Jugend debattiert in Südamerika

Gewinner und Teilnehmer bei dem «Jugend debattiert»-Wettbewerb an der deutschen Botschaft Santiago.
Gewinner und Teilnehmer bei dem «Jugend debattiert»-Wettbewerb an der deutschen Botschaft Santiago.

Erstmals sind Jugendliche aus Argentinien, Brasilien, Chile und Paraguay zu einem gemeinsamen Debattierturnier in deutscher Sprache zusammengekommen.

Von Anna Hendrischk-Seewald
Fachberaterin der ZfA in Chile

«Jugend debattiert» heißt der Wettbewerb, den die Hertie-Stiftung und die Zentralstelle für das Auslandschulwesen seit diesem Jahr auch in Südamerika veranstalten. 45 Schulen haben 2016 daran teilgenommen. Abschluss und Höhepunkt war das Internationale Finale, das vom 19. bis 21. Oktober in Santiago de Chile ausgetragen wurde. Eingeladen dazu hatte die Fachberatung der ZfA in Chile, die in Zusammenarbeit mit der Schweizer Schule Santiago, den dreitägigen Wettbewerb organisierte.

Das Thema der Schlussdebatte in der Deutschen Botschaft lautete: «Soll in unseren Ländern wie in Chile bei allgemeinen Wahlen Wahlpflicht durch Wahlrecht ersetzt werden?» Hier überzeugte der 17-jährige Francisco Arid vom Colégio Benjamin Constant in Sao Paulo, der eindrucksvoll für eine Beibehaltung der Wahlpflicht argumentierte und damit den Gesamtsieg errang. Den zweiten Platz belegte die Chilenin Antonia Vera von der Deutschen Schule Valparaíso, gefolgt von Cindy Wiebe Rempel aus Paraguay und Ana Júlia Holler aus Brasilien.

Zuvor hatten sie sich in weiteren Debatten mit der Legalisierung von Cannabis nach dem Vorbild Uruguays auseinandergesetzt und erörtert, ob die kostenlose Abgabe von Plastiktüten verboten oder der Sportunterricht um täglich eine Stunde ausgeweitet werden soll. Eine fachkundige Jury hat die Leistungen der Teilnehmer nach Sachkenntnis, Ausdrucksvermögen, Gesprächsfähigkeit und Überzeugungskraft bewertet und abschließend Siegerinnen und Sieger bestimmt.

Der Leiter der Zentralstelle für das Auslandschulwesen, Joachim Lauer, ehrte die Sieger im Rahmen der feierlichen Veranstaltung in der Deutschen Botschaft. In seiner Ansprache hob Lauer hervor: «Bei Jugend debattiert geht es nicht nur um sprachliche Bildung. Es geht vor allem um politische Bildung. Jugendliche lernen, Position zu beziehen und Positionen zu begründen. Erst die Bezugnahme auf Gründe ermöglicht es, einen Meinungsstreit sachlich auszutragen. Debattieren ist dafür ein Modell.»

Ansgar Kemmann, der Leiter von «Jugend debattiert», der ebenfalls aus Deutschland zum Finale in die chilenische Hauptstadt angereist war, betonte im Namen der Hertie-Stiftung: «Wir möchten, dass junge Menschen schon in der Schule lernen, wie man gut zuhört, frei spricht, Meinungen begründet und auch in Streitgesprächen zu guten Ergebnissen kommt. Deshalb beginnt Jugend debattiert im Unterricht. Der Wettbewerb baut darauf auf und bietet jedem, der daran teilnimmt, eine zusätzliche Chance.»

Teilnehmerin Julia Palma äußerte sich nach dem Finale begeistert: «Es war ein einzigartiges Erlebnis, auch um andere Personen kennenzulernen und andere Meinungen zu hören.» Das bestätigte auch Finalistin Ana Júlia Holler: «Das Ganze war eine sehr gute Erfahrung. Wir konnten miteinander reden, es war sehr gut, dass wir einander als Freunde kennengelernt haben und nicht als Gegner.»

 

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