Größte Photovoltaikanlage Südchiles in Betrieb

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212 Photovoltaik-Module befinden sich auf dem Dach der Deutschen Schule Puerto Montt.

Vor Kurzem wurde in der Deutschen Schule Puerto Montt die bisher größte Photovoltaikanlage im Süden Chiles feierlich eingeweiht. Sie wird über 50 Prozent des Strombedarfs der Schule auf dem eigenen Dach produzieren.

Es war ein schönes Fest. Das Schulorchester spielte auf und der Energieminister Maximo Pacheco war zugegen. «Dies ist ein wichtiger Schritt für die dezentrale Stromerzeugung in der Region und obendrein ein Zeichen für eine nachhaltige Erziehung», erklärte der Minister und weihte die Solaranlage ein.

Rektor der DS Puerto Montt, Franz Sieber, Energieminister Máximo Pacheco, Georg Wammes, deutscher Honorarkonsul, Javier García, Seremi Energía Región Los Lagos
Der Rektor der DS Puerto Montt, Franz Sieber, Energieminister Máximo Pacheco, Georg Wammes, deutscher Honorarkonsul, sowie Javier García, Seremi Energía Región Los Lagos

Ganze 212 Solarmodule des deutschen Herstellers Solarnova, gruppiert auf drei Dächern der Schule, erzeugen eine Gesamtleistung von 55 kW elektrischen Stroms. Drei Wechselrichter von Fronius wandeln den Gleichstrom der Module in nutzbaren Wechselstrom um. Genug, um über die Hälfte des Bedarfs der Schule abzudecken – ohne Rauch, ohne Brennstoff, ohne Umweltverschmutzung, nur mit der Kraft der Sonne.

In der Regel denkt man in Chile bei Solarenergie eher an die nördlichen Wüstenregionen, wo immer mehr gigantische Solarparks gebaut werden. Aber diese Anlage steht in Puerto Montt, wo die Leute normalerweise einen Regenschirm mitnehmen, wenn sie aus dem Haus gehen. Timo Jurado, der verantwortliche Ingenieur von Grammer Solar, dem ausführenden Solarunternehmen, meint dazu: «Tatsache ist, das die Einstrahlungswerte von Puerto Montt mit den besten Standorten in Deutschland vergleichbar sind, wie Freiburg zum Beispiel. Und dort kommt keiner auf die Idee zu sagen, dass es immer nur regnet.»

In Deutschland waren im vergangenen Jahr 40.000 MW Photovoltaik am Netz, das ist mehr als das Doppelte der gesamten chilenischen Stromerzeugung. Grammer Solar ist ein deutsches Solarunternehmen mit Stammsitz in Amberg, Bayern, und hat seit 2014 eine Filiale in Santiago de Chile. Mit über 6.000 realisierten Anlagen in 30 Ländern ist Grammer eine international renommierte Adresse in der Solarbranche für Dachanlagen.

Siegfried Schröpf, der Geschäftsführer von Grammer-Solar, erklärt: «Bei uns in Amberg produziert 1 kW Photovoltaik so um die 900 kWh Strom im Jahr, in Puerto Montt sind es 1100 kWh, in Santiago 1600 kWh und weiter im Norden Chiles erntet man bis über 2000 Kilowattstunden pro installiertem Kilowatt Photovoltaik. Das sind spektakuläre Vorraussetzungen für eine flächendeckende und rentable Nutzung der Solarenergie in Chile. Wir glauben daran, das in wenigen Jahren in Chile die Solarenergie genauso omnipräsent sein wird wie in Deutschland.»

Vorrausetzung und Grundlage dafür ist das im Oktober 2014 in Chile in Kraft getretene Gesetz 20.571, bekannt als «ley netbilling». Dieses Gesetz gibt jedem Bürger das Recht, auf dem Dach seines Hauses oder Unternehmens eine Photovoltaikanlage zu installieren, den produzierten Strom zu nutzen und die Überschüsse ins Netz einzuspeisen. Die ins Netz übertragende Energie wird von Energieversorger gegengerechnet beziehungsweise bezahlt. Der bisherige Stromkonsument wird so zum Stromproduzent und hat die Möglichkeit, seine Stromrechnung auf Null zu senken oder sogar ein Einkommen zu erzielen.

Ein Hindernis ist dabei allerdings die für eine Photovoltaikanlage nötige Investition und noch fehlende Kreditlinien der Banken. Eine Solaranlage bezahlt sich selbst durch den von ihr produzierten Strom, aber zunächst muss sie erst mal aufs Dach, um Strom zu produzieren.

Im Fall der deutschen Schule Puerto Montt hatte Grammer Solar eine Lösung parat: Vergleichbar wie mit einem Leasing-Konzept installiert das Unternehmen die Anlage auf eigene Rechnung, kümmert sich um die Instandhaltung und verkauft die produzierte Energie an die Schule günstiger als der konventionelle Energieversorger. So spart die Schule von Anfang an Geld.

Ganz besonders freut den Direktor der Schule, Franz Sieber, das Schüler, Lehrer und Besucher auf einem großen Display in der Eingangshalle die Erträge des Solaranlage verfolgen können. «Das ist angewandter Umweltschutz und praktizierte Nachhaltigkeit, pädagogisch wertvoll nicht nur für die Schüler». – Bleibt zu hoffen, das das Beispiel Schule macht.

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