Buch über die unbekannte Kolonie erschienen

Gegen Ende des Jahres 1928 verabschiedete die chilenische Regierung ein Gesetz, welches die Caja de Colonización Agraria ins Leben rief. Die neue Einrichtung hatte zum Ziel, landesweit eine Erhöhung der Agrarbevölkerung zu erreichen.

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Schon im März 1929 nahm sie ihr erstes Projekt in Angriff, als sie ein Landgut von etwa 450 Hektar in Malloco erwarb. Dieses teilte sie in 43 Parzellen von je 10 Hektar auf, ließ auf jeder von ihnen ein Wohnhaus und Hühnerställe entstehen, baute Wege, legte Bewässerungsanlagen an, pflanzte pro Parzelle zwei Hektar Obstbäume an, Birnen hauptsächlich, und errichtete eine Obstkonservenfabrik. Zielgruppe waren deutsche Einwanderer, die in München vom chilenischen Konsul angeworben wurden. Er bevorzugte Kandidaten katholischen Glaubens, die aus Bayern stammten und Erfahrung in der Landwirtschaft und dabei hoffentlich im Obstanbau hatten.
Es war eine extrem schwere Zeit für die Deutschen, die noch unter der Zahlung von Reparationen zu leiden hatten. Die Inflation hatte unermessliche Schäden angerichtet und gegen Ende des Jahrzehnts sollte noch die Weltwirtschaftskrise hinzukommen. Es war demnach alles andere als einfach für den chilenischen Beamten, Leute zu finden, die imstande waren, eine Anzahlung von fünf Prozent des Gesamtwertes zu leisten, wie es der Vertrag verlangte.
Außerdem mussten sie ihre Reise nach dem fernen Chile selbst finanzieren. Nicht alle Interessenten konnten sich dieses leisten. Einige liehen sich das Geld. 38 Familien wurden auserwählt, insgesamt um die 180 Personen. Diesen schlossen sich Verwandte und Angestellte an, was die Anzahl auf 100 weitere Auswanderer anwachsen ließ.
Anfang 1930 trafen die 38 Familien in Chile ein. Sie konnten sofort die neuen Häuser beziehen. Damals hatten sie weder Trinkwasser noch Strom. Das Projekt, eine Genossenschaft zu gründen, um die Produkte gemeinsam und günstig vermarkten zu können, scheiterte. Die ersten Monate machten sie sich mit der Sprache und den Gepflogenheiten des Landes bekannt. Einige Siedler zeigten sich enttäuscht über die Entwicklung, sechs Familien kehrten noch in den 1930er Jahren nach Deutschland zurück.
Nach diesen anfänglichen Schwierigkeiten kam langsam der Fortschritt. Allgemein bekannt ist bis heute die Parzelle 2, die direkt an der einstigen Autobahn Santiago-San Antonio liegt. Ihr Inhaber Rodolfo Zahlhaas errichtete dort das Restaurant «Der Münchner», welches heute noch in Betrieb ist.
Ricardo Binder, der am Einwanderungsthema großes Interesse hat, setzte sich entschieden dafür ein, im DCB Vorträge über diesen Stoff zu halten und ein Buch herauszugeben. Walter von Bischhoffshausen führte die Recherche durch und stieß dabei auf wertvolle Information, die ihm bei der Zusammenstellung des Bandes von großem Nutzen war. Mittlerweile ist das Buch erschienen.
Der 64 Seiten starke Band ist reich illustriert. Er enthält eine exakte Auflistung der Einwanderer und ihrer Familienmitglieder, sowie auf welchen Schiffen sie an welchem Datum in Deutschland abgefahren beziehungsweise in Chile gelandet sind. Überaus informativ ist die ausklappbare Luftaufnahme auf den Seiten 24/25, auf der sämtliche Parzellen, Wege, Autobahnen und die Bahnlinie eingezeichnet sind.
Das Buch wird im Deutsch-Chilenischen Bund für $ 8.000 zum Verkauf angeboten.

Walter Krumbach

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