«Ich liebe meine Wohnung»

Die Wohnungen sind geräumig und gemütlich, ideal um sich darin wohlzufühlen. Das Altenheim des Deutsch-Chilenischen Frauenwerks an der Straße Manquehue 1370, fast neben der Deutschen Klinik in Santiago, beherbergt um die 40 Senioren. Doch bald steht der Umzug bevor.

Elisabeth Fuchslocher und Hanna Krull – zwei dankbare Heimbewohnerinnen. Foto: Walter Krumbach
Elisabeth Fuchslocher und Hanna Krull – zwei dankbare Heimbewohnerinnen. Foto: Walter Krumbach

Seit 18 Jahren lebt Hanna Krull dort und ist damit die «älteste» Bewohnerin. Sie hat sich ihre Wohnung urgemütlich eingerichtet. Das Appartement ist, wie alle anderen auch, von der gepflegten Gartenanlage umgeben, an der sämtliche Heimbewohner ihre besondere Freude haben. Das Zusammenleben findet sie «erstaunlich: man begegnet sich höflich, oft sehr herzlich im täglichen Verkehr». Im Heim ist man – sofern man es nicht anders will – jeden Tag beschäftigt. Außer dem gemeinsamen Mittagessen «trifft man sich beim Einkauf im nahegelegenen Supermarkt. Viele Damen kommen zur gemeinsamen Turnstunde oder zum Tai Chi zusammen.» Dienstagnachmittags stricken sie für bedürftige Altersheime und trinken anschließend gemeinsam Kaffee. Anregend ist für Frau Krull das Treffen der Literaturstunde und die Filmvorführungen an jedem Freitag. Die Senioren wissen, das Leben zu genießen: laufend kommen sie privat zum Aperitif, zum Musikhören oder zum Kartenspiel zusammen.

Hanna Krull war 40 Jahre als Lehrerin an der Deutschen Schule Santiago tätig. Deutschland besuchte sie insgesamt sieben Male, «vor, während und nach der Mauer!» In Bremen besuchte sie zwei Jahre die Pädagogische Hochschule, «wo ich mit einem Vokabular konfrontiert wurde, das ich nicht kannte», lacht sie. Von der «Dynamik im Unterricht» und ähnlichen gewöhnungsbedürftigen Ausdrücken war dort die Rede. Dort legte sie ihre Prüfung als Grundschullehrerin ab. Nach ihrer Rückkehr arbeitete sie an der DS Santiago, 1981 wurde sie Schulleiterin der Abteilung Ñuñoa und nach ihrer Pensionierung war sie an den Deutschen Schulen St. Thomas Morus und Chillán tätig.

Das Leben im Heim genießt sie voll und ganz. Hier konnte sie Freundschaften von Anno Dazumal auffrischen, wie zum Beispiel mit Elisabeth Fuchslocher, mit der sie zur Schule ging. Elisabeth ist heute zum gemütlichen Plauderstündchen bei Kaffee und Kuchen gekommen. Auch sie ist dem Frauenwerk verbunden: nicht weniger als 20 Jahre war sie die Vorstandsvorsitzende. Für ihre Verdienste erhielt sie das Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.

Nun, da der Umzug in das moderne Gebäude an der Hualtatas für das kommende Jahr bevorsteht, wollte Hanna Krull dem Haus, in dem sie über 18 Jahre ihres Lebens verbrachte und den Betreuern, die sie während dieser langen Zeit begleiteten, ihre Anerkennung aussprechen: «Ich liebe meine kleine Wohnung und bin glücklich und zufrieden in diesem Heim. Die Verwaltung und Versorgung wäre nicht möglich ohne die Damen des Vorstandes und unserer Heimleiterin», versichert sie, «ihnen müssen wir stets sehr dankbar sein».

 

Walter Krumbach

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