Das Land in den Alpen

«Land der Berge, Land am Strome…» heißt es gleich zu Beginn der österreichischen Bundeshymne. Das Land im Herzen Europas und südlicher Nachbar Deutschlands ist zu mehr als 60 Prozent von den gewaltigen Gebirgszügen der Alpen bedeckt, durch seinen Norden windet sich die Donau. In seiner neuen Geschichtsserie stellt der Cóndor seinen Lesern die Entwicklung Österreichs von der Monarchie bis hin zur Republik dar. Seit 1922 ist die Alpenrepublik in neun Bundesländer gegliedert. Sie sind Mittelpunkt der folgenden Kapitel.

 

Im Herzen Europas und inmitten der EU-Länder Deutschland, Tschechien, Italien, Ungarn, Slowakei, Slowenien, Lichtenstein sowie dem Nicht-EU-Land Schweiz liegt die Österreichische Republik. Ihr Staatsgebiet erstreckt sich über beinahe 84.000 Quadratkilometer. Hinsichtlich seiner Ausmaße belegt das Land im weltweiten Vergleich den 111. Platz.

Die zentrale Lage Österreichs spiegelt sich auch in der Zusammensetzung seiner Bevölkerung wider. Rund 8,4 Millionen Menschen leben im Land, etwas mehr als zehn Prozent von ihnen besitzen keinen österreichischen Pass. Seit 1995 ist das Alpenland Mitglied der Europäischen Union (EU).

Die größte ausländische Bevölkerungsgruppe stellen derzeit die Deutschen, vor Bewohnern aus dem ehemaligen Jugoslawien sowie türkischen Staatsbürgern. Ähnlich wie in Deutschland hatte auch die österreichische Regierung mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der 60er Jahre ein Anwerbeabkommen für Arbeitskräfte aus der Türkei abgeschlossen. Und im selben Zeitraum wurden auch jugoslawische Arbeitskräfte zu einem Engagement in Österreich bewegt.

Aktuell zählt die österreichische Marktwirtschaft zu den robustesten in ganz Europa. Mit einer Arbeitslosenquote um nur vier Prozent liegt Österreich gemeinsam mit den Niederlanden EU-weit auf dem Spitzenplatz. Selbst die aktuelle europäische Kreditkrise konnte die Wirtschaftsdynamik des Landes bisher kaum abbremsen.

In linguistischer Hinsicht dominiert in Österreich die deutsche Sprache. Knapp 90 Prozent der dortigen Bevölkerung spricht deutsch. Dahinter folgen Kroatisch, Ungarisch sowie Slowenisch. Auch Minderheitensprachen wie Burgenlandkroatisch und Romanes sind im Alltag zu vernehmen und werden als Behördensprachen anerkannt.

 

Geographie und Ballungsräume

Das österreichische Staatsgebiet wird zu mehr als 60 Prozent von den Gebirgsläufen der Ostalpen gebildet. Umgangssprachlich wird das Land daher auch als Alpenrepublik bezeichnet.

In den Ostalpen finden sich die höchsten Gipfel des Landes, allesamt Dreitausender. Mit 3.798 Metern ist der Großglockner in den Hohen Tauern der höchste von ihnen und doch bei weitem nicht der Einzige dieser Größenordnung. Beinahe 1.000 Dreitausender liegen über das gesamte Staatsgebiet verteilt.

Der bedeutendste Fluss im Land ist die Donau. Sie zieht sich wie ein breites Band durch Ober- und Niederösterreich, vorbei an den Großstätten Wien und Linz. Mit einer Gesamtlänge 2.857 Kilometern ist der Strom nach der Wolga der mit Abstand längste Fluss Europas. Von ihrem Ursprung aus – der Vereinigung der Flüsse Breg und Brigach – im Süden Deutschlands bis hin zu ihrem Delta im Schwarzen Meer durchfließt die Donau insgesamt zehn Länder.

Die auffälligsten geographischen Merkmale des Landes haben auch in der Nationalhymne Österreichs Einklang gefunden.

Ökonomischer Nutznießer dieser natürlichen Sehenswürdigkeiten ist in erster Linie die österreichische Tourismusindustrie. Sie hat es geschafft die besondere Geographie ihres Landes hervorragend im Ausland zu vermarkten. Die Gebirgslandschaft der Ostalpen sind beliebte Ausflugsziele für Wintersportler und Wanderer. Die Steiermark, die aufgrund ihrer Ähnlichkeit zur Toskana auch Steirische Toskana genannt wird, verführt Urlauber und Tagesbesucher mit ihrem beinahe südländischen Flair und Ambiente.

Der mit Abstand größte demographische Ballungsraum ist die Metropolregion Wien. Hier sind aktuell rund 2,4 Millionen beheimatet und damit mehr als ein Viertel aller Staatsbewohner. Die österreichische Hauptstadt ist auch das bevölkerungsreichste Bundesland, gefolgt von Nieder- und Oberösterreich.

