Deutsche Feuerwehrkompanie Máximo Humbser in Santiago: ein Rückblick auf 60 Jahre

Im Kampf nicht nur gegen den Roten Hahn

Die Wache der 15. Deutschen Feuerwehrkompanie in der Avenida Apoquindo
Die Wache der 15. Deutschen Feuerwehrkompanie in der Avenida Apoquindo

 

Schon lang wird der Name Feuerwehr nicht mehr seinem heutigen Aufgabenbereich gerecht, aber trotzdem gehört er der Vorstellungswelt unserer Zeitgenossen noch an. Denn was das grundlegende Wesen einer Feuerwehr ausmacht, ist noch immer nichts anderes als der Sinn und Inbegriff des Dienens zum Schutz des Nächsten, das gerade auch heute noch junge Geister an sich zieht.

 

Von Dietrich Angerstein

Allein aus dem Spielen und der Unterhaltung unserer Jüngsten können wir Schlüsse ziehen, wie sehr ihnen die Männer und Frauen im schwarzen – und heute auch hellroten – Rock und Helm imponieren. Wer als Großer oder Kleiner bringt es nicht über sich, ans Fenster oder gar an die nächste Straßenecke zu eilen, wenn das Signal der Feuerwehr ertönt, um die jungen Männer und Frauen bei der Arbeit zu sehen.

Ein Feuer zerstörte im Mai 2017 die Diskothek Las Urracas in Vitacura – die «15.» musste zur Brandbekämpfung ausrücken.
Ein Feuer zerstörte im Mai 2017 die Diskothek Las Urracas in Vitacura – die «15.» musste zur Brandbekämpfung ausrücken.

Dies alles mag die grundlegende Rolle gespielt haben, als im Frühling des Jahres 1958 Vertreter der deutsch-chilenischen Gemeinschaft, unter ihnen Walter Kaufmann, Rodolfo Wilcke, Waldemar Winter und andere im Fahrstuhl zum Büro des damaligen Superintendenten der Feuerwehr Santiago Hernan Figueroa Anguita emporfuhren, um ihm den Vorschlag der Gründung einer deutschen Feuerwehrkompanie in Santiago zu unterbreiten. Rapide war die Stadt gewachsen, es tat not in den östlichen Stadtteilen, die langsam an Santiago herangewachsen waren, neue Feuerwachen aufzustellen, denn für die alten Wachen im Stadtzentrum wurden die Anfahrzeiten zu zeitraubend.

 

Brandbekämpfung und viele Einsätze bei Verkehrsunfällen

Natürlich waren diesem ersten Gründungskommitee die Anlaufschwierigkeiten bewusst, denn es war bekannt, dass die Brandbekämpfung nur noch einen verhältnismäßig geringen Anteil an der Gesamtzahl der kommenden Einsätzen haben würde. Es lag auf der Hand, dass die zukünftigen Männer der neu zugründenden Feuerwache nicht gleich am ersten Tag zu Schlauch, Strahlrohr oder gar hydraulischem Rettungsgerät greifen könnten, sondern erst eine lange Ausbildungszeit hinter sich zu bringen hatten.

Verkehrsunfälle gehören zu den meisten Einsatztypen der Feuerwehr
Verkehrsunfälle gehören zu den meisten Einsatztypen der Feuerwehr

Am 29.Oktober 1958 wurde die Gründungsversammlung in der Wache der 13. Kompanie zu Santiago abgehalten, an der nicht nur zahlreiche Neugierige und an einer Mitgliedschaft Interessierte teilnahmen. Auch ein Vertreter der Deutschen Botschaft, der Österreichischen Botschaft, der Vorstand des Deutsch-Chilenischen Bundes und andere Persönlichkeiten aus unserer Gemeinschaft waren dabei. Die Gründung der neuen Feuerwehrkompanie wurde beschlossen, sie erhielt später vom Vorstand der Santiaguiner Feuerwehr die Nummer 15. Die Leitung der Verwaltung wurde dem bekannten Rechtsanwalt Jorge Wenderoth und der Aufbau der Technik dem stets aktiven Organisator der Jugendzeltlager des DCBs, Waldemar Winter anvertraut.

