Sechs Ehrungen für außergewöhnliches Engagement

Jahresversammlung des Deutsch-Chilenischen Bundes (DCB) in Santiago de Chile

DCB-Medaillenvergabe: Dr. Rolf Lüders, Karoline Mayer, Hedi Opitz, Klaus Benkel, Richard Wagner und Sylvia Wilckens. Foto: Arne Dettmann
DCB-Medaillenvergabe: Dr. Rolf Lüders, Karoline Mayer, Hedi Opitz, Klaus Benkel, Richard Wagner und Sylvia Wilckens. Foto: Arne Dettmann

 

Mit vielen Ehrungen fand am vergangenen Wochenende die Jahresversammlung des DCBs in Santiago statt. Gleich sechs Medaillen wurden vergeben.

 

Von Arne Dettmann

Den Anfang machte das Ehepaar Hedi Opitz und Klaus Benkel. Beide erhielten jeweils die Carlos-Anwandter-Medaille, mit der besonderes Engagement innerhalb der deutsch-chilenischen Gemeinschaft geehrt wird. Die Laudatio am Samstagabend hielt Walter Brien in der Aula Magna der Deutschen Klinik Santiago.

Er ging auf die Lebensläufe der beiden ein, wobei er Heid Opitz´ Wirken in der Deutschen Schule Santiago sowie im Lehrerbildungsinstitut hervorhob und bei Klaus Benkel dessen Einsatz in der Burschenschaft Andinia, der deutschen Freimaurerloge und im DCB unterstrich. «Sie beide sind eine große Bereicherung für unsere Institutionen und konnten diese mit ihrer Begeisterung festigen.»

Es folgte die Philippi-Medaille, mit der Ausländer für ihre Verdienste ausgezeichnet werden und die ebenfalls zweimal in diesem Jahr überreicht wurde. Die erste erhielt Richard Wagner, der Jahrzehnte lang als Pastor tätig gewesen war und sich maßgeblich an der Gründung der Lutherischen Kirche in Chile (ILCH) beteiligt hatte, so Pastor Kurt Gysel in seiner Lobrede.

«Deine direkte Art und Weise, die Konzentration auf das Wesentliche, dein scharfer Verstand und die Dinge ungeschminkt beim Namen zu nennen, dein reicher Wortschatz – das alles ist typisch für dich», erklärte Kurt Gysel über Richard Wagner, zu dessen Lieblingsdichtern und -philosophen Goethe, Storm, Kant sowie Nietzsche zählen würden. Und in der Tat bedankte sich Richard Wagner beim DCB-Vorstand für diese Auszeichnung mit einem Zitat aus dem «Faust» (siehe Cóndor-Gezwitscher auf Seite 6 dieser Ausgabe).

Die zweite Philippi-Medaille nahm Karoline Mayer entgegen. Die gebürtige Bayerin war Ende der 60er Jahre als Missionsschwester nach Chile gekommen und hatte zunächst zwei Kindergärten und eine Küche zur Versorgung der notleidenden Bevölkerung ins Leben gerufen, wie Siegfried Möbius in seiner Rede erklärte. Heute engagiert sich die Gründerin der gemeinnützigen Stiftung Cristo Vive mit 500 Mitarbeitern nach wie vor in armen Stadtvierteln Santiagos.

Am Sonntag, den 1. Oktober, fand als festlicher Ausklang der diesjährigen Jahreshauptversammlung des Deutsch-Chilenischen Bundes im großen Saal des Club Manquehue ein ökumenischer Gottesdienst anlässlich des 500. Jubiläums der Luther-Reformation statt. Beteiligt waren Vertreter beider lutherischen Gemeinden und der Katholischen Kirche.  Am Mikrophon: Schwester Karoline Mayer. Es hören zu Pfarrerin Hanna Schramm, Pfarrer Johannes Merkel, Bischof Siegfried Sander, Pater Erich Hauck und Pfarrerin Nicole Oehler. Foto: Walter Krumbach
Am Sonntag, den 1. Oktober, fand als festlicher Ausklang der diesjährigen Jahreshauptversammlung des Deutsch-Chilenischen Bundes im großen Saal des Club Manquehue ein ökumenischer Gottesdienst anlässlich des 500. Jubiläums der Luther-Reformation statt. Beteiligt waren Vertreter beider lutherischen Gemeinden und der Katholischen Kirche.
Am Mikrophon: Schwester Karoline Mayer. Es hören zu Pfarrerin Hanna Schramm, Pfarrer Johannes Merkel, Bischof Siegfried Sander, Pater Erich Hauck und Pfarrerin Nicole Oehler. Foto: Walter Krumbach

Sylvia Wilckens erhielt die Arturo-Junge-Medaille, mit der Engagement in Kunst und Kultur gewürdigt wird. Ihr Neffe Alexander ließ die Stationen ihres Lebens Revue passieren, angefangen von ihrem Gesangsstudium an der Universidad de Chile, ihrer 20-jährigen Tätigkeit als Solistin bis hin zur ihrer aktuellen Mitarbeit in der «Cóndor»-Zeitung als Opern- und Konzertkritikerin.

