Katholiken und Lutheraner erinnern gemeinsam an die Reformation

Kardinal Ricardo Ezzati, Erzbischof von Santiago, sowie weitere Kirchenvertreter nehmen am Gedenktag zu 500 Jahren Reformation in der Erlöserkirche teil. Foto: Gisela Scheel
Kardinal Ricardo Ezzati, Erzbischof von Santiago, sowie weitere Kirchenvertreter nehmen am Gedenktag zu 500 Jahren Reformation in der Erlöserkirche teil. Foto: Gisela Scheel

Am 30. Oktober geschah etwas Historisches in der lutherischen Erlöserkirche in Santiago: Zum ersten Mal feierten die beiden lutherischen Kirchen in Chile offiziell gemeinsam mit der katholisch-römischen Kirche einen ökumenischen Gottesdienst.

Von Pastorin Hanna Schramm

Was für eine schöne, versöhnliche und segensreiche Geste zur Eröffnung des 500. Jahres nach Reformationsbeginn! Die höchsten Vertreter aller drei Kirchen waren anwesend, was für die Teilnehmer sehr bewegend war. Kardinal Ricardo Ezzati, Erzbischof von Santiago, und Izani Bruch, Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Chile, hielten die Predigt. Von Siegfried Sander, Bischof der Lutherischen Kirche in Chile, wurde ein Grußwort verlesen, da er in Deutschland weilte.

Eine weitere Besonderheit war, dass die ökumenische Liturgie von Lund verwendet wurde, nach welcher der Lutherische Weltbund und die katholisch-römische Kirche mit deren höchsten Repräsentanten – Generalsekretär Martin Junge, Präsident Munib Younan und Papst Franziskus – auf internationaler Ebene in Schweden ein Tag später, am 31. Oktober, einen gemeinsamen Gottesdienst feierten. Wir Teilnehmer vereinten uns somit in Wort, Gebet, Lobpreis und Gesang mit lutherischen und katholischen Christen weltweit.

Die Lesung des Evangeliums waren Worte aus dem Johannesevangelium 15,1-5, in welchen Jesus sich als Weinstock bezeichnet und die Gläubigen als dessen Reben. Wer im Weinstock Jesus bleibt, auch wenn jeder eine andere eigene Rebe ist, wird in seinem Anliegen Taten hervorbringen.

Im Sinne dieses Bildes fanden die Vertreter beider Kirchen über die Geschichte der Trennung, des Streits, der Anfeindungen und des Krieges hinweg versöhnliche und hoffnungsvolle Worte in Bezug auf die heutige Beziehung und das gemeinsame Leben in Gott.

Erzbischof Ricardo Ezzati verwies auf die Unfähigkeiten auf beiden Seiten und betonte, dass Katholiken und Lutheraner mittlerweile Schritte auf einem gemeinsamen Weg gehen und dass die Grundlage für die Gemeinschaft durch das Sein in Gott geschaffen wird, worauf er für beide Kirchen hofft. Bischöfin Izani Bruch erinnerte daran, dass alle Christen in der Taufe gleich und beauftragt sind einen gemeinsamen Körper in Christus zu bilden. Nicht die Trennung gilt es im Reformationsgedenken zu feiern, sondern die in den letzten Jahren geleistete Annäherung, Öffnung und Wiederbegegnung zwischen Christen beider Konfessionen.

Mitglieder aller drei Kirchen, Padre José Arenas von der katholischen Kirche, Pfarrer Esteban Alfaro und Felipe Sepúlveda von der lutherischen Kirche in Chile und Pfarrer Pedro Zavala bereiteten den Gottesdienst vor. Italo Riffo organisierte die musikalische Ausgestaltung gemeinsam mit dem Dietrich-Bonhoeffer-Chor und der Pianistin Patricia Rodriguez.

Bei den Lesungen wirkten außerdem Schwester María Isabel Silva von der katholischen Kirche, Pfarrer Marcelo Huenulef von der evangelisch-lutherischen Kirche, José Cobo von der lutherischen Kirche und eine lutherisch-katholische Familie mit, was eine besonders schöne Geste war. Walter Dümmer, Präsident der Lutherischen Kirche in Chile sowie des Rates der lutherischen Kirchen in Chile hielt das Grußwort.

Es nahmen auch Vertreter anderer Konfessionen teil: Pfarrer Mario Martínez, emeritierter Bischof der Methodistischen Kirche Chiles, Bischof Hector Zavala der Anglikanischen Kirche Chiles und Pfarrer Dr. Jorge Cárdenas, Moderator der Evangelisch Presbyterianischen Kirche in Chile.

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