Interview mit Dr. Hans-Joachim Czoske, Leiter der DS Valparaíso

«Die Segel richtig gesetzt»

Dr. Hans-Joachim Czoske, Leiter der Deutschen Schule Valpraíso.
Dr. Hans-Joachim Czoske, Leiter der Deutschen Schule Valpraíso.

 

Zum 160. Jubiläum sei die Deutsche Schule Valparaíso in ruhigeres Fahrwasser gelangt, habe die Segel richtig gesetzt und steuere einen guten Kurs, so Rektor Dr. Hans-Joachim Czoske. Das Interview führte Cóndor-Redaktionsleiter Arne Dettmann.

 

Herr Czoske, was ist das Besondere, Rektor an einer deutschen Auslandsschule zu sein?

Eine Deutsche Auslandsschule zu leiten ist Anreiz und Herausforderung zugleich. Das Besondere sind die vielfachen Möglichkeiten, Schule in einem  interkulturellen Umfeld und mit hohen Bildungsansprüchen gestalten zu können. Gestaltungsmöglichkeiten, die Schulleiter in Deutschland in diesem Umfang nicht haben.

In meinem 23. Jahr als Schulleiter bereitet es mir immer noch viel Freude, im weltweiten Netzwerk der 140 Deutschen Auslandsschulen Verantwortung zu übernehmen und konstruktiv mit den jeweiligen Gegebenheiten vor Ort umzugehen. Eine Orientierung für mich ist die Empfehlung von Aristoteles: «Wir können den Wind nicht ändern, aber wir können die Segel richtig setzen.»

 

Wie ist Ihre Erfahrung an der DS Valparaíso?

Die DSV ist meine vierte Auslandsschule, die ich als Rektor leite. Nach der Leitung des Goethe-Gymnaisums/Europa-Schule im westfälischen Ibbenbüren folgte die Leitung der Deutschen Schule Quito, danach war ich als Schulleiter an der Deutschen Schule Budapest und an dem Colegio Visconde de Porto Seguro in Sao Paulo mit etwa 10.000 Schülern tätig (Anmerk. d. Red.: Die Schule in Sao Paulo besitzt drei Standorte, an der alle Schüler Deutsch lernen und an dem an zwei Standorten auch das deutsche Abitur angeboten wird).

Erfahrungsgestützt kann ich uneingeschränkt feststellen: Die Deutsche Schule Valparaíso gehört zurecht zum weltweiten Netzwerk der offiziell von Deutschland geförderten Auslandsschulen (DAS) und kann sich international messen lassen. Dies spiegelt auch die Verleihung des Gütesiegels «Exzellente deutsche Auslandsschule» vor sechs Jahren.

Ich erlebe die DSV in ihrem 160. Jahr des Bestehens als eine zukunftsgerichtete interkulturelle Begegnungsschule, die sich aktiv den Herausforderungen stellt, eine Schule, die sich nicht auf Ausbildung beschränkt, sondern eine ganzheitliche Bildung möglich macht, eine Schule mit motivierten Schülern und kompetenten Lehrkräften, Mitarbeitern und Leitungspersonen mit einer sehr hohen Identifikation mit ihrer Schule.

Die DSV ist eine Schule, deren Unterrichtsarbeit ergänzt wird durch eine Fülle von außerunterrichtlichen Aktivitäten, eine Schule, deren Schulleben geprägt ist durch ein bemerkenswertes Engagement der Schulgemeinschaft und großer Offenheit den aus Deutschland vermittelten Lehrkräften gegenüber. Interkulturelle Begegnung wird täglich gelebt.

 

Apropos Deutsch: Vor welchen Herausforderungen steht der Deutschunterricht in Chile?

Weltweit gesehen haben wir hier in Chile eine einmalige Situation durch die hohe Anzahl deutscher Schulen im Lande. Jeder Schulstandort hat seine spezifischen Gegebenheiten, aber alle Schulen teilen die Erfahrung, dass leider die unterrichtlichen Bemühungen zur Vermittlung der deutschen Sprache nicht so erfolgreich sind, wie die äußeren Bedingungen es erhoffen lassen.

Die Gründe dafür sind komplex. Meine persönliche Meinung ist, dass die Sprachvermittlung immer noch zu grammatiklastig und zu wenig sprech- und produktorientiert ist. Vielleicht wird der Deutschunterricht auch zu stark didaktisiert und methodisiert, statt durchgängig das Spielerische und Freudvolle der Sprachbegegnung zu betonen und vielfältige fördernde und fordernde Sprech- und Schreibanlässe zu schaffen. Die Eigenaktivität der Schüler sollte im Stundenverlauf dominieren, der Lehrer als Lern-Ermöglicher den Lernprozess fördern.

Sportlich ausgedrückt: Im Unterricht sollte der Schüler schwitzen, in der Vorbereitung die Lehrkraft! Die jetzt an den Schulen zu erstellenden und in der Erprobung befindlichen Lernaufgaben weisen den richtigen Weg.

 

Was wünschen Sie der DS Valparaíso zum 160. Jubiläum?

Das Jubliäumsschuljahr 2017 neigt sich dem Ende entgegen. Wir lassen damit ein ereignisreiches Jahr hinter uns, das gekennzeichnet war durch zahlreiche schulische Aktivitäten, Veranstaltungen, Entwicklungen, Reformen, personelle Veränderungen. Positiv festzustellen ist, dass die Schule nach den Turbulenzen im Vorjahr wieder in «ruhigeres Fahrwasser» geraten ist und vorwärts gerichtet mit guter Stimmung und positiver Atmosphäre optimistisch Fahrt aufgenommen hat. Offensichtlich ist es gelungen, «die Segel richtig zu setzen».

Eine gute Schule ist nicht das Ergebnis der Arbeit von Einzelnen, sie ist das Ergebnis einer Mannschaftsleistung. Schule kann nur gemeinsam mit allen am Schulleben Beteiligten erfolgreich gestaltet werden. In diesem Sinne wünsche ich der Schule, dass das Engagement der Schulgemeinschaft nicht nachlässt, die Reformbereitschaft andauert, eingeleitete Reformschritte konsequent beibehalten und verlässliche Strukturen ausgebaut werden.

Eine Schule ist immer, sollte immer in Bewegung sein, denn auch hier gilt die Alltagsweisheit: Stillstand ist Rückschritt. Ich wünsche der Deutschen Schule Valparaíso weiterhin viele erfolgreiche Jahre und um im Segler-Bild zu bleiben: «Stets richtig gesetzte Segel und mit gegenseitigem Vertrauen volle Fahrt voraus!»

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One Comment

  1. Brigitta Schott Annuscheit

    I’m a former student of Dr. Czoske and because of him I became a teacher too. My name is Brigitta Annuscheit , Abitur 1981 in Bocholt Euregio Gymnasium. My tel No. is 0049 157 8089 2224. Can you please give my details to Dr Czoske? I’m searching for him… thank you…regards Brigitta Annuscheit from Bocholt Germany

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