Gut 300 Nachbeben in Chile

Nach dem großen Aufräumen sind die Behörden in Chile erleichtert. Trotz des gewaltigen Erdbebens mit einer Stärke von 8,4 ist die Zahl der Opfer überraschend gering – das hat einen Grund.

Tsunamisimulation vor der chilenischen Küste für das Chile-Erdbeben am 16. September 2015 Foto: A. Babeyko, GFZ
Tsunamisimulation vor der chilenischen Küste für das Chile-Erdbeben am 16. September 2015
Foto: A. Babeyko, GFZ

Santiago de Chile (dpa) – Nach dem sechststärksten Erdbeben in der Geschichte Chiles hat es insgesamt 301 Nachbeben gegeben. Wie die Regierung in Santiago de Chile mitteilte, sind 3.494 Menschen von Schäden betroffen. Weitere 7.334 seien ohne Licht und 1.400 ohne Wasser. Insgesamt starben 13 Menschen bei dem Beben vor der Pazifikküste, das eine Stärke von 8,4 hatte. Das letzte Opfer, ein 40-jähriger Mann, der Tsunami-Wellen zum Opfer fiel, wurde in der Region Coquimbo gefunden. Das Beben hatte sich am Mittwochabend, den 16. September, im Norden vor der Küste ereignet und hohe Flutwellen ausgelöst.
Ein funktionierendes Frühwarn- und Evakuierungssystem verhinderte noch Schlimmeres. Über Twitter, Facebook und andere Kanäle wurden die Menschen frühzeitig gewarnt, eine Million Menschen wurde zum Verlassen gefährdeter Küstenzonen aufgefordert. Der Vertreter der Vereinten Nationen in Chile, Antonio Molpeceres, betonte, dass man Glück im Unglück gehabt habe. «Das ist immer tragisch, aber es sind nur geringe Schäden.»
Die Nazca-Platte, ein Teil der pazifischen Erdkruste, schiebt sich entlang der südamerikanischen Küste mit einer Geschwindigkeit von etwa 68 mm pro Jahr unter den Kontinent. Das wiederholte Verhaken und Brechen an der Grenzfläche zwischen den beiden Platten steuert diesen Prozess seit mehreren 100 Millionen Jahren. Erst 2010 hatte wenig weiter südlich der aktuellen Bruchstelle, vor der zweitgrößten chilenischen Stadt Concepcion, ein Erdbeben stattgefunden, das mit seiner Magnitude 8,8 zu den fünf stärksten Erdbeben seit dem Beginn der seismologischen Aufzeichnungen zählt. Als Folge dieses Ereignisses, das über 500 Todesopfer vor allem als Folge des dabei verursachten Tsunami forderte, hatte der chilenische Staat begonnen, ein landesweites Netz von seismologischen und GPS-Stationen aufzubauen.
Pate stand hier das in gemeinsamer Arbeit mit dem Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ und französischen Partnern aufgebaute Erdbebenobservatorium IPOC in Nordchile. «Dieses hat zum Ziel, neue Beobachtungstechnologien zu erproben und Erdbeben- sowie Vulkanprozesse zu erforschen», sagt dazu Professor Onno Oncken (GFZ). «Der dort entwickelten Typ einer Beobachtungs- und Messstation diente als ‚Blaupause‘ für ein Netz, das inzwischen nahezu die gesamte chilenische Küste mit einer Länge von 4.000 Kilometern abdeckt.»
Dieses Observatoriensystem, das von einer eigens dazu neu gegründeten staatlichen Organisation betrieben wird, konnte nun erstmals seine Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen. Das aktuelle Erdbeben triggerte einen Tsunami, vor dem sehr rasch erfolgreich gewarnt werden konnte. Die zu erwartende Höhe von drei bis vier Metern über Normalnull ist an mehreren Küstenstationen beobachtet worden, Teile der Innenstadt von Coquimbo, der größten Stadt dieses Küstenabschnitts nördlich von Valparaiso sind überflutet. Die Opferzahlen sind so knapp nach einem Ereignis zwar noch nicht bekannt, doch kann man schon jetzt davon ausgehen, dass das chilenische Tsunami-Frühwarnsystem erfolgreich funktioniert hat und die Evakuierung von der Bevölkerung erfolgreich umgesetzt wurde.

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