Die «beste Band der Welt» in Chile

Markus Arnold, Konrektor DS Valparaíso, Udo Ewertz, Leiter Kulturreferat Deutsche Botschaft, Rodrigo González von der Band «Die Ärzte» und Dr. Hans-Joachim Czoske, Schulleiter DS Valpo. Foto: Daniela Andrade
Markus Arnold, Konrektor DS Valparaíso, Udo Ewertz, Leiter Kulturreferat Deutsche Botschaft, Rodrigo González von der Band «Die Ärzte» und Dr. Hans-Joachim Czoske, Schulleiter DS Valpo. Foto: Daniela Andrade

Rodrigo González von der deutschsprachigen Band «Die Ärzte» zu Gast beim Bandwettbewerb der Deutschen Schulen in Viña del Mar.

Von Thomas Magosch

Zugegeben, die Überschrift des Cóndor-Artikels ist ein wenig anmaßend und übertrieben. Aber der diesjährige Bandwettbewerb der Deutschen Schulen Chiles mit 15 Bands aus allen Teilen des Landes hatte einen Stargast, der eben Teil der ganz unbescheiden selbsternannten «besten Band der Welt» ist. Rodrigo González spielt Bass in der Gruppe «Die Ärzte» und deren Zahl an verkauften Platten, CDs und Downloads dürfte mittlerweile die 30 Millionen-Marke überschritten haben. Ein echter Star in der diesjährigen Jury und zwar ein Star, der, wie der Konrektor Markus Arnold in seiner kurzen Begrüßungsnote anmerkte, für das diesjährige Motto des Festivals «Was wir wollen – Lo que queremos» wie die Faust aufs Auge passt.

Rodrigo González wurde in Valparaíso geboren, musste 1973 nach dem Militärputsch im Alter von fünfeinhalb Jahren mit seiner Familie fliehen und landete in Hamburg. González ist ein echter Rocker. Neben den «Ärzten» spielte und spielt er in so illustren Bands wie «Die Goldenen Zitronen», «Rainbirds», «Abwärts» und seit ein paar Jahren in der Beatband «Más shake». Ursprünglich ist er eigentlich Gitarrist, wie er in einem Podiumsgespräch mit Schülern des Colegios sagte, aber er spielt auch hervorragend Bass und Schlagzeug, je nachdem, was gebraucht wird und wurde.

Dass González überhaupt nach Chile kam, lag zu großen Teilen am Kulturreferat der Deutschen Botschaft, das die Präsentation des Films über ihn, «El viaje», mit dem Rockwettbewerb verknüpfte. Und natürlich erzählte González in dem Podiumsgespräch auch von seiner eignen Schulzeit, dass er als Schülersprecher immer Befürworter einer Schuluniform war, da es «an einer Schule nichts Schlimmeres als diese Markenschau» gibt, also wer welche teure Marke trägt. Und, ganz klar, über Musik, darüber, dass bei ihm zuhause in Hamburg immer chilenische Musik lief, «alles war Chile in meiner Kindheit in den 80ern in Hamburg», über die musikalische Rebellion des Punk, aber auch über Jazz.

Rod, wie in fast alle nennen, die ihn ein bisschen kennen, spielte auch in einer Jazz-Big-Band unter dem großen Peter Herbolzheimer. Und Musik ist ein verbindendes Thema. Und verbunden, so fühlte sich die Veranstaltung auch an, die hauptsächlich von dem Musiklehrer Michel Garrido organisiert wurde. Zu Beginn das «Café Concert», in dem sich die Bands mit Coverversionen von «Nirvana» bis «Rage against the machine» vorstellten und beim Wettbewerb, bei dem sie selbst geschriebene Lieder auf Deutsch präsentierten. Dabei ging es eigentlich auch gar nicht ums Gewinnen. Bei einer lockeren Umfrage vor der Bekanntgabe der ersten drei Plätze war der Tenor der Befragten, dass es eigentlich egal sei, wer gewinne. Wichtig sei, dass man zusammen Musik mache und dass «die Onda» stimme.

Und die stimmte an allen Ecken und Enden. Bestes Beispiel dafür vielleicht die 15 Minuten Wartezeit vor der Preisvergabe, als alle, aber wirklich alle teilnehmenden Bands und Bandmitglieder in der Aula zusammen Lieder sangen. Zu der Klampfe von Emiliano aus Chillán, dessen ganze Familie mit angereist war nach Viña, «um ihn zu unterstützen», wie das seine Mama lapidar mit dem Kleinsten auf dem Arm meinte. Und sie sangen Lieder von «Los Prisioneros», «31 Minutos» und «Chancho en Piedra». «Gänsehautfeeling» würde man in den Boulevardmedien schreiben.

Gewonnen hat am Ende «Die Band im Angebot» der DS Los Angeles mit der Nummer «Wir sind alle eins», einer sowohl textlich als auch instrumental starken Rocknummer. Was ein Colegio und ein Rockfestival gemeinsam haben würden, fragte Markus Arnold in seiner Note zu Beginn. «Ein Colegio sollte seine Schüler zu kritisch denkenden und autonomen Menschen erziehen.» Und der Rock? Der Punkrock, im Fall von Rodrigo González zeige «soziale Ungerechtigkeiten auf und plädiert für eine bessere Welt». Das passt doch eigentlich ganz gut zusammen und (und das ist für eine Auslandsschule fast das Wichtigste): es spricht die Schüler an und animiert sie, Deutsch zu lernen.

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