Aufgaben und Verantwortung wachsen

Um es gleich vorweg zu nehmen: Beim 45. Feuerwehrtag der Deutsch-Chilenischen Feuerwehrkompanien ging es wieder einmal nicht nur um ein geselliges Beisammensein, sondern wie in vorangegangenen Jahren um neue Aspekte in der modernen Führung einer einsatzfähigen Feuerwehr.

3Es war selbstverständlich, dass die Berliner Freunde erst einmal  unseren Süden kennenlernen mussten. Da liess es sich die 1. Freiw. Feuerwehrkompanie in Llanquihue natürlich nicht nehmen, sie gebührend zu empfangen.
3 Es war selbstverständlich, dass die Berliner Freunde erst einmal unseren Süden kennenlernen mussten. Da liess es sich die 1. Freiw. Feuerwehrkompanie in Llanquihue natürlich nicht nehmen, sie gebührend zu empfangen.

Längst ist der Name «Feuerwehr» auch in Chile überholt, aber wir haben uns einmal an ihn gewöhnt und lieben ihn, wenn man es so sagen darf. Nur ein Beispiel: Allein in Santiago kommen nur noch 8 bis 10 Prozent der Einsätze einer Feuerwehrkompanie auf das Konto «Feuer», der Rest sind technische Hilfeleistungen jeglicher Art; von der Erlösung einer alten Dame vom Balkon, dessen Tür hinter ihr zuschlug, über das Zersägen eines Baumes, der quer über der Straße liegend den Verkehr behindert, bis zur gewaltsamen Öffnung eines Unfallautos, um das Opfer zu retten.
Mit Recht heißt es sofort: Die Feuerwehr muss her. Und mit Recht kann so – nur ein Beispiel – die 7. Deutsche Feuerwehrkompanie in Concepción von sich sagen: Wir sind die Ersten und die Letzten, nämlich die Ersten rein und dann auch die Letzten raus.
Die Vielzahl der Aufgaben und deren rasche Bewältigung erfordern heute den Einsatz moderner Hilfsmittel. Nur schnelle rechnergestützte Verfahren ermöglichen es, in stündlich wechselnden Verkehrslagen Einsatzfahrzeuge einigermaßen schnell zum Unfallort zu bringen, eine Übersicht über vorhandene technische Geräte zu erstellen und überhaupt einen Einsatz mit Aussicht auf Erfolg planen zu können. Das ist eine Erkenntnis, die sich in unseren Großstädten wie Santiago, Valparaíso, Concepción und anderen bereits ganz oder teilweise durchgesetzt hat. Die damit einzugehenden Risiken, die sich mehr als einmal zum Schaden der eigenen Einsatzkräfte ausgewirkt haben, sind ebenfalls zuvor zu erfassen und – soweit möglich – zu steuern.

Hilfe aus Berlin
Kaum eine Feuerwehr in der Welt kann ihren Erfahrungsschatz messen an der Berliner Feuerwehr. Wie die Statistik vermeldet, wird sie täglich 1.000-mal gerufen, wobei allerdings an die 70 Prozent auf das Konto Rettungsdienst und Notarzt gehen, Leistungen, die seit ein paar Jahren ebenfalls die Berliner Feuerwehr übernehmen musste. Dafür kann die im Jahr 1851 von Branddirektor Carl Ludwig Scabell gegründete Wehr heute mit 3.500 Berufsfeuerwehrmännern und -Frauen sowie 1.360 Freiwilligen Feuerwehrmännern und -Frauen zählen, denen 121 Feuerwachen und Gerätehäuser zur Verfügung stehen. In ihnen befinden sich 884 Fahrzeuge.

Ende gut, alles gut. Ltd.BD Harald Herweg und OBR Dr.Peter Wagner nach getaner Arbeit beim Löschen  mit Dolmetscher  Marcelo Guzman.  Das erste Wort  auf chilenisch, dass unsere Berliner Freunde lernten:  Kunstmann Torobayo
Ende gut, alles gut. Ltd.BD Harald Herweg und OBR Dr.Peter Wagner nach getaner Arbeit beim Löschen mit Dolmetscher Marcelo Guzman. Das erste Wort auf chilenisch, dass unsere Berliner Freunde lernten: Kunstmann Torobayo

Es war daher wohl einfach naheliegend, dass der Präsident des Verbandes der Deutsch-Chilenischen Feuerwehren, Tomas Erber, die Berliner Feuerwehr um Rat und Hilfe für die täglich neu auf uns zukommenden Aufgaben bat. Schnell, wie es sich für eine Feuerwehr geziemt, eilten sie dann auch herbei: Harald Herweg, Leitender Branddirektor der Berliner Feuerwehr, und ihm zur Seite Dr. Ing. Peter Wagner, Oberbrandrat der Berliner Feuerwehr und Rettungsdienstakademie.

Ideen und Konzepte
Wählen wir aus der Summe der Vorträge nur die heraus, die uns ein klein wenig die Fülle des verarbeitenden Materials erkennen lassen sollen:
• Entwicklung neuer Schutzkleidung für Feuerwehrleute
• Unfälle schienengebundener, elektrisch betriebener Fahrzeuge (Straßenbahnen, U-Bahnen, S-Bahnen)
• Entwicklung neuer Einsatzfahrzeuge – Gefahren neuer Antriebskonzepte
• Brandstatistik und Brandrisiken
• Risiken bei Verwendung von Atemschutzgeräten und Hilfeleistung von gefährdeten und verunglückten Feuerwehrmännern
• Neue Hochdruckschaumlöschgeräte
• Ermittlung von Brandszenarien und ihre Erfassung

Vieles war neu und reichbeladen traten daher die mehr als 200 Besucher des 45. Deutsch-Chilenischen Feuerwehrtages am Sonntag, den 2. November, die Heimreise an.

Dietrich Angerstein

Print Friendly, PDF & Email

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*