DCB-Gala mit Medaillenvergabe in Villarrica

Im Beisein des deutschen Botschafters vergab der DCB am vergangenen Sonntag im Park Lake Hotel am Villarrica-See während des Gala-Abends drei Medaillen für besondere Leistungen.

Drei Medaillenträger auf einen Streich: Christian Boesch, Hans-Joachim Krämer und Erik von Baer
Drei Medaillenträger auf einen Streich: Christian Boesch, Hans-Joachim Krämer und Erik von Baer

Philippi-Auszeichnung für Christian Boesch
Glückliche Kinder dank Musik

Die Bernardo-Philippi-Medaille, mit der Ausländer für ihr Engagement geehrt werden, ging in diesem Jahr an Christian Boesch. Die Laudatio hielt Brigitte Kunstmann.

«Ein internationaler Opernsänger, der sich in Chile verliebte.» So leitete Brigitte Kunstmann ihre Laudatio ein. Der gebürtige Wiener, Jahrgang 1941, hatte Musik, Kunst, Theaterwissenschaften und Germanistik studiert sowie eine Gesangskarriere absolviert, wobei er vor allem in der Paraderolle des Papagenos aus der Zauberflöte bei den Salzburger Festspielen und anderen internationalen Bühnen bekannt wurde.
In den 80er Jahre wanderte Boesch nach Chile aus, begann mit dem Betrieb eines landwirtschaftlichen Gutes und gründete in Villarrica eine Musikschule, um Lehrer für den entsprechenden Unterricht auszubilden. Sein Anliegen: besonders arme Kinder in den öffentlichen Schule zu unterrichten und zu fördern. Das Projekt Papageno sei mittlerweile in 50 Schulen mit 21 Lehrern präsent, von der IX. bis zur XIV. Region, so Brigitte Kunstmann.

Javier Vernier überreicht Christian Boesch die Philippi-Auszeichnung.
Javier Vernier überreicht Christian Boesch die Philippi-Auszeichnung.

Christian Bösch nahm die DCB-Auszeichnung «tief berührt» an, erklärte aber auch gleichzeitig, sie als eine vorausgehende Verpflichtung zu betrachten weiterzumachen. «Wir wollen keine Musiker hervorbringen, sondern glückliche Kinder. Denn daraus wird einmal ein glücklicher Erwachsener. Es gibt keine Kinder ohne Begabung. In jeder Kreatur spiegelt sich ein Funke Gottes wider.»
Boesch ging in seiner Dankesrede auf die prekäre Situation der Landschulen in Südchile ein, von denen viele noch immer keinen Stromanschluss hätten, und sprach auch die zunehmende Gewalt samt Brandstiftung in der Araucanía an. «Dieses Paradies, wo wir leben, ist sehr in Gefahr.» Man könne sich nicht darauf verlassen, dass die Politik diese Bedrohung in den Griff bekomme, da die Legislaturperioden nur auf vier Jahre begrenzt seien. Das Projekt Papageno dagegen sei auf 15 bis 20 Jahre angelegt und hätte schon über 1.000 Kinder in den Genuss des Musikunterrichts gebracht. «Bildung und Integration ist die Lösung. Diese Kinder werden keine Zündhölzer in die Hand nehmen», so Boesch.
Zum Abschluss rief der Österreicher die Gäste auf, ihn bei seinem Anliegen zu begleiten. «Denn sonst ist diese Medaille nur ein Stück Metall ohne Inhalt. Man muss die Sachen einfach nur anpacken und machen.»

Vicente-Pérez-Rosales-Medaille für Erik von Baer
Deutscher Beitrag für die chilenische Heimat

Erik von Baer erhielt in diesem Jahr die Vicente-Pérez-Rosales-Medaille, mit der Deutschstämmige geehrt werden. Die Laudatio hielt Oswald Frindt.

Erik von Baer wurde 1941 in Brandenburg geboren und wanderte nach dem Zweiten Weltkrieg mit seiner Familie nach Chile aus, wo dem Vater bei der Gesellschaft für Landwirtschaft (SNA) eine Stelle angeboten worden war. Die Familie siedelte zunächst in Gorbea und zog später nach Temuco. Erik von Baer schloss 1961 sein Studium an der Universität von Concepción als Diplom-Landwirt ab und übernahm 1965 durch den plötzlichen Tod des Vaters dessen Betrieb Semillas Baer, das sich der Erforschung und Verbesserung von Pflanzensaatgut widmet.

Marcelo Muñoz überreicht Erik von Baer die Urkunde zur Vicente-Pérez-Rosales-Medaille.
Marcelo Muñoz überreicht Erik von Baer die Urkunde zur Vicente-Pérez-Rosales-Medaille.

