Geschichte der Deutschen Schule Valparaíso

Schick und adrett: Schuluniformen im Jahr 1995
Schick und adrett: Schuluniformen im Jahr 1995

 

Bereits ab 1820 ließen sich deutsche Einwanderer in Valparaíso nieder. Diese wachsende «Kolonie» setzte sich am 7. November 1857 mehrere Ziele: Es sollte eine Schule, eine Kirche und ein Krankenhaus im Dienst der Gemeinschaft entstehen.

 

Zunächst nahm die Deutsche Schule am 7. Februar 1858 mit 23 Schülern und unter der Leitung des Oberlehrers August Ernst ihre Arbeit auf. Das Bildungsangebot umfasste zu Beginn Arithmetik und Schönschrift, beides damals unerlässliche Fähigkeiten für die Arbeit in deutschen Handelshäusern. Außerdem wurde Lesen, Geschichte, Erdkunde, Geometrie, Zeichnen, Religion, Gesang, Handarbeit, Chemie, Physik, Mineralogie und Spanisch unterrichtet. Die Wahlfächer im Angebot waren Englisch und Französisch.

Die deutsche Schule betrieb das erste Gebäude in der Nähe der Plaza Victoria. 1869 erwarb sie ein Grundstück auf dem Cerro Concepción, wo 1885 die Sporthalle eingeweiht wurde. Diese gehörte dem Deutschen Turn- und Sportverein Valparaíso und war eine der modernsten Chiles. 1910 wurden dann die Physik- und Chemiesäle eingerichtet.

Deutsche Schule Viña del Mar im Jahr 1945: Zuvor hatte die Schule ihren Sitz auf dem Cerro Concepción in Valparaíso gehabt.
Deutsche Schule Viña del Mar im Jahr 1945: Zuvor hatte die Schule ihren Sitz auf dem Cerro Concepción in Valparaíso gehabt.

1897 wurde dank des großen Engagements der Gemeinschaft das Deutsche Haus eröffnet. Bis heute, doch vor allem in der Zeit bis zum Zweiten Weltkrieg, war dieses Gebäude das Herzstück aller schulischen und gesellschaftlichen Veranstaltungen der deutsch-chilenischen Gemeinschaft der Region. Dort fanden Schulbasare, verschiedene Jahresfeiern, Feste der deutschen Vereine, Schulabschlussfeiern, Theater- und Choraufführungen und Konzerte mit unterschiedlichster Musik statt. Schließlich sollten die sportlichen und kulturellen Veranstaltungen zum Aufbau von Körper, Seele und Geist der Schüler beitragen und ihnen ein Gefühl der Zugehörigkeit zur deutschen Kultur vermitteln.

Plakat zum 50. Jubiläum (1857-1907) der Deutschen Schule Valparaíso
Plakat zum 50. Jubiläum (1857-1907) der Deutschen Schule Valparaíso

Um die Jahrhundertwende wuchs die deutsch-chilenische Gemeinschaft in der Region beträchtlich. Der Anstieg stand in direktem Verhältnis zur zunehmenden Bedeutung des deutschen Kaiserreichs während der Ära Bismarck ab 1871 bis hin ins Jahr 1918. Die deutschen Einwanderer waren nun im gesamten Küstengebiet verteilt anzutreffen, etwa in Viña del Mar, Quilpué und Villa Alemana. Schon im Jahr 1894, also nur einige Jahre nach Ende des Bürgerkrieges, wurde in Quilpué eine deutsche Schule gegründet.

Die natürlichen Feinde des Schulgebäudes auf dem Cerro Concepción in Valparaíso waren die großen Erdbeben, die die Hafenstadt im Laufe der Geschichte immer wieder trafen. Am 16. August 1906 wurde durch ein starkes Beben der Großteil der Schule und des Internats zerstört, wobei fünf Schüler und die Internatsleiterin ums Leben kamen. Viele Jahrzehnte später richtete das Erdbeben von 1985 erheblichen Schaden am Gebäude an. Dies führte dazu, dass der Bau des heutigen Schulsitzes zügig voran gebracht wurde und die Schule in El Salto, Viña del Mar, dann am 4. November 1988 eröffnet wurde.

Bereits 1914 war die Schule von der deutschen Regierung als Realschule anerkannt worden und galt damals als eine der besten deutschen Auslandsschulen. 1943 wurde sie vom chilenischen Staat anerkannt und in das nationale Schulsystem eingegliedert.

Die Schule war von Anfang an eine koedukative Bildungseinrichtung und außerdem ein Umschlagplatz, an dem Ideen und Material zur Methodik und Didaktik ausgetauscht wurden. Mehr als 100 Jahre lang, von 1870 bis 1985, stand die Deutsche Schule auf dem Cerro Concepción in unmittelbarer Nähe des ebenfalls gegründeten Deutschen Krankenhauses und der evangelisch-lutherischen Kirche. In dieser Zeit war sie ein Anzugspunkt für Bildung, Sport, Theater, Musik und Freizeitangebote, mit dem Hauptanliegen, die deutsche Kultur unter den Einwanderern und ihren Nachfahren zu erhalten.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erhielt die Deutsche Schule den Status einer Einrichtung für Sekundärunterricht, womit die Schüler ihr Abitur in Chile ablegen konnten und Zugang zu deutschen Universitäten bekamen. Während der NS-Diktatur beeinflusste die nationalsozialistische Ideologie den Schulbetrieb, die Unterrichtsinhalte und die Ausrichtungsform der Feiern sehr. Dennoch wurde der Schulbetrieb in der Deutschen Schule Valparaíso in dieser Zeit nie eingestellt – im Gegensatz zu Schulen in Ländern wie Argentinien und Brasilien.

