«Monatsblatt» – deutsche Plattformin Bolivien

Im Jahr 1990 wurde das «Monatsblatt» gegründet und umfasste nur wenige Blätter. Heute richtet sich die vierteljährliche Ausgabe mit 130 Seiten an die deutschsprachige Gemeinschaft in Bolivien.

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Seit 24 Jahren hat die deutsche Gemeinschaft in Bolivien einen eigenen Kommunikationskanal: das «Monatsblatt», eine Publikation, die seit ihrer Entstehung von der Deutschen Kulturgemeinschaft (DKG) Bolivien mit dem Ziel der Förderung und Verbreitung der deutschen Kultur sowie der Stärkung der Zusammengehörigkeit der deutschen Gemeinschaft in dem Andenland voran getrieben wurde.

Auch wenn der Name in die Irre führen kann, handelt es sich beim «Monatsblatt»um eine vierteljährliche Publikation. Jede Ausgabe hat ein zentrales Thema sowie diverse Artikel, die in feste Rubriken fallen: Serie, Kultur, Reise, Leute, Schule, Kulinarisches, Kirche und Organisationen. Seit 1990 haben sich das Format und die Inhalte weiterentwickelt: Von einem monatlichen Blatt, das sich hauptsächlich auf die die Aktivitäten der Deutschen Schule Mariscal Braun in La Paz konzentrierte, ist es heute zu einem Medium geworden, das historische und konjunkturelle Themen mit sozialem Hintergrund umfasst.

Rund 95 Prozent des Inhalts ist auf Deutsch verfasst und der Rest auf Spanisch, entsprechend der Prinzipien der DKG Bolivien, die die Verbreitung der deutschen Sprache sowie die Förderung der deutsch-bolivianischen Freundschaft ganz groß schreiben.

Das «Monatsblatt» erreicht die deutsche Gemeinschaft in Bolivien über Abonnements und wird an die Mitglieder der Deutschen Kulturgemeinschaft unentgeltlich verteilt. Im Landesinneren wird die Institution von den regionalen Konsulaten, dem Goethe-Institut sowie den im Land tätigen Organisationen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit unterstützt.

Zur Leserschaft zählen die Mitglieder der DKG, in ihrer Mehrzahl Deutsche, die schon viele Jahre in Bolivien leben, darunter Umweltforscher, Unternehmern bis hin zu Angestellten und Vertretern deutscher Firmen. Vorübergehende Leser sind Diplomaten, Entwicklungshelfer und Lehrer, die sich für einen bestimmten Zeitraum im Land aufhalten. Hinzu kommen ehemaligen Stipendiaten und ehemaligen Schüler der deutschen Schulen in Bolivien.

Das «Monatsblatt» informiert nicht nur über die verschiedenen Aktivitäten der deutschen Organisationen in Bolivien informieren, sondern auch über Reisen und empfehlenswerte Orte für die Freizeitgestaltung, veröffentlicht persönliche Porträts von Deutschen

Zu den meist gelesenen Rubriken der Publikation gehören Reise und Leute. Der Reiseteil bietet Artikel, die sogar die Aufmerksamkeit von deutschen Publikationen wie «Reise Know-How» geweckt haben, welches das «Monatsblatt» in seinen Peru- und Bolivien-Ausgaben als «sehr empfehlenswert» bezeichnet hat.

Laut Daten der letzten Volkszählung, die 2012 in Bolivien durchgeführt wurde, wird das potenzielle Publikum des «Monatsblatts» auf 12.000 Personen geschätzt, wobei die vierteljährlichen Ausgaben dagegen noch bescheiden sind. Seit 2012 ist die Zahl auf 500 Exemplare aufgestockt worden, eine äußert kleine Zahl. Alles in allem hat die Publikation in den letzten Jahren an Präsenz gewonnen. Im vergangenen Jahr wurden das Design der Titelseite sowie das interne Format leicht verändert.

Die DKG Bolivien feiert 2014 ihr 100-jähriges Bestehen, also ein Jahrhundert der deutschen Immigration in Bolivien. Die Artikel der dritten Ausgabe vom «Monatsblatt» diesen Jahres werden sich auf diese Institution konzentrieren, die im Laufe ihres Bestehens verschiedene soziale Organisationen ins Leben gerufen hat, unter anderem die Deutsche Klinik, der Deutsche Verein, der deutsche Friedhof sowie die deutsche Schule Mariscal Braun, die eine der meist geschätzten Bildungseinrichtungen mit dem größten Prestige innerhalb der bolivianischen Gesellschaft ist.

Die von der deutschen Regierung zur Unterstützung der deutschen Schulen im Ausland entsandten Lehrer in Bolivien haben immer den Großteil der Redaktion der Publikation ausgemacht. Im Laufe der Zeit sind ihre Seiten aber auch das Produkt von Geologen, Sportlern, Linguisten, Theologen, Musikern, Umweltschützern, Anwälten und Journalisten geworden.

Die Redaktion des «Monatsblatts» bildet eine Gruppe Freiwilliger, die Monat für Monat die Themen und den Weg der kommenden Ausgabe definieren, um der kleinen aber verschiedenartigen, in den bolivianischen Anden, Tälern und Tropen niedergelassenen deutschen Gemeinschaft als Plattform zu dienen.

 

Deutsche Sprache in Bolivien4093_Monatsblatt_2

Die Volkszählung 2012 in Bolivien brachte eine Überraschung: Nach Spanisch (6.690.004), Quechua (1.680.364) und Aymara (1.021.500) ist Deutsch (62.741) die viertwichtigste Sprache in der Kategorie der ersten in der Kindheit erlernten Sprache – wenn auch mit einem riesigen quantitativen Abstand.

Die Nachricht löste aber auch Skepsis aus. Der anerkannte bolivianische Soziologe Ricardo Paz, erklärte: «Ich habe den Eindruck, dass diese Angabe eine weitere der Fehlangaben ist, die die mangelnde Sorgfalt offen legt, mit der die Volkszählung 2012 durchgeführt wurde. Es ist eher unwahrscheinlich, dass es mehr Menschen gibt, die in ihrer Kindheit Deutsch und nicht Englisch oder Portugiesisch gelernt haben.»

Michael Friedrich, Direktor des Goethe-Instituts in Bolivien, sagte dagegen: «Dieses Ergebnis ist sicherlich der starken deutschen Zuwanderung, vor allem nach den zwei Weltkriegen im 20. Jahrhundert, zu verdanken.»

Hinsichtlich der deutschsprachigen Mennoniten-Gemeinschaften, die im östlichen Teil Boliviens ansässig und für die hohe Repräsentanz der deutschen Sprache im Land verantwortlich sein könnten, wollte das nationale Statistik-Institut keine Angaben machen.

Die Volkszählung im Jahr 2001 ergab, dass die Mennoniten-Gemeinschaft in Bolivien 37.000 Personen zählt, wobei die Geburtenrate pro Familie bei 5,5 Kindern lag. Der deutsche Konsul in Santa Cruz, Michael Biste, führte diesbezüglich die Daten einer Studie von 2009 an, die von Sieghard Schartner und Sylvia Dürsken ausgearbeitet wurde, und nach welcher die Zahl der Mennoniten in der Region 2007 bei 50.000 lag, auf 57 Kolonien verteilt. Auf diese Art und Weise gäbe es für die Zahl der 62.741 Personen, die Deutsch in ihrer Kindheit lernten, eine logische Erklärung.

 

Teresa Torres-Heuchel

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