank einer Millionenspende von Millionären nun vorantreiben. Mit den 100 Millionen Dollar (91 Millionen Euro) von der Stiftung «Breakthrough Prize» (Preis für Durchbrüche) werden Planetenkenner, All-Forscher und Physiker zehn Jahre das Universum aushorchen. «Wenn wir ein Signal aus dem All empfangen, sollten wir genau überlegen, bevor wir antworten», warnt Bailes im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. «Wir suchen nach fortgeschrittenen Zivilisationen, die beim Aussenden von Signalen deutlich mehr auf der Pfanne haben als wir.» Sonst würden die Signale über Zehntausende Lichtjahre Entfernung ja gar nicht ankommen. «Wenn aber schwache Zivilisationen in Kontakt mit starken Zivilisationen treten, ist das in der Geschichte immer schlecht ausgegangen», sagt er.

Die Chefwissenschaftlerin der US-Weltraumbehörde Nasa, Ellen Stofan, glaubt, dass der Mensch schon bald außerirdische Lebewesen findet. «Ich gehe davon aus, dass wir innerhalb von zehn Jahren starke Anzeichen von Leben außerhalb der Erde haben werden, und richtige Beweise in den nächsten 20 bis 30 Jahren», sagte sie, allerdings mit Blick auf Mikroorganismen. Das amerikanische Seti-Institut forscht dagegen schon seit 1984 nach intelligenten Außerirdischen. Die Wissenschaftler haben zwar schon Planeten außerhalb des Sonnensystems entdeckt. Aber die Suche nach Leben war bislang erfolglos.

Bailes‘ Fachgebiet sind «extragalaktische Ausbrüche im Bereich der Radiostrahlung». Er arbeitet am Parkes-Teleskop 350 Kilometer westlich von Sydney, einem der leistungsstärksten Teleskope der Welt. Ob Signale entdeckt werden oder nicht, der australische Forschungsorganisation Csiro ist sicher, dass das Projekt «exzellente wissenschaftliche Ergebnisse liefern und zu anderen Feldern der Astronomie beitragen wird». Die Hauptarbeit machen Hochleistungscomputer. «Sie müssen Milliarden Daten pro Sekunde durchforsten und nach einem Muster suchen, dass ein Signal sein könnte.» Hinter dem Projekt steht auch der bekannte britische Kosmologe Stephen Hawking, Autor des Bestsellers «Eine kurze Geschichte der Zeit». «Es ist wichtig für uns, zu wissen, ob wir alleine im Dunklen sind», sagte er bei Vorstellung des Projekts. Auf eine baldige Begegnung mit der anderen Art müsse sich allerdings niemand gefasst machen, meint Bailes. Die Signale kämen höchstwahrscheinlich aus tausenden Lichtjahren Entfernung. «Selbst, wenn wir morgen eins auffingen, wären wir lange unter der Erde, bevor eine Antwort von uns überhaupt bei den Außerirdischen angekommen wäre.»

Print Friendly, PDF & Email

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*