Briefe von Deutschland bis in die Antarktis

«Postgeschichte und Briefbeförderung in Chile» lautet das kurze Werk, das der Briefmarkensammler Alexander Schultheis geschrieben hat. Der Cóndor sprach mit dem Deutschen über sein Hobby und über die Zeit, die ein Brief von Frankfurt nach Valparaíso braucht.

 

Cóndor: Herr Schultheis, wie kamen Sie zum Briefmarkensammeln?

Alexander Schultheis: Mit sechs Jahren habe ich angefangen Briefmarken zu sammeln. Mein Großvater schenkte mir damals seine Sammlung mit Motiven von Tieren, Schiffen und so weiter. Als Student fand ich es dann faszinierend, dass Briefmarken auch Geschichten erzählen, zum Beispiel über Sonderkollektionen zu Martin Luther und den Gebrüdern Grimm. Während meiner Tätigkeit am Goethe-Institut in New York konnte ich schließlich meine Sammlung aller Briefmarken der Vereinten Nationen vervollständigen. In Chile ist das Sammeln allerdings nicht so leicht. Es existieren keine Kataloge, keine Vordrucke, und der Philatelistenverband gibt nur ein paar kleine Einsteckalben heraus.

 

Und dennoch haben Sie nun eine Abhandlung über die Geschichte der chilenischen Post geschrieben.

Ich habe mich schlicht gefragt: Wie kommt eigentlich ein Brief aus Europa nach Chile? Wie war das früher und wie ist das heute? Bei meiner Recherche war ich ziemlich auf mich alleine gestellt, die Nationalbibliothek hat nicht gerade Material zu dem Thema, was man als umfangreich bezeichnen würde.

Die Postbeförderung wurde zunächst per Schiff abgewickelt, später setzte man auf Luftschiffe, die an Zwischenstationen halt machten. Schließlich transportierte die Lufthansa die Briefe im Direktflug hierher. Zwischen Chile und Deutschland bestand schon im 19. Jahrhundert ein Abkommen, das den Postverkehr hinsichtlich Gewicht, Lieferzeit und Kosten regelt. In früheren Zeiten wurden Sendungen von Argentinien aus nach Chile per Pferd oder Zug über die Anden geschickt. Interessant war auch zu erfahren, wie die Post in die Antarktis gelangte.

 

Wie lange brauchte damals die Post von Deutschland nach Chile?

Ich habe bei meinen Recherchen auf Märkten und Auktionen einen Brief aus dem Jahr 1914 gefunden, der von Frankfurt aus losgeschickt wurde und dreieinhalb Monate später in Valparaíso eintraf. Heute braucht ein Paket in der Regel zwei bis vier Wochen, ein Brief um die zwölf Tage.

 

Dennoch hört man oft Deutsche hier vor Ort über die Unzuverlässigkeit der chilenischen Post schimpfen.

Ich lebe seit zehn Jahren in Chile. Bisher ist ein Paket aus Deutschland bei mir nicht angekommen. Ob das nun viel oder wenig ist, weiß ich auch nicht.

 

Herr Schultheis, wir bedanken uns für das Gespräch.

 

Die Fragen stellte Arne Dettmann.

 

Info: Wer Interesse an dem Artikel von Alexander Schultheis hat, der kontaktiert bitte den Autor unter der E-Mail: ahtschultheis@hotmail.com oder per Handy unter 84 49 06 63. Das Werk liegt auf Spanisch und Deutsch vor.

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