Avantgarde der modernen Medizin

Der lange Weg vom Krankenhaus in die Vitrine

 

Mehr als 130 Jahre galt das Deutsche Krankenhaus von Valparaíso als eines der führenden medizinischen Einrichtungen der Region, bis es 2008 die Patientenaufnahme einstellte und schließlich zwei Jahre später seinen Betrieb komplett stilllegte.

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Vermutungen über die Gründe der Schließung gibt es viele. Klar ist, dass sich die sozio-ökonomische Struktur Valparaísos in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts drastisch verschlechtert hat, wobei gleichzeitig die Konkurrenz neuer Privatkliniken in den benachbarten Städten wuchs. Finanzielle Probleme und fehlende Modernisierungen führten zum Ende einer langen Tradition.

Nachdem der Deutsche Wohltätigkeitsverein Valparaíso die Immobilie übernommen hatte, wurde sie zum Verkauf angeboten und von der Firma Desco erworben. Im Jahr 2011 begannen mit den Abrissarbeiten auch die öffentlichen Proteste gegen das Vorgehen der Immobilienfirma. Immerhin konnte eines der historischen Gebäude vor dem Abriss gerettet und mit Mitteln Descos restauriert werden.

Heute erinnern moderne Apple-Bildschirme und ein warm knisternder Kamin nur wenig an die mit historischen Möbeln und einem tonnenschweren Geldschrank bestückten Verwaltungsräume am selben Ort. Freundliches Verkaufspersonal klärt über die verschiedenen Ausstattungen der insgesamt 147 neuen Wohnungen des Komplexes oberhalb der Avenida Alemania auf.

Jeder Besucher wird auf den neu eröffneten Ausstellungssaal hingewiesen. Zahlreiche Fotografien aus dem Jahr 1925 sind Zeugnisse der vergangenen Blütezeit des Hospitals. Originale Porträts bedeutender Persönlichkeiten, wie Heinrich von Dessauer oder der langjährig tätigen Oberschwester Margarethe Kubitz sind ebenso zu betrachten, wie ein Patientenbuch, das die Opfer der SMS Dresden nach ihrem Untergang im März 1915 ausweist.4092_p6_3

Nur ein kleiner Teil der historischen Sammlung des Krankenhauses ist in dem Saal zu sehen. Die Mehrzahl der Sammlungsstücke, die vor dem Verkauf der Immobilie von der Museologin Julia Koppetsch systematisiert und inventarisiert wurden, lagern dank der großzügigen Unterstützung der Deutschen Schule Valparaísos in deren Ferienheim in Limache. Aufgrund der ungewissen Zukunft für die Sammlung wandte sich die Museologin aus Berlin an die Immobilienfirma Desco mit dem Ziel die gelagerten Objekte zu konservieren und am historischen Ort auszustellen.

Dank der Unterstützung Descos wurde bereits ein Teil der Sammlung konserviert. Nun geht das Projekt in seine zweite Phase, die den Aufbau einer Internetseite mit Informationen und Bildmaterial zur langjährigen Krankenhausgeschichte vorsieht.

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