«Es ist wunderbar Schule zu gestalten»

Seit Anfang dieses Jahres ist Dr. Markus Stobrawe neuer Rektor der Deutschen Schule Santiago. Der gebürtige Hamburger hat sich wichtige pädagogische Ziele gesetzt, will aber auch den Schulsport wieder stärker in den Vordergrund rücken.

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Dr. Markus Stobrawe

 

Von Arne Dettmann

Dass der Sport ihm persönlich am Herzen liegt, ist kein Zufall: Markus Stobrawe studierte in seiner Heimatstadt auf Lehramt und schrieb anschließend seine Promotion über Sportpädagogik. Seine Doktorarbeit über ein fünfjähriges Projekt in der Hansestadt, bei dem der Schulsport für Auszubildende versuchsweise durch Vereinssport ersetzt wurde, ist sogar als Buch erhältlich.
«Ich habe bei meinen ersten Gesprächen hier in Chile festgestellt, dass der Sport an der Deutschen Schule Santiago früher die wichtigste identitätsstiftende Instanz war. Nicht nur nach außen, sondern auch für die Gestaltung des Schullebens kann der Sport und die Bewegung Wichtiges leisten. Dabei bilden alle ästhetisch-bildende Fächer – Musik, Kunst, Sport – das natürliche Komplement zu den Fächern der „akademischen Exzellenz“. Beides gehört zur Deutschen Schule und beides ist für die ganzheitliche Bildung notwendig.“
Insgesamt nennt Markus Stobrawe, der acht Jahre lang an der Universität Hamburg tätig war und dann ab 2008 als Lehrer und didaktischer Leiter an einer Stadtteilschule arbeitete, drei große Herausforderungen für die DS Santiago.
Erstens sollten die Elternfamilien noch stärker in die Aktivitäten der Schule und der gesamten chilenisch-deutschen Gemeinschaft integriert werden, um deutsche Kultur und Traditionen für sie erlebbar und zugänglich zu machen.
Zweitens: Wichtig sei, dass der deutsche und der chilenische Bildungsgang sich stärker als bisher in der Entwicklung von Methoden und Unterrichtsverfahren verbinden. Möglichst vielen Schülern sollte in diesem Zusammenhang auch ein deutscher Bildungsabschluss ermöglicht werden. Bisher sind es pro Jahr zwei Klassen, die das Internationale Abitur erwerben.
Und drittens sei es erstrebenswert, das bilinguale Sprachkonzept der Schule nicht nur bis zur vierten Klasse, sondern auch bis zur fünften, sechsten Klasse oder darüber hinaus anzuwenden.
Eine wissenschaftliche Evaluation hätte belegt, dass Kinder dank des Sprachkonzeptes ihre Sprachkompetenz signifikant steigern konnten. Das deutsche Sprachdiplom zu bestehen sowie Englisch sich anzueignen würde ihnen zukünftig leichter fallen. Stobrawe: «Wir sind also auf einem guten Weg. Sprachkompetenz, aber auch Neugierde und Selbstvertrauen eröffnen den Zugang zur globalisierten Welt.
Apropos Zugang: Ein ebenfalls großes Thema sei Inklusion, eine Vorgabe aus Deutschland und Chile, nämlich die Einbindung von Kindern mit Behinderungen in den Schulalltag. In der Deutschen Schule Santiago lernten zwar schon immer Kinder mit und ohne Behinderung selbstverständlich zusammen, doch müsste nun ein eigenes Konzept ausgearbeitet werden. Dabei käme es darauf an, einen Weg zu beschreiten, der es erlaube alle Kinder zu unterstützen und zu Höchstleistungen anzuspornen. Dies gelte für Kinder mit besonderem Förderbedarf, aber auch für Kinder mit Begabungen und Hochbegabungen, für die derzeit an einem neuen Programm gearbeitet würde.
Über seinen neuen Arbeitsplatz an der DS Santiago ist Markus Stobrawe voll des Lobes. «Ich leite eine Schule, die wirklich lehrbuchmäßig läuft und die es geschafft hat, alle Beteiligten – Schüler, Eltern, Lehrer – aktiv einzubinden. Zudem wird hier Tradition – das Bewährte – mit Neuem verbunden. Und das alles auf höchstem professionellen Niveau mit sehr guten Lehrern!» In einem solchen Umfeld mache es ganz besonders Spaß und sei es wunderbar, Schule zu gestalten.
Doch nicht nur professionell hat Markus Stobrawe eine Bindung zur Schule und dem Land. Der Vater von einer Tochter (19) und einem Sohn (15) ist mit einer Chilenin verheiratet.

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