Deutsches Einwanderungsarchiv nach chilenischem Vorbild

Das Centro Diha (Centro de la Documentación de la Inmigración de Habla Alemana en Argentina) hatte für den 23. und 24. April an der Universidad Nacional de San Martín auf seinem Campus Miguelete ein internationales Kolloquium zur deutschen Einwanderung in Argentinien organisiert.

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Das Treffen bot argentinischen und Spezialisten aus anderen Ländern ein Diskussionsforum für die deutsch-argentinische Thematik, stand gleichzeitig aber auch einem interessierten Publikum offen. Es war das 5. Kolloquium einer Reihe ähnlich ausgerichteter Veranstaltungen, die bisher in unregelmäßigen Abständen an unterschiedlichen wissenschaftlichen Einrichtungen in Buenos Aires stattgefunden hatten und deren Ergebnisse im Druck vorliegen.
Doch stellte das diesjährige Kolloquium unter zwei Aspekten eine Besonderheit dar: Zum einen fand es erstmals mit Unterstützung des vor einem Jahr in seine Gründungsphase eintretenden Centro Diha statt; zum andern öffnete sich der Veranstaltung mit der Unsam eine wissenschaftliche Einrichtung von Rang, die für den endgültigen Sitz des Centro Diha vorteilhaft gelten darf. Es ist sehr zu hoffen, dass die Verhandlungen zwischen Centro Diha und Unsam zu einem guten Abschluss gelangen werden und das Dokumentationszentrum damit an der UNSAM einen angemessenen Platz finden wird.
In diesem Sinn sprachen sich bei der Eröffungsveranstaltung der Präsident des Centro Diha, Francisco von Wuthenau, und Regula Rohland als Initiatorin des Dokumentationszentrums sowie für die Unsam Laura Malosetti und Laura Carugati nachdrücklich aus.
Mit eindringlichen Worten rief die Abgeordnete der Deputiertenkammer, Cornelia Schmidt-Liermann, dazu auf, alles zu tun, den Beitrag der deutschsprachigen Einwanderung zur argentinischen Geschichte in Erinnerung zu behalten und dieser Erinnerung durch die Schaffung und den Ausbau einer entsprechenden Einrichtung (Archiv, Bibliothek und Tagungsraum) einen konkreten Ausdruck zu geben.
Gerda Sommer aus Santiago de Chile, die Leiterin der Bibliothek und des Historischen Archivs Emilio Held Winkler des Deutsch-Chilenischen Bundes (DCB) führte in einem prägnanten Beitrag vor, wie eine solche Institution in unserem Nachbarland mit ähnlich starker deutschsprachiger Einwanderung als Forschungs- und Serviceeinrichtung funktioniert und in gewisser Weise für den Auf- und Ausbau des hiesigen Dokumentationszentrums als Modell dienen kann.
Stellvertretend für viele andere Institutionen, mit denen das Centro Diha seine Zusammenarbeit künftig vernetzen oder vertiefen will, haben Silvana Piga (Spezialsammlungen und Archive der Universidad de San Andrés) und Silvia Hansman (IWO) dazu beigetragen, den Blick auf einige dieser Nachbarinstitutionen zu werfen. Dazu gehörte auch das Centro de Estudios Migratorios Latinoamericanos, das durch die aktive Teilnahme von Dr. Alicia Bernasconi am Kolloquium vertreten war. In einem kurzen Abriss präsentierte Patrick Heinrichs den Deutschen Verein zur Unterstützung des Centro Diha mit Sitz in München.
Den Festvortrag zur Eröffnung des Dokumentationszentrums hielt Prof. Dr. Lila Bujaldón de Esteves (Universidad Nacional de Cuyo, Mendoza/Conicet) zum Thema «Bibliotecas perdidas, bibliotecas recuperadas: peripecias de las bibliotecas germanísticas argentinas», der eine Vielzahl von Einrichtungen erschloss, die den Germanisten und Vertretern benachbarter Disziplinen zur Benutzung offen stehen.
Das Programm hatte bereits am Morgen des 23. April begonnen. Es wurde gemeinsam von Prof. Dr. Regula Rohland und ihrer engen Mitarbeiterin Monica Bader (Sekretärin bzw. Vizepräsidentin des Centro Diha) vorbildlich organisiert. Vor dem Publikum, unter anderem auch einer Schulklasse des Colegio Quilmes, das sich aktiv an den Diskussionen beteiligte, entwickelte sich eine anregende Zusammenkunft.

Dr. Hans Knoll

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