«Lupinen, Lupinen, Lupinen», sagte Oswald Frindt scherzhaft und bezog sich dabei auf einen hervorstechenden Erfolg des Unternehmens bei der Qualitäts- und Ertragssteigerung beim Anbau dieser Pflanzengattung. Sogar die Chinesen hätten von der erfolgreiche Entwicklung der Saatsorten durch Erik von Baer gehört, die in Chile angebaut wurden. «Das war sein Beitrag seiner neuen Heimat gegenüber.»
Doch Erik von Baer, der 1968 Helga Jahn heiratete, mit der er vier Töchter hat, habe auch Verantwortung gegenüber der deutsch-chilenischen Gemeinschaft übernommen. In Temuco übernahm er 1988 den Vorsitz des Schulvereins und leitete diesen zwölf Jahre lang. Und Erik von Baer war es, der das ausgediente Schülerheim schließlich an das Altersheim übergab. Frindt: «Danke für dein begeistertes Engagement. In unserer hektischen Zeit sind es leider nicht viele, die bereit sein, ehrenamtlich mitzuwirken.»
Erik von Baer bedankte sich für die Auszeichnung und erklärte, er sei nur Teil einer langen Kette beim Mitwirken für den Deutsch-Chilenischen Bund. Er habe sich engagiert, «weil wir den DCB brauchen». Es ginge nicht nur darum, weiterhin Deutsch zu sprechen, er habe auch mit Mapuche-Angehörigen gut zusammengearbeitet. «Ich hatte früher Angst. Doch wir sollten keine Minderwertigkeitskomplexe haben, sondern müssen fröhlich und ein Beispiel sein als Gemeinschaft.»
Er sein gerne Chilene, habe aber noch seinen deutschen Pass. Und so schloss Erik von Baer mit einem Zitat von Goethe: « Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen!»

Carlos-Anwandter-Medaille für Hans-Joachim Krämer
«Der DCB war für mich ausschlaggebend»

Für außergewöhnliches Engagement wird die Carl-Anwandter-Medaille verliehen. Hans-Joachim Krämer empfing die Auszeichnung, Carlos Fingerhuth hielt die Laudatio.

Hans-Joachim Krämer erhält die Carlos-Anwandter-Medaille von Ignacio Dockendorff.
Hans-Joachim Krämer erhält die Carlos-Anwandter-Medaille von Ignacio Dockendorff.

Als verlässliches, gastfreundschaftliches Ehepaar bezeichnete Carlos Fingerhuth Hans-Joachim Krämer und dessen Gattin Northild, das sich nach seiner Pension in der Nähe von Temuco niedergelassen habe und zwei Söhne, eine Tochter und vier Enkelkinder zähle.
Krämer wurde 1939 in Santiago geboren, besuchte dort die Deutsche Schule, studierte an der Universidad Técnica Federico Santa María und trat dann als Diplom-Ingenieur in das Unternehmen IBM ein, das ihn zu den beruflichen Stationen nach Argentinien, den USA und Japan brachte. In den 30 Jahren seiner Laufbahn habe er Bereitschaft zur Anpassung gezeigt, die letzten fünf Jahre sei Hans-Joachim Krämer wieder in Santiago gewesen, bevor sich das Ehepaar dem «einfachen Leben auf dem Land» widmete, so Fingerhuth.
Mit Ideen, Interesse und Entschlossenheit, Schwierigkeiten zu überwinden, habe sich Hans-Joachim Krämer an der deutsch-chilenischen Gemeinschaft beteiligt, zum Beispiel in der lutherischen Kirche in Santiago und Temuco sowie in der Burschenschaft Ripuaria. Beim deutsch-chilenischen Kulturinstitut in Temuco organisierte er viele Veranstaltungen, war aber auch im Altersheim, Turnverein, der Deutschen Klinik und der Schule aktiv, zudem DCB-Ortsvertreter als auch Berichterstatters des Cóndors. Im Jahr 2008 organisierte er die DCB-Jahrestagung in Temuco und dort die Einweihung des Dankesdenkmals der deutsch-chilenischen Gemeinschaft.
«Mit viel Engagement und unheimlicher Unterstützung, immer optimistisch. Du kannst stolz und zufrieden sein. Denn im Geben, nicht im Nehmen liegt das Glück.»
Hans-Joachim Krämer bedankte sich für die Ehrung und appellierte daran, deutsche Sprache, Kultur und Bildung weiter zu behalten. «Der DCB war für mich oft ausschlaggebend, denn das Deutsche in mir bewegt mich forthin», erklärte er mit dem Hinweis, nie in Deutschland gelebt, wohl aber zu Hause immer mit den eigenen Kindern Deutsch gesprochen zu haben. «Mein Dank gilt auch meiner Frau, die meine Entfaltung überhaupt erst möglich gemacht hat.»

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