Jahresversammlung 2018 der lutherischen Erlösergemeinde in Santiago de Chile

Neues Fenster, renovierte Orgel, doch fehlende junge Mitglieder

Das neue Fenster neben dem Christuskreuz in der evangelisch-lutherischen Kirche El Redentor
Das neue Fenster neben dem Christuskreuz in der evangelisch-lutherischen Kirche El Redentor in Santiago de Chile

 

Am Montag, den 7. Mai fand die 131. Jahresversammlung der lutherischen Erlösergemeinde in Santiago statt. Solch eine Versammlung bietet die Möglichkeit durch das Anhören vieler Berichte, einen Gesamteindruck von den Tätigkeiten und dem vielfältigen Wirkungsbereich der Gemeinde im vergangenen Jahr zu erhalten.

 

Von Siegfried Sander

Kirche ist ja ein besonderer Verein. Da mischt sich Geistliches mit Weltlichem, Ewiges mit Zeitlichem, Äußerliches mit Innerlichem, Göttliches mit Menschlichem, Finanzielles mit Spirituellem. So gab es denn auch in dieser Jahresversammlung nicht nur formelle Berichte und geistliche Denkanstösse, sondern auch einen Imbiss mit Brötchen, belegt mit Fleischkäse eigens hergestellt vom Direktoriumsmitglied Michael Engel und einem Schluck Bier. Ob nun das mehr Geistliche oder das mehr Fleischliche die überraschende Anzahl von 40 Teilnehmern angezogen hat? Weiß Gott.

Der Präsident des Vorstandes, Dr. Bernd Oberpaur erinnerte zu Beginn seines Berichtes daran, dass so eine Kirchengemeinde weiterhin nicht nur formell besteht, sondern lebendig und aktiv existiert; und das ist nicht nur ein göttliches Wunder, sondern der aktiven und treuen Mitarbeit verschiedenster Mitglieder zu verdanken. Dazu zählte er eine lange Liste von Namen auf.

Andere Listen waren die der Getauften (47), neuen Mitgliedern (8), Trauungen (31) und Gestorbenen (42). Überraschenderweise halten sich Taufen und Beerdigungen in etwa die Waage! Nur: Zwischendrin nimmt die Kirchenmitgliedschaft weiterhin ab. Erfreulicheres: Ein neues Glasfenster wurde in der Lota-kirche eingebaut, die Orgel renoviert und zwei junge Menschen aus der Gemeinde studieren Theologie.

 

500 Jahre Reformation

Im Bericht der Pfarrer wurde die Bedeutung der 500-Jahr-Feier der Reformation im Jahre 2017 unterstrichen und die vielen kirchlichen, ökumenischen, kulturellen und akademischen Veranstaltungen erwähnt, die in Kirchen, Universitäten und Ausbildungsstätten, im DCB und anderen Orten stattgefunden haben. Es überraschte, das große Interesse am geschichtlichen, kulturellen und theologischen Erbe der Reformation, manchmal anscheinend größer in außerlutherischen Kreisen als in der Kirche selbst.

Obwohl leider die angestrebte Vereinigung unter einem Dach von ILCH und IELCH nicht gelang, werden wir aber weiterhin gute Beziehungen mit der Versöhnungsgemeinde pflegen.

Die renovierte Orgel im Obergeschoss der Kirche El Redentor
Die renovierte Orgel im Obergeschoss der Kirche El Redentor

Durch die Verabschiedung in den Ruhestand von Pastor Kurt Gysel im Juni gab es eine neue Konstellation der Pfarrschaft: Mit voller Anstellung der Pastorin Hanna Schramm neben dem nun dienstältesten Pastor Esteban Alfaro und mir, Siegfried Sander, der nach Abgabe des Bischofsamtes der ILCH im Oktober mehr Zeit für die Gemeinde in Santiago haben wird.

Besonders hinweisen und einladen wollen wir zu drei Aktivitäten: (1.) Am jeweils ersten Samstag des Monats findet ein Mitarbeitertreffen in der Pauluskirche zwischen 10 und 13 Uhr statt. (2.) Anstelle der bisherigen Nachmittagsgottesdienste werden jeweils am zweiten Sonntag jeden Monats in der Pauluskirche um 19 Uhr eine Andacht oder eine Gesprächsrunde und (3.) am letzten Sonntag des Monats ein Konzert stattfinden.

Im Finanzbericht wurde klar, dass die Kirche überwiegend durch die Beiträge von alten Menschen finanziert wird. Die jüngeren Generationen sind nicht nur zahlenmäßig, sondern auch finanzkraftmäßig am Schwinden. Dass die Gemeinde trotzdem finanziell überlebt, ist dem Verkauf des Altenheimes in Lyon und den Mieteinnahmen von drei Häusern zu verdanken, die durch die Mutation des Grundstückes in Hualtatas seitens der Deutschen Klinik erworben wurden.

 

Diakonische Arbeit

Die diakonische Arbeit der Gemeinde teilt sich in drei Bereiche: (1) Unterstützung der Albert-Schweitzer-Schule, die im sozial prekärsten Stadtrandbereichs Santiagos arbeitet. (2) Unterstützung der Menschen, die vom Lyon-Altersheim in die neue Hualtatas-Residenz umziehen und (3) Unterstützung einer Mision (SEM Servivio Evangélico de Migrantes), die haitianischen Immigranten beim Erlernen der spanischen Sprache, behördlichen Prozessen und dem Einleben in Chile beisteht.

Ein bedenklicher Schwachpunkt der Gemeinde bleibt weiterhin die Kinderarbeit. Trotz des sonntäglichen Angebotes von Kindergottesdienst seitens treuer Mitarbeiterinnen gibt es eigentlich lediglich an Sonntagen mit Taufen manchmal eine nennenswerte Anzahl von Kindern. Wir müssen uns fragen, welche religiöse Erziehung in unseren Familien wohl stattfindet?

Erfreulich sind die vielen musikalischen Angebote seitens der Organisten, des Dietrich-Bonhoeffer- und des Gospelchores.

Mit der Bitte um Gottes Erbarmen und Segen über der weiteren Entwicklung der Gemeinde schloss der formelle Teil der Versammlung.

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