Als letzte Ehrung wurde schließlich die Verleihung des Ordens Vicente Pérez Rosales vorgenommen, der an Dr. Rolf Lüders ging. Laudator Klaus Schmidt-Hebbel berichtete über den Wirtschaftswissenschaftler und Unternehmer, der an der Universidad Católica und der Universität von Chicago Ökonomie studiert hatte und von 1982 bis 1983 chilenischer Finanz- und Wirtschaftsminister gewesen war. In seiner Danksagung betonte Rolf Lüders zwei Dinge: Ihm sei die Überwindung der Armut in Chile stets sehr wichtig gewesen, wobei er das Modell der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland dafür als den richtigen Weg bezeichnete. Und: «Der DCB leistet eine wichtige Arbeit zur Aufrechterhaltung und Förderung der deutschen Kultur in Chile.»

Ähnlich hatte sich der deutsche Botschafter Rolf Schulze zu Beginn der Festveranstaltung geäußert: «Wenn es den DCB nicht gäbe, müsste man ihn erfinden.» Der DCB-Vorsitzende René Focke wiederum sprach seine Anerkennung über das deutsche Engagement in Chile aus, um deutsche Kultur und vor allem die deutsche Sprache hierzulande zu fördern. An der Medaillenvergabe nahmen auch Heiko Linn, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Schule Santiago, sowie dessen Leiter Dr. Markus Stobrawe teil. Die Gruppe Lastarria begleitete den Abend musikalisch, der schließlich mit einem gemeinsamen Cocktail in den DCB-Räumen endete.

DCB sucht jüngere Mitglieder

Santiago (ade) – Rein äußerlich hat sich der DCB bereits einer kleinen Verjüngungskur unterzogen. Jedenfalls berichtete Geschäftsführer Christian Kroneberg auf der 101. Jahresversammlung am Samstagvormittag von dem neuen eisernen Schriftzug, der nun über dem Eingang in der Straße Vitacura thront. Außerdem weist ein neues Schild den Besucher darauf hin, dass sich hier auch das Emil-Held-Archiv befindet. Die aufgepäppelte Litfaßsäule wirbt mit Plakaten für die Veranstaltungen, drinnen und draußen wurden die Wände frisch gestrichen. Also alles paletti?

Nicht ganz. Christian Kroneberg erklärte in seinem Jahresbericht, dass sich der DCB trotz dieser und anderer Anstrengungen – so zum Beispiel der bei Jüngeren beliebte Frühschoppen – in seiner Mitgliederstruktur immer noch aus älteren Jahrgängen zusammensetze. «Es ist nicht leicht, jüngere Menschen für uns zu gewinnen.» Deshalb habe sich der DCB vor Kurzem mit dem Elternbeirat und dem Vorstand der Deutschen Schule Santiago zusammengesetzt, um mögliche Kooperationen zu erörtern.

Mitglieder des DCB-Vorstandes: Javier Vernier, Marcelo Muñoz, René Focke, Ricardo Steffens und Dr. Ignacio Dockendorff.
Mitglieder des DCB-Vorstandes: Javier Vernier, Marcelo Muñoz, René Focke, Ricardo Steffens und Dr. Ignacio Dockendorff.

Insgesamt verzeichnet der DCB derzeit 472 Mitglieder. Eine weitere Herausforderung liegt in der Finanzierung des Programms. «Veranstaltungen um Kunst und Kultur zählen nicht zum Massenkonsum und sind auch nicht gratis, erklärte der DCB-Vorsitzende René Focke, betonte aber sogleich, dass die Liga Chileno-Alemana einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Bereicherung Chiles leiste.

Davon zeugte auch der Bericht über die geleisteten Aktivitäten im abgelaufenen Geschäftsjahr: Theateraufführung, Gitarrenfestival, Büchervorstellungen, Konzerte, Kino-Abende, Bilderausstellungen, Vorträge, Märchenkreis, Basteln und sonstige gesellschaftliche Events – insgesamt 90 Veranstaltungen waren im Angebot. Zum Jubiläum 500 Jahre Reformation wurde zudem ein Extra-Programm auf die Beine gestellt. In den Regionen nahmen mehr als 2.600 Besucher an den DCB-Veranstaltungen teil.

Zu den Haupteinnahmequellen des DCBs zählen der Schüleraustausch, das Sommerlager sowie die Mitgliedsbeiträge, wie Schatzmeister Ricardo Steffens in seinem Bericht hervorhob. Ricardo Binder referierte über das Emil-Held-Archiv sowie die Bibliothek, in denen die Digitalisierung insbesondere der alten Ausgaben der «Deutschen Zeitung» und des «Cóndors» voranschreitet. Über die deutsch-chilenische Zeitung berichteten Geschäftsführer Ralph Delaval und Redaktionsleiter Arne Dettmann.

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