Gute Aussichten unterm Vulkan

Eine Neustrukturierung samt Kosteneinsparung war das zentrale Thema auf der Jahresversammlung des Deutsch-Chilenischens Bundes in Villarrica.

Teilnehmer der DCB-Jahrestagung in Villarrica: Die Versammlung fand im Kulturzentrum Liquén statt, die Medaillenvergabe mit Gala im Park Lake Hotel.
Teilnehmer der DCB-Jahrestagung in Villarrica: Die Versammlung fand im Kulturzentrum Liquén statt, die Medaillenvergabe mit Gala im Park Lake Hotel.

Von Arne Dettmann

Ein Jahr vor seinem großen 100. Jubiläum ist die Lage beim DCB zwar ernst, aber nicht hoffnungslos. Ernst, weil die Institution über Jahre hinweg einen Schuldenberg mitschleppt, der sich nun auf 60 Millionen Pesos angehäuft hat, wie Schatzmeister Ricardo Steffens bei seinem Vortrag im Kulturzentrum Liquén von Villarrica mitteilte. Nicht hoffnungslos, weil der DCB offenbar gewillt ist, das Steuer herumzureißen: Die Personalkosten wurden bereits in diesem Jahr um 33 Prozent gesenkt, die Rechungsprüfung an eine externe Firma vergeben, die Fixkosten sollen zudem weiter heruntergeschraubt werden.
Auf diese Weise soll die finanzielle Lage stabilisiert werden, um im ersten Jahr des Konsolidierungsplanes 16 und im zweiten 38 Millionen Pesos einzusparen. Bis 2019 könnte dann die Gesamtschuld getilgt werden und der DCB aus den roten Zahlen gelangen, so Steffens.
Der Präsentation dieser Bilanz schloss sich eine lebhafte Diskussion unter den 50 Gästen an, wie die Einnahmeseite des DCBs – dazu zählen Schüleraustausch, Mitgliedsbeiträge, Kulturveranstaltungen, Sprachkurse, Leistungen des Emil-Held-Archivs, Kalender-Verkauf und Sommerlager – verbessert werden könnte. Erik von Baer regte an, einen stärkeren Kontakt zwischen DCB und anderen deutsch-chilenischen Einrichtungen herzustellen. Zudem sollte der Anteil institutioneller Mitglieder beim DCB erhöht werden. Laut des Berichts des Geschäftsführers, Christian Kroneberg, waren 424 Privatpersonen im abgelaufenen Geschäftsjahr Mitglied im DCB, weitere 24 sind Studentenverbindungen sowie Unternehmen.
Firmen seien zwar herzlich willkommen, brächten aber keine signifikanten Mehreinnahmen, erwiderte der DCB-Vorsitzende René Focke. Er rechnete dagegen vor, dass 150 Privatpersonen als neue Mitglieder angeworben werden müssten, um 20 Millionen Pesos mehr in die Kasse zu spülen. Ricardo Steffens wiederum erklärte auf Anfrage, dass es schwer sei, säumige Mitglieder zum Begleichen ihres Jahresbeitrages zu bewegen. Laut Christian Kroneberg sind bisher 300 Mitglieder ihrer Pflicht nachgekommen.
«Kultur in Chile ist teuer», sagte René Focke abschließend, doch der DCB würde alle Anstrengungen unternehmen, um die schwierige Situation zu meistern. «Keiner dreht hier Däumchen. Wir haben gelitten und daraus gelernt. Uns ist wichtig, dass wir als DCB überall offen empfangen werden und wir als Bindeglied auf Basis einer flüssigen Kommunikation weiterhin gut ausüben können.»

Die DCB-Jahrestagung, die jährlich abwechselnd in Chiles Hauptstadt Santiago und in einer der Regionen des Landes stattfindet, hatte am Samstag, den 10. Oktober, mit einem Vortrag des Historikers Dr. Carlos Eggers begonnen. Am Abend spielte das Kammerorchester der Universidad Austral Valdivia gemeinsam mit dem Pianisten Armands Abols Stücke von Wolfgang Amadeus Mozart, Francis Poulenc sowie Ludwig van Beethoven.
Am Samstagmorgen tagte dann eine außerordentliche Mitgliederversammlung, die die DCB-Satzungsänderungen bestätigte. Im Anschluss eröffnete René Focke die Generalversammlung. «Es wird den Hauptstädtern immer vorgeworfen, sie seien Zentralisten. Deshalb findet die Jahresversammlung nun in Villarrica statt, wobei wir nicht nur wegen der landschaftlichen Schönheit hier sind.» In den Regionen liege für den DCB außerdem ein noch nicht ausgeschöpftes Potenzial, hier sei das Zusammengehörigkeitsgefühl der deutsch-chilenischen Gemeinschaft besonders stark.
Es folgten die erwähnten Berichte des Geschäftsführers Christian Kroneberg und des Schatzmeisters Ricardo Steffens. Hervorzuheben sind hierbei die 75 Kulturveranstaltungen, die der DCB im abgelaufenen Geschäftsjahr anbot. Ganze 3.287 Personen nahmen das Angebot an Konzerten, Kino- und Theateraufführungen, Vorträgen, Chor-Darbietungen sowie Kunstausstellungen wahr. Auf sechs Niveaus absolvierten 127 Schüler Deutschsprachkurse. Beliebt bei den jüngeren Generationen waren vor allem die Früh- und Nachtschoppen. Der Märchenkreis wiederum wird seit sieben Jahren angeboten und versammelte in seinen bisher 100 Aufführungen 1.609 Kinder mit 1.162 Erwachsenen.
Beim Schüleraustausch gingen 205 Pennäler im Jahr 2014 nach Deutschland, umgekehrt kamen 75 aus der Bundesrepublik nach Chile. Aus der Reihe der teilnehmenden Schulen schert allerdings die DS Concepción aus, die ihren Schüleraustausch direkt organisiert. Die DCB-Ortsvertreterin in Concepción, Verena Hempel, erläuterte die Hintergründe. Die Versammlung plädierte dafür, dass der DCB versuchen sollte, die Schule in Concepción wieder für die Abwicklung über den DCB zurück zu gewinnen.