Schüler 1982 beim Musizieren an der Deutschen Schule Valparaíso
Schüler 1982 beim Musizieren an der Deutschen Schule Valparaíso

Sie konnte dann 1943 als durchgängig geöffnete Einrichtung in das chilenische Schulsystem eingegliedert werden. Von 1948 an übertraf die Anzahl der chilenischen Lehrer erstmals die der deutschen und genauso nahm die Zahl der aus chilenischen Familien stammenden Schüler zu. So kam es, dass der Primärstufenunterricht (damals 1. bis 6. Klasse) auf Deutsch und der geisteswissenschaftliche Unterricht der Sekundärstufenunterricht (damals 7. bis 12. Klasse) auf Spanisch erteilt wurde.

Seit ihrer Gründung vor 160 Jahren nimmt die Schule eine Spitzenposition in der Region ein. Dies gilt sowohl für die exzellente Bildung, die Förderung der deutschen Sprache und der Traditionen Deutschlands als auch für die Gebäudearchitektur, welche als einer der bedeutendsten Meilensteine im Kontext der Erhaltung der deutschen Kultur in Chile gilt.

Die Deutsche Schule Valparaíso brachte Spitzenathleten hervor. Die Schüler gewannen sowohl in Teams als auch als Einzelsportler und dies in unterschiedlichen Disziplinen wie Athletik, Turnen und Schwimmen. Ein herausragender Athlet und Sportlehrer war Karsten Broderson, der 1935 an die Deutsche Schule Valparaíso kam und dessen sportliche Leidenschaft ihn an verschiedene Schulen der Region führte. Bis heute wird der traditionsreiche Wettkampf «Sportfest Karsten Broderson» ausgerichtet, bei dem Hunderte von Schülern deutscher Schulen in Chile gegeneinander antreten.

Turnvater Jahn wäre stolz: Sportunterricht anno dazumal an der DS Valparaíso
Turnvater Jahn wäre stolz: Sportunterricht anno dazumal an der DS Valparaíso

Heute ist Innovation in der Pädagogik zu einem zentralen Engagement geworden – zweifelsohne auch seit der Einführung und Weiterentwicklung des Geisteswissenschaftlichen Programms 2001. Ein weiterer Erfolg war 2010 der Eintritt in die IB-Gemeinschaft, da das Internationale Bakkalaureat von vielen prestigereichen Universitäten weltweit anerkannt wird.

Mit neuen und erfolgreichen Workshops, die den Schülern angeboten werden, konnte sich die Schule auf regionaler, nationaler und auch auf internationaler Ebene einen Namen machen. Ein Beispiel dafür ist das Robotik-Team, das seit seiner Gründung 2011 zur Teilnahme an Turnieren in China und den USA ausgewählt wurde.

Ebenfalls erwähnenswert ist die Erweiterung der Infrastruktur unserer Schule. Im Laufe des Jahrs 2016 wurden neue Einrichtungen gebaut, sowohl für den frühkindlichen Bereich bis zur 3. Klasse, als auch ein neues Stadion, um verschiedene Sportveranstaltungen der Schulgemeinschaft auszutragen. Das Gebäude des ehemaligen Schulsitzes in Valparaíso wurde schließlich verkauft und gilt seit 2016 offiziell als historisches Baudenkmal.

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One Comment

  1. Inge Kirkland geb. Osterloh

    Hallo,
    Hier ist Inge Kirkland geb. Osterloh
    Peter Janssen schickte mir die „Geschichte der Deutschen Schulen in Valparaiso“.
    Ich wohne in Denver, USA, und habe mich gefreut unsere Klasse (mit mir in der Mitte!!) mit unserem geliebgten/gehassten Dr. Mueller zu sehen. Die Bildung und Erziehung die wir in der Schule genossen, war wirklich „top“. Viele meiner Schulgenossen wurden Lehrer, Akademiker und Professionelle: Doktoren, etc. Ich studierte zuerst Paedagogie in Deutsch und Englisch und als ich in die USA umsiedelte (1973), wurde ich in 1988 beim USDA (United States Department of State) als Dolmetscherin taetig.
    Ich muss eine Geschichte, die mir meine Grossmutter: Else Anwandter de Roch, erzaelte:hinzufuegen .
    Als sie in die Deutsche Schule in Vina ging (so um 1900???) gingen die Kinder der englischen Familien auch in die Deutsche Schule (Victoria+Albert!). Als der 1e Weltkrieg ausbrach, begruessten sie ihre erstmaligen Schulfreunde nie mehr. Das fand sie sehr verletzend.
    Mein Vater, Otto Osterloh, war waehrende des Krieges Praesident des Schulverbands und auch Praesident des Club Aleman. Wie er mir erzaelte, versuchte er diese Organisationen „Deutsch“ zu erhalten, und wurde deshalb spaeter, unter Adenauer, mit einem Verdienstkreuz geehrt. Mein Vater war Boersenmakler „Osterloh Wells“ in Valparaiso und „Osterloh Haase“ in Santiago. Ein Mitarbeiter in seinem Buro war juedisch. Da er Deutscher war, hatte er waehrend des Krieges nur wenige chilenische Klienten. Da er einen juedischen Mitarbeiter hatte, hatte er keine deutschen Klienten!! Zum Glueck konnten wir im Haus meiner Grossmutter wohnen.!!
    Wie mir meine Mutter erzaelte wurden viele Kinder deutscher Eltern waehrend des Krieges aus der Deutschen Schule genommen. Sie und mein Vater beschlossen uns 3: Karl, Doris und mich, trotz der Schwierigkeiten, doch in die DS zu schicken. Ich bin ihnen ewig dankbar fuer disen Entschluss!!

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