Chile erhält zehntes Biosphärenreservat

Im Juni vergangenen Jahres wurde die Reserva de la Biosfera Araucarias zu ihrer heutigen Größe erweitert, jetzt hat die Unesco erneut ein Gebiet in Chile zum mittlerweile zehnten Biosphärenreservat erklärt: der «Biologische Korridor» Nevados de Chillán-Laguna del Laja.

Das war nur eines der zukunftsweisenden Ergebnisse der internationalen Konferenz Für das Leben, für die Zukunft: Biosphärenreservate und Klimawandel, zu der sich in Radebeul bei Dresden am 27. und 28. Juni 250 Experten aus 80 Nationen trafen. Anlass war das 40-jährige Bestehen des Unesco-Programms Der Mensch und die Biosphäre (MAB). Die Biosphärenreservate wollen ihre Rolle im Klimaschutz und bei der Anpassung an den Klimawandel deutlich machen und zu Recht mehr in den Blickpunkt des öffentlichen Interesses geraten.

«Maßnahmen zum Klimaschutz werden auf politischer Ebene entschieden. Aber umgesetzt werden müssen sie in ganz unterschiedlichen Landschaften, wo ganz unterschiedliche Menschen leben. Damit solche Maßnahmen Erfolg haben, muss die Bevölkerung sie mitgestalten», sagte Natarajan Ishwaran, der für das MAB-Programm bei der Unesco verantwortlich ist. «Es zeichnet die Biosphärenreservate aus, dass sie die Menschen vor Ort in Entscheidungen einbinden.»

Bereits seit 1971 erforscht das Unesco-Programm, wie Umweltschutz und wirtschaftliche Entwicklung in Einklang gebracht werden können. Während Biosphärenreservate früher eher nur den Schutz der Natur und die biologische Vielfalt im Auge hatten, werden heutzutage neben dem Klimaschutz zunehmend auch soziale und wirtschaftliche Themen mit einbezogen. Man kümmert sich um erneuerbare Energien und um ökologische Landwirtschaft und versucht mit innovativen Ideen, Zielkonflikte zwischen Naturerhaltung und wirtschaftlichen Interessen zu lösen.

Biosphärenreservate sind also nicht nur Schutzgebiete, sondern Regionen, wo nachhaltige Entwicklung bereits praktiziert wird. «Es gibt Biosphärenreservate mit überzeugenden praktischen Erfahrungen», so Natarajan Ishwahan, «von diesem Wissen sollten auch andere Regionen profitieren.»

Im Anschluss an die Konferenz tagte vom 28. Juni bis zum 1. Juli der Internationale Koordinierungsrat des MAB-Programms. Dieses Gremium ernannte nicht nur 18 neue Biosphärenreservate und entschied eine Erweiterung. Das weltweite Netzwerk der Biosphärenreservate umfasst damit aktuell 580 Biosphärenreservate in 114 Ländern. Es verabschiedete auch die «Dresdner Erklärung», ein Appell an die Politik, die Erfahrung der Biosphärenreservate für den Klimaschutz stärker zu nutzen. Zudem fordern die Teilnehmer eine engere Verbindung von Klimaschutz, Armutsbekämpfung und dem Erhalt der biologischen Vielfalt.

 

 

Der Korridor Nevado Chillán - Laguna La Laja ist das mittlerweile zehnte Biosphärenreservat in Chile.

Biosphärenreservate

Ein Biosphärenreservat ist eine im Allgemeinen von der Unesco anerkannte Modellregion, in der nachhaltige Entwicklung in ökologischer, ökonomischer und sozialer Hinsicht exemplarisch verwirklicht werden soll. In Deutschland sind über ein Dutzend nach deutschem Recht als Biosphärenreservat verankerte Gebiete von der Unesco anerkannt, darunter zum Beispiel das Wattenmeer in der Nordsee. In Chile waren es bisher neun Gebiete: Araucaria, Cabo de Hornos, Parque Nacional Bosque Fray Jorge, Parque Nacional Archipiélago Juan Fernández, Parque Nacional La Campana, Lago Peñuelas, Laguna San Rafael, Parque Nacional Lauca, Parque Nacional Torres del Paine. ade

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