Deutschsprachige Pfarrei St. Michael schließt nach 60 Jahren

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Die Hiobsbotschaft kam aus Deutschland: Die Pfarrei St. Michael in Santiago erhält ab Anfang 2016 keine Gelder und auch keine deutschsprachigen Priester mehr. Am vergangenen Sonntag fand der letzte Gottesdienst statt.

Von Arne Dettmann

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Pfarrer Bruno Romahn

«Dieser Abschied tut uns in tiefster Seele leid», heißt es in dem offiziellen Schreiben, das Pfarrer Bruno Romahn im vergangenen November an die Gemeindemitglieder richtete. Bereits im Februar habe er vom katholischen Auslandssekretariat der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn erfahren, dass die Pfarrei in der Avenida Salvador nur noch bis Ende 2015 mit materieller noch personeller Unterstützung rechnen könne. «Damit sind wir leider gezwungen, nach 60 Jahren die Pfarrei St. Michael Anfang kommenden Jahres zu schließen und sie dem hiesigen Erzbischof zu übergeben, wie das in unseren Statuen vorgesehen ist», heißt es in der Bekanntmachung weiter.
Die Entscheidung aus Deutschland habe der Pfarrer, der seit 1988 an der Kirche tätig ist, keinesfalls ohne Widerstand hinnehmen wollen, wie er gegenüber der Cóndor-Zeitung betont. Der 88-Jährige schickte einen sehr kritischen Beschwerdebrief nach Bonn. Sein Vorwurf: Die Gemeinde sei einfach nicht vorab gefragt und somit übergangen worden. «So nach dem Motto: „Wenn der Obere will, sei der Untere still.“ – Das ist doch ein Stil, als ob wir noch im Mittelalter wären!», brüskiert sich der Pfarrer.
Sparmaßnahmen als Argument wollte er nicht akzeptieren. «Es ist allgemein bekannt, dass Geld in der katholischen Kirche in Deutschland ausreichend vorhanden ist.» Allerdings räumt er ein, dass es tatsächlich schwierig sein könnte, neue deutschsprachige Priester zu finden und nach Chile zu entsenden. «Die Geburtenrate in Deutschland ist niedrig, es gibt weniger Kinder und daher ein niedrigeres Potenzial an Nachwuchs. Zudem läuft das Zölibat dem Zeitgeist entgegen, nicht viele wollen sich darauf einlassen. Außerdem man muss schon viel Idealismus aufbringen, um als einfacher Priester ins Ausland zu gehen und einen allgemein schlecht bezahlten Arbeitsposten anzunehmen.»
Schätzungsweise 2,6 Millionen Peso koste der Kirchenbetrieb monatlich, wovon 1,5 Millionen auf die Gehälter der fünf Angestellten entfallen, die nun entlassen werden müssen. Mit den anderen 1,1 Millionen decke die Gemeinde die laufenden Ausgaben wie Licht, Gas, Auto und Lebensmittel, rechnet der Pfarrer vor. Laut Bruno Romahn finanziert sich die Gemeinde zu 40 Prozent aus eigenen Mitteln und zu 60 Prozent aus deutschen Zuweisungen – und ohne diese externe Hilfe ist nun Schluss.

