Europa und Lateinamerika als gleichwertige Partner

Nach vier Jahren beendet del belgische Botschafter Dirk van Eeckhout seine Amtszeit in Chile. Im Cóndor-Gespräch, das er zusammen mit Ruth Engels, der belgischen Honorarkonsulin von Valparaíso, zog er eine positive Bilanz.

Konsulin Ruth Engels und der belgische Botschafter Dirk van Eeckhout: «Chile ist wirtschaftlich an einem Punkt angelangt, wo vieles geschieht.»

Dirk van Eeckhout weist zunächst auf den Chile-Besuch des Erbprinzen Philippe im November 2011 hin, der mit einer Handelsdelegation von 100 Personen kam, «was darauf hindeutet, dass es für Chile und Lateinamerika eine neue Bedeutung in den Beziehungen gibt».

Besondere Wichtigkeit misst er dem Gipfeltreffen EU-CELAC zu, das im Januar dieses Jahres in Santiago stattfand, «wo ich die große Ehre hatte, mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel zu sprechen. Es war das erste Mal, dass Europa, Lateinamerika und die Karibik an einem Tisch beisammensaßen, und als gleichwertige Partner einen Dialog führen konnten».

Im kulturellen Bereich zeigt er sich über eine erfolgreiche Ausstellung flämischer Malerei des 17. Jahrhunderts erfreut, die in Santiago gezeigt werden konnte. In seine Dienstzeit fiel ferner die Erneuerung von vier Honorarkonsuln. «Durch Zufall sind es alles Frauen geworden». Insgesamt hat Belgien in Chile sechs ehrenamtliche Konsuln im Einsatz. «Das bringt eine neue Dynamik mit sich», freut sich Botschafter van Eeckhout, «weil diese Funktion traditionell gesehen von alten Männern ausgefüllt wurde. Das ist nicht mehr der Fall.»

Heute müsse ein Honorarkonsul in der Lage sein, Auskünfte über Stipendien, Visa oder Pässe zu geben. Außer der Informationsfunktion stellt der Konsul die Verbindung zwischen der Botschaft und der Region dar, die er vertritt. Chile sei ein zentralisierter Staat, «und wir haben inzwischen festgestellt, wie wichtig es ist, auf regionaler Ebene aktiv zu sein».

Auf dem wirtschaftlichen Bereich hebt Botschafter van Eeckhout die Zusammenarbeit der belgischen Handelskammer mit ihrer luxemburgischen Schwester hervor: «Auch hier gibt es nun eine neue Dynamik, da sie jedes Jahr ein Networking-Event organisieren und zum Beispiel den Kleinbetrieben aus Belgien, die sich mit Anfragen melden, helfen».

Der Diplomat ist der Überzeugung, «dass Chile und der Kontinent an einem Punkt angelangt sind, wo wirtschaftlich gesehen vieles geschieht: Mit dem Trans-Pacific-Partnership bemühen sich Chile und Peru auch in den jetzigen schwierigen Zeiten, ihre wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Beziehungen zu stärken. Für die Zukunft Chiles und Lateinamerikas sehe ich in diesem Zusammenhang sehr viele positive Elemente!»

Honorarkonsulin Ruth Engels lebt seit 25 Jahren ich Chile. Die Tochter deutscher Eltern legt großen Wert «auf den Kontakt mit Chilenen. Es leben zwar viele Belgier in der Region von Valparaíso – in meinem Register habe ich etwa um die 300 Namen – oder auch Chilenen, die in Belgien gelebt haben, die zurückgekommen sind, sowie Belgier, die in Chile ihre Rentnerzeit durchleben. Das ist eine Anzahl, die nicht zu unterschätzen ist».

Ein besonderes Anliegen von Ruth Engels ist es, zwischen den verschiedenen belgischen Honorarkonsulaten, die sich zwischen Arica und Punta Arenas verteilen, einen engeren Kontakt herzustellen. So könnten Projekte gemeinsam in Angriff genommen und bearbeitet werden. Botschafter van Eeckhout hat bereits erste Schritte unternommen, um Konsularkonferenzen zu veranstalten. Außerdem «wollen wir das mit den elektronischen Medien wie Facebook und Twitter ausbauen». Das rechtfertigt sich nicht zuletzt, «weil die Distanzen hier schon eine Rolle spielen», wie Konsulin Engels einwirft.

Der belgische Botschafter wird Chile in den kommenden Wochen verlassen und seiner neuen Bestimmung wird er auf dem europäischen Kontinent nachgehen. «Ich freue mich sehr darauf, es wird etwas ganz anderes sein, man muss eben bereit sein, sich zu erneuern, sich umzustellen. Aber natürlich werde ich das schöne Wetter, Valle Nevado, den Schnee und die Freunde vermissen.»

 

Von Walter Krumbach

Print Friendly

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*