Das liebe Gott

Von Arne Dettmann

 

«Liebe Cóndor-Leser» heißt es einleitend im Editorial «Cóndor-Gezwitscher». Doch ist das eigentlich korrekt? Fühlt sich das weibliche Geschlecht da nicht benachteiligt oder gar ausgeschlossen?

Die geschlechtergerechte Sprache, für die sich früher nur Emanzen kämpferisch eingesetzten, ist längst ein Thema, das alle angeht. Kaum eine Schule, ein Verein oder eine Behörde möchte sich dem Vorwurf aussetzen, in den Bekanntmachungen eine Diskriminierung zu betreiben. Und so werden denn geschlechtergerechte Formulierungen gewählt: Lehrer/Innen, die mit Schülerinnen und Schülern das Thema bearbeiten, wie es mit dem Schutz von Verbraucher/Innen ausschaut.

Der Grundgedanke dieser gendergerechten Sprache ist recht simpel: Zwar sind noch längst nicht alle Vorstandsposten in Unternehmen zu gleichen Teilen mit Männlein und Weiblein besetzt – die Gleichberechtigung im wahren Leben muss sich erst noch durchsetzen. Doch in der Grammatik sollte man (oder frau) schon mal damit anfangen und politisch korrekt texten.

Die Umsetzung dieses hehren Wunsches entpuppt sich allerdings in der Praxis als gar nicht so einfach. Studenten und Studentinnen lassen sich zwar noch unter dem Dachwort «Studierende» versöhnen, doch für Verbraucherinnen und Verbraucher das allgemeine «Verbraucher» zu verwenden, ist eben doch nicht die beste Variante, erinnert das Wort eben immer noch ganz schön an die maskuline Form.

Eine Lösung wäre, ständig von Lesern und Leserinnen zu schreiben, was allerdings die Texte unnötig aufbläht und langatmig macht. Die Alternative: Autofahrer/Innen. Der Nachteil: Beim Vorlesen weiß der Zuhörer nicht, dass dort noch ein Spiegelstrich drinnen steht und könnte somit auf den Gedanken kommen, dass es ausschließlich Autofahrerinnen sind, die am Steuer meckern und nörgeln.

Umgekehrt sind manche Streiter für mehr Gleichberechtigung nicht konsequent genug. So liest man häufig von «Vergewaltiger» und «Terrorist», aber nur selten von «VergewaltigerInnen» und «TerroristInnen» oder gar «FaschistInnen», «AntisemitInnen» und «UmweltverschmutzerInnen». Das Böse sei eben männlich, schrieb das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» süffisant in Bezug auf die Gleichstellerei.

Für einen völlig neuen Vorschlag sorgte Deutschlands Familienministerin Kristina Schröder (CDU). Aus Gründen der Geschlechterneutralität könnte es anstatt «der Gott» auch «das Gott» heißen. Der konservative CSU-Politiker Norbert Geis konterte: «Gott ist uns von Christus als Vater offenbart. Dabei sollte es bleiben.» In der katholischen Kirche wiederum verstand man die ganze Aufregung nicht. Es sei nur Gott. Die Frage der Geschlechtlichkeit stelle sich überhaupt nicht.

Kurioserweise ist es mit der Bundeswehr eine fast reine Männerdomäne, wo man völlig unbefangen an das Thema Geschlechtergerechtigkeit heranging. Dort heißt es seit Langem «Frau Stabsunteroffizier». Und als ich in der Kaserne einmal den Fehler beging, korrekt sein wollte und bei der Anrede die kleine Endung «-in» an «Frau Stabsunteroffizier» anhängte, bekam ich von der Vorgesetzten einen heftigen Rüffel. Von da an versuchte ich jede weitere Kommunikation zu vermeiden. Auch das kann ja eine geschlechterneutrale Strategie sein.

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