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Mit der Schließung der Pfarrei geht eine 60-jährige Ära zu Ende. Bereits während und nach dem Zweiten Weltkrieg trafen sich viele deutschsprachige katholische Familien in der Kirche La Purísima zum Gottesdienst. Im Jahr 1957 wurde dann die Gemeinde deutschsprechender Katholiken in Santiago gegründet und 1965 die Kirche samt Pfarrbüro in der Avenida Salvador auf einem 3.000 Quadratmeter großen Grundstück errichtet.
Zu den herausragenden Besuchern zählte Kardinal Joseph Ratzinger, der das Gotteshaus in Chile besuchte, bevor er Papst wurde. Auch Bundeskanzler Helmut Kohl sowie ein großer Teil seines Kabinetts gingen beim Aufenthalt in Santiago de Chile zur Sonntagsmesse in die Pfarrei St. Michael. In seinem Abschiedsbrief würdigt Bruno Romahn die Priester Martin Schönfeld und Bernhard Starischka, die lange Jahre in der Kirche mitgewirkt haben. Dank für Unterstützung gilt auch den Schönstattschwestwern, der Thomas-Morus-Schule, der Deutschen und der Schweizer Schule sowie den Vertretern der evangelischen Kirche und der deutschen als auch österreichischen Botschaft.
«Ich lasse viele Freunde zurück, das tut mir leid. Doch ich hüte mich auch davor, darüber traurig zu sein, dass etwas verschwindet. Mein Blick ist in die Zukunft gerichtet. Mich beschäftigt, wie ich mich noch nützlich machen kann», erklärt Pater Bruno Romahn, der von 1952 bis 1977 in Santiago, dann bis 1988 in Los Ángeles und seitdem wieder in der Hauptstadt als katholischer Geistlicher tätig gewesen ist. Er hofft, dass der Zusammenhalt der Gemeinde, die zwischen 50 und 150 Familien zählt, auch ohne eigene Kapelle und Pfarrhaus weiterbesteht.
Das Gebäude mit seiner Einrichtung – dazu zählen der Kirchensaal, Gesellschaftsraum, Bibliothek und Büros – soll offiziell an den katholischen Erzbischof Ricardo Ezzati übergeben werden. Dieser plant nach bisherigem Kenntnisstand, die Pfarrei in das Zentralhaus für die Auslandsbetreuung der katholischen Kirche in Chile umzuwandeln. Hierzulande stellen Peruaner und Kolumbianer die größte Gruppe ausländischer Katholiken.
Die deutschsprachige Pfarrei St. Michael war bisher eine von insgesamt 120 Standorten weltweit, an der Katholiken an deutschsprachigen Gottesdienst teilnehmen konnten. An etwa 60 Orten unterhält das Auslandssekretariat der Deutschen Bischofskonferenz hauptamtliche Seelsorger. Das Auslandssekretariat gibt es seit 1921.
«Die Auslandsgemeinden verstehen sich als Orte, an denen alle deutschsprachigen Katholiken eine Heimat haben können, also nicht nur Deutsche, sondern auch Österreicher und Schweizer sowie Gläubige, die sich dem deutschen Sprachraum zugehörig fühlen. Grundsätzlich sind die Gemeinden aber natürlich offen für alle, die Kontakt suchen und ihren Glauben leben wollen», heißt es auf der Internetseite des Auslandssekretariats. – Einer dieser wichtigen Anlaufpunkte ist mit der Auflösung der Pfarrei St. Micheal in Chile nun weggefallen.

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One Comment

  1. Dr.Josef Nagel

    So so, Sparmassnahmen will der Herr Pope nicht akzeptieren – weil in Deutschland genug Geld vorhanden ist.
    Nunja mit dieser Einstellung hat der arrogante Herr seine Pfarrei voll gegen die Wand gefahren.
    Anscheinend ist die Sicherung seines Lebensstandards wichtiger als das Wort Gottes zu predigen – Schmarotzer, Parasit sage ich zu diesem Lebemann im schwarzen Talar.
    Mit welchem Recht stellt dieser Pfaffe Forderungen an die Kirche in Deutschland?
    Soll er doch wie jeder Arbeitnehmer so arbeiten dass er selbst für seinen Lebensunterhalt sorgen kann.
    Das bringt das Pfäfflein nicht – lebensuntüchtig nenne ich so was.
    Sollen doch die Gläubigen seiner chilenischen Gemeinde für Ihre Kirche bezahlen – aber auch diesen ist diese Kirche nur 40% wert.
    Hilfreich ist auch ein Blick ins MatthäusEvangelium:
    Umsonst habt ihrs empfangen – umsonst sollt ihr es geben.
    Ethik hat der feine Pope nicht – Monethik dagegen schon.
    Und raffgierig – aber seine Bibelkenntnisse sind sehr schwach.

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