 

Drei Feuerwehrfahrzeuge in der Avenida Apoquindo

Schwer war der Anfang, provisorisch die erste Unterkunft, neu die Bedienung der Geräte. Aber heute, nach 60 Jahren, steht der 15. Deutschen Feuerwehrkompanie ein modernes und nach allen Grundsätzen für eine reibungslose Erfüllung ihrer Aufgaben eingerichtetes Wachgebäude in der Avenida Apoquindo zur Verfügung. Gemessen an deutschen Vorbildern steht die Ausrüstung der «15.» in nichts nach. Der Stolz darin sind natürlich die drei Fahrzeuge, ein hydaulischer Hubretter für Höhen bis zu 50 Metern, ein schweres Rettungsfahrzeug, das vor allem bei der Bergung von Unfällen auf der Straße nach Farellones und der Avenida Kennedy zum Einsatz kommt und ein Mehrzweckfahrzeug mit einer Ausrüstung an Leitern, Generatoren, Atemschutz und Ventilationsgeräten, das ebenso zum Mannschaftstransport eingesetzt werden kann.

Gebäude-Großbrand im Juni dieses Jahres in Santiago Zentrum: Die 15. Feuerwehrkompanie war mit der Drehleiter MX-15 vor Ort.
Gebäude-Großbrand im Juni dieses Jahres in Santiago Zentrum: Die 15. Feuerwehrkompanie war mit der Drehleiter MX-15 vor Ort.

Nun mag ja mancher fragen: Wozu das alles? Hier ist die Antwort: Im Laufe eines Jahres kommt die «15.»  im Durchschnitt 1.200 Mal zum Einsatz, eine Zahl, die sich sehen lassen kann und die in manchen Jahren die höchste Zahl an Einsätzen der Gesamtfeuerwehr von Santiago darstellt. In der Regel sind davon nur acht Prozent Brandbekämpfung oder damit verbundene Dienste, der Rest fällt auf Rettung von Personen bei Unfällen, Einsturz von Gebäuden oder Neubauten, Bergung von Toten und Verletzten und vieles mehr, für die auf jeden Fall die notwendigen Geräte zur Verfügung stehen und deren Handhabung in intensiven Lehrgängen gelernt werden muss. Alle diese Leistungen werden in den Wehren als «andere Dienste» geführt und nach dem neuesten Stand der Technik erledigt –ebenso unentgeltlich wie das Löschen eines Feuers.

 

Eine der stärksten Feuerwehrkompanien in Chile

Heute zählt die 15. Freiwillige Deutsche Feuerwehrkompanie in ihren Reihen 124 Mitglieder und damit ist sie wohl eine der stärksten Kompanien des Landes. Natürlich finden wir unter den Männer in der blauen Uniform so manchen älteren Herrn, der aber in vielen Fällen noch gebraucht wird, wenn auch nicht im Einsatz «an der Front», so doch für diverse Arbeiten in der Verwaltung, als Verwaltungsleiter, Direktor, als Kassenwart, als Disziplinarrat oder in anderen Stellungen, ohne die nun einmal eine so gewaltige Organisation nicht auskommt.

Für den aktiven Einsatz halten sich 40 junge Männer bereit. Sie sind in Gruppen eingeteilt, denn nicht immer werden alle benötigt. Fünfzehn von ihnen schlafen in der Nachtwache, befinden sich also auch in der Nacht in Bereitschaft. Ihnen stehen gut eingerichtete Schlaf- und Aufenthaltsräume zur Verfügung.

Eine besondere Stellung nehmen die 37 Angehörigen auswärtiger Feuerwehren ein, sie gehören einer der 17 deutsch-chilenischen Feuerwehrkompanien an und weilen in Santiago zum Teil in Ausbildung oder aus beruflichen Gründen.

Noch stehen in der Reihen der «15.» einige wenige Feuerwehrmänner, die vor 60 Jahren die Gründung miterlebt haben. Hätten sie sich damals vorstellen können, wie ihre Wache heute aussieht?

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