 

Mann aus dem Eis

Spuren früher menschlicher Besiedlung auf dem Staatsgebiet des heutigen Österreichs finden sich vor allem in den nördlichen Regionen des Landes. Die ältesten von ihnen konnten der Epoche der Neandertaler zugeordnet werden.

Der Rohstoff- und Mineralreichtum der Region hatte ab dem 3. Jahrtausend vor Christus zu immer größeren Ansiedlungen und Handelsbewegungen geführt. Auch der weltweit wohl berühmteste Bewohner der Region stammt aus dieser Zeit. Es ist die 1991 in mehr als 3.000 Metern Höhe gefundene Gletschermumie «Ötzi». Der Jäger aus der späten Jungsteinzeit starb Untersuchungen zufolge vor rund 5.300 Jahren an den Folgen einer Pfeilverletzung, die er in einem Kampf davongetragen hatte.

Um Christusgeburt war der Großteil des heutigen Österreich als römische Provinz Regnum Noricum dem Römischen Reich eingegliedert. Die rund 70 Kilometer von Wien gelegene historische Römerstadt Carnuntum schwang sich in ihrer Blütezeit zur größten römischen Siedlung auf.

Mit dem Niedergang des Römischen Reiches und dem Einsetzen der Völkerwanderung drängten zunehmend Goten und germanische Stämme von Norden her in die Provinz. Die demographische Landkarte war einem starken Wandel unterworfen. Zur Mitte des 6. Jahrhunderts siedelten Bajuwaren, Alemannen und Slawen in der Region.

 

Erste namentliche Erwähnung

Mit dem endgültigen Zerfall des Römischen Reiches standen die Gebiete des heutigen Österreichs unter der Regentschaft des bairischen Stammesherzogtums der Agilofinger und gehörten zum Fränkischen Reich Karl des Großen.

Die Region des heutigen Niederösterreichs war als «Marcha Orientalis» bekannt. Sie unterstand zunächst den Karolingern, ging zwischenzeitlich an Ungarn verloren und wurde um die Jahrtausendwende zur Keimzelle des heutigen Österreichs.

In einem Dokument vom 1. November 996 wird die Übereignung der Marcha Orientalis durch Kaiser Otto II. an einen Babenberger Grafen geschildert. Erstmalig wird die Region darin namentlich als «Ostarrîchi» erwähnt. Doch erst 1156 wurde sie von Kaiser Friedrich I. zu einem von Bayern unabhängigen Herzogtum ernannt. In diesem Akt kaiserlicher Würdigung erlebte Österreich seine originäre Geburtsstunde.

Auf die Babenberger folgten die Habsburger an der Spitze des Herzogtums. Unter ihnen sah sich die Region im 16. und 17. Jahrhundert durch ständige Attacken aus dem Osmanischen Reich destabilisiert, die nur in langwierigen kriegerischen Auseinandersetzungen zurückgedrängt werden konnten.

 

Kaisertum und Republik

1804 gründete Franz II. das Kaisertum Österreich. Es war ein multiethnischer Siedepott, in dem sich zahlreiche osteuropäische Kulturen wiederfanden.

Zu Beginn der Industrialisierung, die von England aus zur Mitte des 19. Jahrhunderts auch in Europa Einzug hielt, geriet die Monarchie zunehmend in Bedrängnis und wurde durch die sich herausbildende Arbeiterklasse herausgefordert. Dem österreichischen Kaiserhaus gelang es jedoch auch mit ausländischer Militärhilfe, seine Machtbasis zunächst aufrecht zu erhalten.

Unter dem 1848 in Amt und Würde eingesetzten Herrscher Kaiser Franz Joseph I. erlebte Österreich eine herausragende und vom Staat unterhaltene Blütezeit der Feinen Künste und Wissenschaften.

Nachdem die Monarchen in Süd- und Zentraleuropa mehr und mehr aus der Staatsverantwortung gedrängt oder unter parlamentarische Aufsicht gestellt wurden, geriet zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch die inzwischen österreichisch-ungarische Doppelmonarchie in existentielle Bedrängnis. Die Führungskrise gipfelte 1914 im Ausbruch des Ersten Weltkriegs.

Mit Ende des Krieges zerfiel auch das österreichisch-ungarische Kaiserreich. Eine provisorische Nationalversammlung beschloss, den Staat Deutschösterreich als demokratische Republik zu verfassen. Ein Jahr später wurde der Name in Republik Österreich geändert. Sie dauerte bis zum 1933. Über einen Ständestaat (1934-38) und dem späteren Anschluss an das Dritte Reich überdauerte Österreich den Zweiten Weltkrieg.

Nur wenige Tage nach Kriegsende und der bedingungslosen Kapitulation des Reiches im April 1945 wurde Österreich erneut in die Unabhängigkeit entlassen. Das junge Land trat als Zweite Republik auf österreichischem Boden die Nachkriegsrestaurierung an und begann ihren kontinuierlichen wirtschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Aufstieg.

 

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