Böttcher-Zunft mit Mini-Renaissance

Einen Böttcher gab es früher in fast jedem Dorf. Dann verdrängte billiges Plastik die Zunft der Fassbauer. Doch laut Verband zeichnet sich eine kleine Renaissance des Böttcher-Handwerks ab.

Neu Zittau/Heilbronn (dpa) – Dass es die Böttcherei Messerschmidt schon lange gibt, sieht man an Denis Mertens brauner Lederschürze. Auf dem abgewetzten Umhang des Fassbauers aus Neu Zittau in Brandenburg hat sich die Arbeit vieler Jahre eingeprägt. «Es ist schwere körperliche Arbeit, aber sie macht Spaß», sagt Merten, während er einen wuchtigen Hammer schwingt. Dicke Eisenreifen werden angeschlagen, sie halten die gebogenen Eichenhölzer zusammen.

Merten ist einer der letzten Böttcher, nicht nur in Brandenburg, sondern in ganz Deutschland. In sechster Generation führt er den Familienbetrieb Messerschmidt weiter. Gelernt hat Merten sein Handwerk von Schwiegervater Hans-Joachim Messerschmidt, der 2010 starb. Merten ist erst 42 Jahre alt. Aber ob es noch eine siebte Generation der 1843 gegründeten Böttcherei geben wird, ist ungewiss. Lehrlinge hat der Mann mit dem Schnurrbart nicht. Aber Merten setzt seine Hoffnungen auf den elfjährigen Sohn.

Früher gab es fast in jedem Dorf einen Böttcher – also einen, der Fässer, Wannen und andere Behälter aus Holz herstellte. Je nach Region sagten die Leute auch Schäffler, Küfer oder Fassbinder dazu. Heute zählt der Verband des Deutschen Fass- und Weinküfer-Handwerks nur wenige Dutzend Böttcher im Land. Maximal seien es noch 50, sagt Bundesvorsitzender Jürgen Wörthmann.

«Kunststoff hat unser Handwerk stark verdrängt», meint Denis Merten. Einen Eimer oder eine Regentonne aus Plastik gibt es heute für wenige Euro im Baumarkt. Brauereien lassen nicht jedes Fass einzeln aus Holz anfertigen, sondern kaufen sie in Serie aus Blech. Wenn Böttcher Merten ein großes Fass mit 225 Litern Volumen per Hand anfertigt, braucht er dafür zwei Arbeitstage. Der Preis von 500 Euro ist da noch günstig. Aber eben viel teurer als industriell gefertigte Plastik- oder Blechgefäße.

Über mangelnde Aufträge kann sich Merten gleichwohl nicht beklagen. Spirituosenhersteller gehören zu seinen Kunden, denn Schnaps reift immer noch am besten in Holz. Gärtnereien geben Pflanzenkübel in Auftrag. Und gerade ist Gurken-Zeit im Spreewald. Die passenden Holzfässer stellt unter anderem die Böttcherei Messerschmidt her. Allerdings eher für dekorative Zwecke. Die meisten Gurken werden in Gläsern und Plastikeimern verkauft.

Dennoch beobachtet die Berufsinnung des Fass- und Weinküferhandwerks einen positiven Trend. Man könne sogar von einer kleinen «Renaissance» des Böttcherberufs sprechen, meint Verbandschef Wörthmann. Hochwertige Weine reiften heute wieder in Holzfässern. Und in Bayern kehrten manche Brauereien zum Bierfass aus Holz zurück. «Für unsere Betriebe ist die Auftragslage sehr gut», sagt Wörthmann.

Für einen richtigen Aufschwung des Böttcher-Handwerks müssten aber die großen Industriezweige wie die Lebensmittelbranche weg von Plastik, zurück zu naturbelassenem Holz. Doch da bremsen laut Wörthmann Hygiene-Richtlinien, wonach viele Lebensmittel nicht in Holzgefäßen verkauft werden dürfen – trotz Jahrhunderte alter Tradition.

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