«Kulturkiller» und «Kannibalisierung»

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels warnt vor der «Kannibalisierung» des Print-Marktes durch das E-Book und fürchtet sich vor dem «Kulturkiller» Amazon. Dabei geht es dem deutschen Buchmarkt immer noch gold.

E-Books setzen sich in Deutschland immer mehr durch

Frankfurt/Main (dpa) – Deutschland ist ein Land begeisterter Leser. Nirgendwo auf der Welt werden in Relation zur Einwohnerzahl mehr Bücher verkauft, behauptet der Börsenverein des Deutschen Buchhandels – und hat doch Grund zur Klage.

Nicht, dass es den Verlagen und Buchhandlungen, die der Börsenverein vertritt, wirklich schlecht ginge: Zwar sank der Umsatz 2012 um ein knappes Prozent, in Südeuropa aber liegen die Rückgänge im hohen zweistelligen Bereich, europaweit wächst der Buchmarkt nur in Österreich. «Das Buch ist in der deutschen Gesellschaft sehr stark verankert», sagt Hauptgeschäftsführer Alexander Skipis. «Auch die Vorstellung, dass die Jugend nicht mehr liest, trifft nicht zu.»

Aber die Branche ist in Bewegung. Bei der jährlichen Wirtschafts-Pressekonferenz in Frankfurt bombardierte der Börsenverein die Journalisten mit – teils widersprüchlichen – Tabellen und Grafiken. Zwei Entwicklungen aber sind klar: Die Kurve des Online-Buchhandels zeigt nach oben, die der Buchhandlungen nach unten. Und das Kuchenstück der E-Book-Verweigerer schrumpft, sowohl bei den Verlagen als auch bei den Lesern.

«Die Vorliebe für das gedruckte Buch ist in Deutschland immer noch stark, aber sie geht kontinuierlich zurück», sagt Schatzmeister Jürgen Horbach. Bei einer Umfrage sagten nur noch 40 Prozent, sie läsen ausschließlich gedruckte Bücher. Zum ersten Mal tauchte auf dem Radar der Befrager eine neue Gruppe auf: Ein Prozent will künftig nur noch elektronisch lesen. «E-Reader erobern sogar die Schlafzimmer», berichtet Horbach, «das hätten wir nicht gedacht.»

Lesestunde in einer Bibliothek: „Auch die Vorstellung, dass die Jugend nicht mehr liest, trifft nicht zu.“

Jede zweite Neuerscheinung gibt es inzwischen auch elektronisch. Immerhin, deren Zahl sinkt wieder – «Gott sei Dank», findet selbst der Börsenverein. 80.000 Neuerscheinungen kamen 2012 in Deutschland auf den Markt, vor zehn Jahren waren es fast 20.000 weniger, zwischendurch war man aber auch schon mal bei 86.000. Zwei Drittel davon ist Belletristik, gefolgt von Kinderbüchern und Ratgebern.

Paradiesische Zustände, könnte man meinen. Dennoch fielen Vokabeln wie «Kannibalisierung» (des Print-Marktes durch das E-Book), «Ungerechtigkeit» (geringerer Mehrwertsteuersatz auf E-Books) und «Kulturkiller» (der Online-Gigant Amazon). Dass Amazon wegen seiner Arbeitsbedingungen in der Kritik steht, darüber freut man sich im Frankfurter «Haus des Buches» unverhohlen.

Und wie geht es nun weiter im Konflikt zwischen digital und Papier? «Jeder zweite Händler erwartet in den kommenden Jahren Umsatzrückgänge im klassischen Sortiment», berichtet Steffen Meier, Sprecher des Arbeitskreises Elektronisches Publizieren. Die Verlage hingegen machen mit E-Books immerhin schon zehn Prozent ihres Umsatzes. Die Umsätze in Buchhandlungen seien im Frühjahr auch wieder gestiegen – im verregneten Mai sogar um 6,2 Prozent.

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