Erste Landung auf einem Kometen geglückt

Erstmals in der Geschichte der Raumfahrt ist die Landung eines Mini-Labors auf einem Kometen gelungen.

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Darmstadt (dpa) – Mehr als eine halbe Milliarde Kilometer von der Erde entfernt setzte das kühlschrankgroße Landegerät «Philae» am Mittwochnachmittag auf dem Himmelskörper «67P/Tschurjumow-Gerassimenko», auch «Tschuri» genannt, auf.
Im Satellitenkontrollzentrum der Europäischen Weltraumorganisation Esa in Darmstadt löste die Premiere im All großen Jubel aus. Manche Experten vergleichen das Ereignis mit der Mondlandung 1969. Das Labor war an Bord der Raumsonde «Rosetta» zehn Jahre lang zu dem Kometen mit dem Spitznamen «Tschuri» gereist. Am Mittwochmorgen war das Labor von seinem «Taxi» gelöst worden.
«Rosetta» und das Landegerät sollen den Kometen analysieren, um möglichst viel über ihn und den Beginn des Sonnensystems vor rund 4,6 Milliarden Jahren zu erfahren. Auch Hinweise auf die Entstehung des Lebens erhoffen sich die Forscher, etwa durch den Nachweis von organischen Molekülen wie Aminosäuren. Bis zum Tag der Landung legte «Rosetta» rund 6,5 Milliarden Kilometer im All zurück. Europa nimmt einen Kometen unter die Lupe. «Tschuri» soll verraten, wie vor 4,6 Milliarden Jahren die Kinderstube des Sonnensystems aussah. Forscher bekommen Arbeit für Jahre.
Bodenbeschaffenheit, Temperatur oder die Zusammensetzung des Kometenkerns – all das ist von größtem Interesse. Damit wollen die Forscher zur Lösung eines alten Rätsels beitragen: «Es ist eher die Frage:«Wo kommen wir her?» statt «Wo gehen wir hin?»», sagt Stephan Ulamec, «Philae»-Projektleiter beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln.
Kometen sind mehrere Milliarden Jahre alt und stammen aus der Anfangszeit unseres Sonnensystems. «Alles, was wir bekommen, ist für die Wissenschaftler eine Fundgrube», sagt DLR-Sprecherin Manuela Braun. «Der Komet kommt aus besonders kalten Regionen, hat die Urmaterie wie ein Kühlschrank konserviert.»
«Wir können dann vielleicht auch etwas zu dem Verständnis beitragen, wie Leben auf der Erde entstanden ist», hofft der Kometenexperte der Europäischen Weltraumagentur (Eso), Gerhard Schwehm. Dass sie vor langer Zeit Moleküle auf die Erde brachten, könne als gesichert angenommen werden. «Haben Kometen aber damit auch einen Beitrag dazu geleistet, dass sich Leben auf der Erde entwickelte?», umschreibt Schwehm die Frage, die beantwortet werden soll.

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