Es schlossen sich die Vorstandswahlen an, bei denen die bisherigen Amtsinhaber bestätigt wurden (siehe Infokasten). Sie sind nun laut der neuen Statuten für drei Jahre gewählt, danach besteht die Option einer Wiederwahl für maximal drei Jahre.
Nach diesem Tagungsordnungspunkt lud Verena Hempel den DCB ein, die nächste Jahresversammlung zum 100-jährigen Bestehen in Concepción abzuhalten, wo die Institution einst 1916 gegründet worden war. René Focke dankte und erklärte, das Direktorium würde sich dieses Angebot prüfen und darüber beraten.
Kurt Hellemann berichtete als Vorstandsvorsitzender über das Lehrerbildungsinstitut «Wilhelm von Humboldt», das in diesem Jahr mit der staatlichen Universität Talca eine Kooperation eingegangen ist, um weiterhin Erzieherinnen und Grund- sowie nun ganz neu auch Oberstufenlehrer ausbilden zu können. Zum Hintergrund: Auf Anordnung des chilenischen Bildungsministeriums dürfen alle Institutos Profesionales, die pädagogische Studiengänge anbieten, bis Ende dieses Jahres keine Lehrer mehr ausbilden. Davon wäre auch das 1988 gegründete LBI betroffen, das die Deutschen Schulen in Chile mit Pädagogen für den Deutschunterricht versorgt. Seit damals sind bis 2014 vom LBI 275 Lehrer erfolgreich abgegangen.
Hellemann unterstrich in seinem Vortrag die Bedeutung des LBIs. Es gebe kaum Deutschlehrkräfte auf dem Markt. Und laut der Schulleiterkonferenz fehlen an den Schulen derzeit 91 Lehrer und Erzieher.

Die Studenten Matías Westermeyer und Matías Molina informierten über die acht Burschen- und Mädchenschaften Ripuaria (Viña del Mar), Araucania, Andinia und Erika Michaelsen (Santiago), Montania und Viktoria (Concepción) sowie Vulkania und Amankay (Valdivia). Ricardo Binder gab als Repräsentant des Emil-Held-Archivs des DCBs einen Überblick über die Dokumentation der Geschichte der deutschen Einwanderung in Chile. So können im Internet im Archiv Schwarzenberg 8.500 Nachnamen deutscher Kolonisten eingesehen werden; dazu 38.000 digitalisierte Fotos und 11.630 Schriftstücke.
Über die lutherischen Kirchen in Chile berichtete Bischof Siegfried Sander. Den Part über den Verband der Deutschen Feuerwehrkompanien übernahm Harold Wright. Hans-Joachim Krämer äußerte sich als Fürsprecher der DCB-Ortsvertreter. Über die deutsch-chilenische Wochenzeitung Cóndor referierten Geschäftsführer Ralph Delaval und Redaktionsleiter Arne Dettmann.
Dem Ende der Jahresversammlung schloss sich ein gemeinsames Mittagessen im Zentrum von Villarrica an. Am Abend lud der DCB zur Gala mit der traditionellen Medaillenvergabe (siehe Seite 6), mit der alle Veranstaltungen in einem geselligen Beisammensein ihren Ausklang fanden. Last but not least: Das Wetter spielte am besagten Wochenende mit. Ein kräftiger Puelche-Wind vertrieb die Wolken über dem Villarrica-See und gab den fantastischen Blick frei auf einen wunderschönen Vulkan.

DCB-Vorstand 2015-2018

Vorsitzender: René Focke

2. Vorsitzender: Javier Vernier

Schatzmeister: Ricardo Steffens

Direktor: Marcelo Muñoz

Direktor: Ignacio Dockendorff

Direktor: Paul Illge

Sekretär: Pablo Prüssing

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