Ingenieure für die Zukunft

Die Deutsche Schule Valparaíso vertritt Chile bei der diesjährigen Lego-Weltmeisterschaft in St. Louis. Sponsoren werden noch gesucht.

Das Team «DSV Planck» mit den Trainern: Andrés Urmeneta, Francisco Araya, Rocío Araya, Freddy Mix, Catalina Roldán, Joaquín Marcos, Leonardo Vasquez und Esraimundo Johnson.
Das Team «DSV Planck» mit den Trainern: Andrés Urmeneta, Francisco Araya, Rocío Araya, Freddy Mix, Catalina Roldán, Joaquín Marcos, Leonardo Vasquez und Esraimundo Johnson.

«Eigentlich hat er im Team keinen Namen, aber für mich heißt er Patricio», meint Francisco und setzt den Roboter zurück auf die weiße Plastikplandecke, auf der die verschiedenen Hindernisse und Prüfungen stehen, die der Roboter im Wettbewerb meistern muss. Das ist der Spielplan, der Parcours, zentraler Bestandteil der Meisterschaften, die auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene ausgetragen werden. Francisco ist Teil des Teams «DSV Planck», das dieses Jahr den dritten Platz in der nationalen Meisterschaft der First Lego League gewonnen hat und damit im April nach St. Louis zu den internationalen Wettkämpfen mit Schulen aus 84 Staaten eingeladen wurde.
Seit drei Jahren gibt es den Robótica-Workshop an der Deutschen Schule in Valparaíso. Und der Anfang war nicht leicht, wie Freddy Mix und Leonardo Vásquez betonen, die die technische Ausbildung der Schule leiten. «Bei unserem ersten Wettbewerb belegten wir den vorletzten und den letzten Platz. Das war nicht einfach.» Aber Leo Vásquez fügt hinzu, dass er schon damals ein gutes Gefühl hatte. «Im Prinzip war alles da, alles war gut. Es lag an Kleinigkeiten. Und wir hatten und haben immer das Ziel zu gewinnen.»
Freddy Mix ist seit 2004 an der Deutschen Schule, seit 2011 wird er von Vásquez bei der technischen Ausbildung unterstützt. Die Grundidee sei gewesen, so Mix, «Elemente der Mechanik, Elektronik und des Programmierens in das Curriculum einzubauen oder über Zusatzkurse (extra-programáticas) anzubieten.» Es gab von Anfang an viele Interessenten, innerhalb und außerhalb der Schule. So gibt es beispielsweise eine enge Zusammenarbeit mit der Universität Federico Santa María, einer der führenden technischen Hochschulen des Landes. Einige Schüler nehmen an Wettbewerben der Uni teil oder sind Mitglieder in Gruppen, die regelmäßig an internationalen Wettbewerben partizipieren, wie «corazón de chileno». Diese Gruppe wird allerdings maßgeblich von Mitteln aus der Industrie unterstützt.
2011 nahm die Deutsche Schule Valparaíso das erste Mal mit einem Team an einem regionalen Wettbewerb teil. Nach nur drei Jahren Arbeit zeigen sich nun die Früchte. Bereits im letzten Jahr erzielte die Schule ein achtbares Ergebnis im nationalen Vergleich, seit 2014 sind sie die beste Schule der V. Region und wurden nun Dritte in der nationalen Meisterschaft.
Die Arbeit der Gruppe funktioniert, wie moderner Unterricht funktionieren sollte, in Chile aber (noch) selten zu finden ist: Die Lehrer fungieren als Moderatoren, als Impulsgeber und helfen bei Entwicklung und Organisation. Den Plan und die Durchführung der Ideen aber übernehmen die Schüler. Learning by doing.
Dabei haben die einzelnen Teilnehmer natürlich Spezialgebiete und Vorlieben. Joaquín Marcos zum Beispiel, der jüngste im Team, entwickelt den Aufbau und die bauliche Zusammensetzung des Roboters, während Andrés Urmeneta lieber programmiert. Die Schüler ergänzen sich immer, allerdings betont Catalina Roldán, die Älteste im Team, dass diszipliniertes und zielgerichtetes Arbeiten wichtig seien: «Wir müssen zu einem Ergebnis kommen und können uns nicht stundenlang mit Diskussionen aufhalten.» Und das Ziel, das betont Leonardo Vasquez noch einmal, das Ziel ist immer zu gewinnen!
Dabei besteht der Wettbewerb nicht nur aus dem Entwickeln eines Roboters, der auf einem vorgegeben Plan Aufgaben erledigen muss. Die Konkurrenz besteht aus drei Teilen: Im Bereich der «robótica» muss die von dem Team entwickelte Maschine in zweieinhalb Minuten einen vorgegebenen Aufgabenplan durchlaufen und Punkte sammeln. Der zweite Teil ist ein wissenschaftlicher Bereich, in dem das Metathema des Wettbewerbs – in diesem Jahr «alternative Möglichkeiten der Bildung» – didaktisch aufgearbeitet werden soll. Team «Planck» hat dazu Vorlagen in zwei verschiedenen Codes entwickelt, zum einen im QR-Format, zum anderen in virtueller Realität. Das Team bereitet die Präsentationen vor und zeigt sie vor verschiedenen Klassen in der Schule.
Als drittes werden Teamwork und Werte beurteilt. Trotz hartem Konkurrenzkampf ist die Idee des Wettbewerbs, dass alle voneinander lernen und sich auch teamübergreifend unterstützen. Fairplay steht im Mittelpunkt.
Es bleibt nicht mehr viel Zeit bis zur Weltmeisterschaft. Was wird verändert, wie wird trainiert? Mix erläutert ein paar Punkte, die man vielleicht verbessern könnte: doppelte Räder, den Roboter etwas höher bauen und ausprobieren, ausprobieren, ausprobieren.
Und Sponsoren suchen. Denn die Kosten für die Teilnahme an den Wettbewerben muss jeder Teilnehmer selbst erbringen. Das ist teuer. Dabei wäre eine finanzielle Unterstützung durch die Privatwirtschaft eine klassische Win-win-Situation. Die Schüler erhalten eine exzellente Ausbildung, und die Sponsoren haben einen unschlagbaren Vorteil im Wettbewerb um die Ingenieure der Zukunft.

Thomas Magosch

Weitere Informationen im Internet:
www.dsvplanck.esy.es
www.firstlegoleague.cl

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