Erstes internationales Symposium Bildung

«Der Grund für dieses erste deutschsprachige internationale Symposion Bildung ist die neue Kooperation zwischen der Universidad de Talca und dem Deutschen Lehrerbildungsinstitut (LBI) Wilhelm von Humboldt. Ziel ist es, mit diesem Symposion Zeichen zu setzen für gute Bildung, für nachhaltiges Lernen, für ein Nachdenken über pädagogischer Prozesse, was in Deutschland eine Jahrhunderte alte Tradition hat.»

Dr. Alban Schraut (LBI-Rektor); Prof. em. Dr. Dr. Winfried Böhm (Universität Würzburg/Deutschland), Prof. Dr. Sabine Seichter (Universität Salzburg/Österreich), Prof. Dr. Alvaro Rojas (Rektor der Universidad de Talca), Prof. em. Dr. Ernesto Schiefelbein (Chile)
Dr. Alban Schraut (LBI-Rektor); Prof. em. Dr. Dr. Winfried Böhm (Universität Würzburg/Deutschland), Prof. Dr. Sabine Seichter (Universität Salzburg/Österreich), Prof. Dr. Alvaro Rojas (Rektor der Universidad de Talca), Prof. em. Dr. Ernesto Schiefelbein (Chile)

Mit diesen Worten führte die Moderatorin Rahel Gysel, Studentensprecherin des LBIs, die Teilnehmer in das Symposium ein. Als Gastreferenten konnten Prof. Dr. Dr. Winfried Böhm aus Würzburg, Prof. Dr. Sabine Seichter von der Universität Salzburg und Prof. Dr. Ernesto Schiefelbein/Chile, gewonnen werden.
Der deutsche Botschafter Rolf Schulze erinnerte daran, dass die deutschen Schulen in Chile eine lange historische Tradition haben und dringend deutschsprachige Lehrkräfte benötigen. Er sprach der Universidad de Talca und dem Campus LBI in seinem Grußwort das Wohlwollen des Bundesverwaltungsamtes – Zentralstelle für das Auslandsschulwesen und damit die volle Unterstützung der Bundesrepublik Deutschland zu, um für diese Schulen deutschsprachige Erzieherinnen, Grundschullehrkräfte und nun auch Oberstufenlehrkräfte auszubilden. Aus diesem Grund habe die Deutsche Botschaft auch gerne die Schirmherrschaft für dieses Symposium übernommen, so Schulze, da er wisse, dass Bildung ein wesentliches und nachhaltiges kulturelles Gut sei.
Prof. Dr. Alvaro Rojas, Rektor der Universidad de Talca und Hausherr des Symposiumortes in Providencia, konnte rund 70 Teilnehmer willkommen heißen. In seinem Grußwort thematisierte er die Herausforderungen, die sich dem Erziehungswesen in Chile derzeit stellen, zeichnete anhand aktuellen Datenmaterials die Entwicklung der letzten 40 Jahre nach und skizzierte im Bereich der Lehrerbildung die Entwicklungsmöglichkeiten im Sinne der neuen Kooperation der Universidad de Talca mit dem LBI.
Im Geleitwort referierte der Rektor des Deutschen Lehrerbildungsinstituts Wilhelm von Humboldt, Dr. Alban Schraut, über den historischen Zusammenhang von Glück und Bildung und verwies auf die drei Referenten, die jeweils eine Facette dieses Zusammenhangs explizierten.
Mit Prof. Dr. Dr. Winfried Böhm konnte ein ausgezeichneter Referent zur Thematik gewonnen werden. Böhm, emeritierter Professor der Universität Würzburg, hatte Gastprofessuren in Italien (Rom, Padua, Cosenza), Lateinamerika und den USA inne. 1985 ernannte ihn die Universität Córdoba in Argentinien zum Ehrendoktor der Philosophie, 1986/87 wurde er zum Research Fellow am Netherlands Institute for Advanced Studies in the Humanities and Social Sciences ernannt. Prof. Dr. Dr. Böhm ist Mitglied der wissenschaftlichen Akademien in Padua, Messina, Córdoba und Prag.
In seinem höchst wissenschaftlichen und dennoch didaktisch souverän aufbereiteten Referat erläuterte er dem Auditorium in einem historischen Abriss die Herkunft des Wortes Bildung und bedauerte, dass Schule heute zu einer «verkopften Mess- und Ausbildungsanstalt» geworden sei, die den eigentlichen Sinn des Wortes «Bildung», nämlich des Sich-selber-Bildens verloren habe. Bildung sei eben mehr als nur Lernen und Wissensansammlung, sondern müsse kritisches Denken und Reflektieren evozieren, insbesondere aber müsse die Personalität des Lernenden genuin einbezogen werden.
Dass Lernen und sich Bilden ein sozialer Akt ist, verdeutlichte Prof. Dr. Sabine Seichter, die als Universitätsprofessorin für Allgemeine Erziehungswissenschaft am Fachbereich Erziehungswissenschaft der Kultur- und Gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät an der Universität Salzburg tätig ist. In ihrem Beitrag ging es auch Instrumentalisierung und Verdinglichung des Menschen. Die Gefahr der Dehumanisierung, der Entwürdigung des Menschen sei heute im politischen, wirtschaftlichen und auch schulischen Geschäft nicht zu verkennen.
Als dritter Referent hielt Prof. Dr. Ernesto Schiefelbein einen Vortrag. Schiefelbein, der in Harvard studierte und lehrte, in Argentinien, El Salvador und Costa Rica forschte, 1994 Erziehungsminister in Chile war, 2004 von der UNESCO mit der Comenius-Medaille und in Chile 2007 mit dem Premio Nacional de Educación ausgezeichnet wurde, thematisierte die Herausforderungen akademischen Lesens als aktiven Bildungsprozess. Dazu gestaltete er seinen Beitrag mehr als interaktives Seminar, denn als Vortrag, lies die Beispieltexte lesen, Wörter zählen, lies die Teilnehmer zu Wort kommen und über eine kurze Filmsequenz diskutieren. Seine Mission: Lesen gilt als wesentlicher Aspekt der Bildung, die Lesekultur müsse insbesondere in Chile überdacht und entwickelt werden.
Dass Bildung und Spiel zusammen gehörten, wusste bereits Friedrich Schiller, der fest davon überzeugt war: «Nur wo der Mensch spielt, ist er ganz Mensch.» Diesen Gedanken aufgreifend, führten die LBI-Studierenden zum Abschluss ein selbst geschriebenes bilinguales und äußerst kurzweiliges Theaterstück unter der bewährten Leitung von Monika von Moldoványi, Marion Schmidt-Hebbel und Luz María Saitua auf.
Das vierstündige Symposium zeigte auf eindrückliche Weise, auf welchem traditionsreichen Bildungsfundament stehend die Universidad de Talca und das LBI gemeinsam die Lehrerbildung in Chile implementieren und neue Akzente setzen wollen. Zu Beginn des neuen Studienjahres werden die Beiträge als bilinguale Schrift vorliegen.

LBI

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