Nachruf auf General Fernando Matthei

Fernando Matthei, geboren am 11. Juli 1925 in Osorno, gestorben am 19. November 2017 in Santiago de Chile
Fernando Matthei, geboren am 11. Juli 1925 in Osorno, gestorben am 19. November 2017 in Santiago de Chile

 

Von Walter Krumbach

Sein herausragendes Merkmal war die Entschlossenheit, mit der er heikle Situationen in Angriff nahm und die Offenheit, mit der er vom Wort Gebrauch machte. Als im Juli 1978 General Gustavo Leigh zwangsweise aus der Militärjunta ausschied und dabei die meisten Luftwaffengeneräle mitzog, übernahm Fernando Matthei die Stellung in einem der brenzligsten Augenblicke in der Geschichte der Militärregierung. Im November 2004 kommentierte er in einem Cóndor-Interview den Entschluss mit den Worten: «Ich glaube, dass die großen Probleme sich in mehrere kleine, lenkbare unterteilen lassen können. Das Thema hat mich nie erschreckt. Gleich am ersten Tag traf ich zwei Entscheidungen: Erstens, nicht mehr politischen Einfluss zu beanspruchen, als mir zukam und zweitens, vor nichts Angst zu haben». Null politischer Ehrgeiz und Null Furcht «bilden eine äußerst starke Verbindung», fügte er hinzu.

Unerschrocken zeigte er sich ebenso, als im April 1982 Argentinien die Falkland-Inseln einnahm. Nach einem gewonnenen Krieg wäre die Südspitze Chiles mit einer Invasion an der Reihe gewesen. «Ich habe alles getan, was in meiner Macht lag, damit Argentinien den Krieg verlor», sagte Matthei Jahre später zu einem erstaunten Fernsehreporter vor laufender Kamera. Die chilenische Luftwaffe übermittelte dem Vereinten Königreich die per Funk empfangenen Stellungswechsel argentinischer Einheiten, womit die Engländer einen nicht zu unterschätzenden Vorteil gewannen.

Präsident Patricio Aylwin überraschte Matthei kurz vor seinem Amtsantritt mit der Bitte, das Oberkommando der Luftwaffe beizubehalten. Er nahm den Auftrag an, den er als die Krönung seiner Laufbahn wertete, bat den Präsidenten jedoch, nach einem Jahr sein Abschiedsgesuch einreichen zu dürfen, «weil ich verständlicherweise mit der Militärregierung identifiziert wurde».

Matthei hatte überdies keine Hemmungen, zu dem haarigen Thema Menschenrechte Stellung zu nehmen. Dem Cóndor erklärte er: «Niemand von uns Offizieren ignorierte, was vorging. Wenn die Presse darüber berichtete und ich genaueres wissen wollte, hieß es, das sei marxistische Propaganda. Ich habe, kaum hatte ich das Oberkommando übernommen, meinen Untergebenen angeordnet, sich niemals zu Barbareien verleiten zu lassen und verwarnte sie, ich sei der Erste, der sie verfolgen würde, wenn sie es dennoch täten. Demzufolge ist die Luftwaffe – was meine Periode betrifft – frei von Anschuldigen».

Fernando Matthei, der 1925 in Osorno in eine deutschstämmige Familie hineingeboren wurde, verstarb am vergangenen Sonntag im 92. Lebensjahr.

Förderer der Semanas Musicales de Frutillar

Lieber Condor,

zu dem bemerkenswerten und aufschlussreichen Nachruf von Herrn Walter Krumbach zu Ehren des Generals Fernando Matthei möchte ich als Nachkomme einer Familie, die zu den Eltern des Verstorbenen eine freundschaftliche Beziehung unterhielt, einiges hinzufügen:

Als der unvergessene Arturo Junge im Rahmen seiner Kulturarbeit im Deutsch-Chilenischen Bund erste zögerliche Schritte unternahmen, die dann zu den Semanas Musicales de Frutillar führten, konnte er vom ersten Augenblick mit der Unterstützung von Fernando Matthei rechnen. Ich kann mich nicht erinnern, ob er damals bereits General oder noch Oberst war, jedenfalls stellte die chilenische Luftwaffe ein großes Transportflugzeug für die Beförderung der Künstler zur Verfügung und sie tut es heute noch.

Für die Leitung des Luftwaffen-Musikkorps engagierte General Matthei den deutschen Musikdirektor Artur Rosin. Dank seiner energischen Arbeit wurde aus einer Marschkapelle ein symphonisches Blasorchester – und dabei blieb es heute noch unter Fabrizzio de Negri –, das sich auch an schwierige Orchesterstücke wagt und alljährlich zum Auftakt der Semanas Musicales spielt.

Persönlich machte ich die gleiche Erfahrung. Im Jahr 1984 besuchte uns das Städtische Orchester der Feuerwehr Hannover, ein Telefonanruf genügte und General Matthei hielt eine Boeing 707 für den Transport des Orchesters nach Concepción und Puerto Montt bereit. Auch Busse, Unterkunft und eine zünftige Grillparty erwarteten die Gäste. Dieses nur als eine kleine Ergänzung zum Nachruf.

Persönlich hat es mich gefreut, General Matthei noch einmal anlässlich des Vortrages seiner Tochter Evelyn im Sportverein Manquehue am 24. Mai dieses Jahres begrüßen zu können. Wir gedachten alter Zeiten.

Dietrich Angerstein

 

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