Öffentlicher Bücherschrank eingeweiht

Deutsche Schule Sankt Thomas Morus mit neuer Einrichtung

Nicole Ruf, Fachleiterin für Deutsch, vor dem öffentlichen Bücherschrank in der Thomas-Morus-Schule. Foto: Petra Wilken
Nicole Ruf, Fachleiterin für Deutsch, vor dem öffentlichen Bücherschrank in der Thomas-Morus-Schule. Foto: Petra Wilken

Die DS Sankt Thomas Morus nahm den internationalen Tag des Buches (24. April) zum Anlass, ihren öffentlichen Bücherschrank einzuweihen, der nun seit Montag Bücher in drei verschiedenen Sprachen anbietet.

 

Von Verena Horlacher

Deutsch-Fachleiterin Nicole Ruf kannte diese Einrichtung aus Deutschland und ist von der Idee überzeugt: «Ich wünsche mir, dass die Schüler hier in den Pausen stöbern, lesen, ins Gespräch kommen, ausleihen, selbst Bücher einstellen – und damit ein Stück deutscher Kultur kennen lernen», so Ruf. In Zusammenarbeit mit den beiden Kulturfreiwilligen Max und Annika und der Kunstlehrerin Valeria Fuentes wurde aus der Idee ein schönes, buntes und schon reich bestücktes Regal, das nun auf dem Schulhof zur Nutzung einlädt.

Die Idee, Bücherregale und -schränke im öffentlichen Raum aufzustellen, die jederzeit für jeden zugänglich sind, entstand bereits in den 1990er Jahren. Der erste öffentliche Bücherschrank in Deutschland wurde 1996 in Darmstadt ins Leben gerufen. Seitdem hält diese Einrichtung in immer mehr deutschen Städten Einzug. Betreiber sind meist Privatpersonen, Bürgervereine oder Stiftungen. Über 850 öffentliche Bücherschränke listet Wikipedia inzwischen auf, mit Foto, Beschreibung und Geokoordinaten. Führend sind dabei nicht Berlin, Hamburg oder München, sondern die meisten öffentlichen Bücherschränke – nämlich 35 – befinden sich derzeit in Hannover!

«Nimm ein Buch, bring ein Buch», so heißt die Grundregel des Konzepts. Aber funktioniert das auch? Man mag es überraschend finden, doch Missbrauch oder Vandalismus finden sich nach Aussagen der Betreiber höchst selten. Auffallend sei, so eine ehrenamtliche Bücherschrankbetreuerin, dass Kochbücher weggingen «wie warme Semmeln». Aber es gibt offensichtlich genug Menschen, die für angemessenen Nachschub sorgen, sei es mit einzelnen Büchern oder auch kistenweise. «Das ist eine schöne Gelegenheit, mal den heimischen Bücherschrank auszumisten, Platz zu schaffen für Neues und bereits Gelesenes anderen zur Verfügung zu stellen», so eine Buch-Spenderin aus Hamburg.

Die einzelnen Leihstellen unterscheiden sich zum Teil sehr. So findet man neben einfachen Schränken, Regalen und Truhen häufig ausrangierte Telefonzellen, Kühlschränke oder Verteilerkästen, aber auch ungewöhnlichere Modelle wie begehbare Litfaß-Säulen, ausgehöhlte Bäume oder in Hamburg «rollende Bücherregale» in circa 100 Linienbussen. In Erlangen wurde eine stillgelegte Bushaltestelle zur «Buchhaltestelle» umfunktioniert. Oberstes Kriterium sind Wetterfestigkeit und Strapazierfähigkeit.

Was alle Leihstellen verbindet, ist die Nutzung der Bücher ohne Bürokratie, ohne Formalitäten, ohne festgelegte Öffnungszeiten und ohne Kosten. Das senkt die Hemmschwelle vieler, die häufig aus genau diesen Gründen vor dem Besuch einer städtischen Bibliothek zurückschrecken. Zudem bieten viele Bücherschränke eine große Vielfalt und nicht selten kommt man mit anderen Nutzern ins Gespräch.

Auch gibt es bereits erste wissenschaftliche Studien zu Akzeptanz, Motivation und der Nutzerstruktur von öffentlichen Bücherschränken, die zeigen, dass sich das System als «bemerkenswerte Alternative zum klassischen Buchhandel» entwickelt habe und beispielhaft sein könne für andere Waren. Finden wir also bald schon öffentliche Schuh-, Geschirr- oder Taschenregale?

 

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