Auf der Suche nach einer Wohnung

Niedrige Geburtenrate und immer höhere Lebenserwartung: Die Überalterung der deutschen Gesellschaft hat Auswirkungen. Zum Beispiel auf dem Wohnungsmarkt.

Die Bundesrepublik wird zunehmend zum Land der Alten. Während im Jahr 1960 etwa 17 Prozent von der Gesamtbevölkerung Rentner waren, werden es im Jahr 2060 bereits 39 Prozent sein, so eine Prognose. Besonders die Gruppe der Hochbetagten – also Personen, die 85 Jahre und älter sind – wird anteilsmäßig zunehmen.

Wie werden diese älteren Menschen leben? Dieser Frage ist das Pestel-Institut in Hannover nachgegangen und kam dabei zu dem Schluss, dass es in den nächsten Jahren zu einem Mangel an 2,5 Millionen altersgerechten Wohnungen kommen wird.

In den Medien ist oft nur die Wohnungsnot der Studenten ein Thema. Doch auch die älteren Mieter klagen über fehlende Wohnungen. Zudem sind nur wenige Wohnmöglichkeiten altersgerecht eingerichtet, zum Beispiel durch Aufzug, breitere Türen, ebenerdige Duschen und Griffe an der Badewanne, um Stürze zu vermeiden.

Laut dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung leben die meisten Rentner in Häusern mit alter Bausubstanz, die keinesfalls als barrierefrei – sprich: altersgerecht – bezeichnet werden können. Nur gut fünf Prozent der rund elf Millionen Seniorenhaushalte leben derzeit in weitgehend barrierearmen Wohnungen.

Doch nicht nur das Fehlen von technikunterstütztem Wohnen stellt eine Herausforderung dar. Vor allem in großen deutschen Städten ist ein Trend zu Mietsteigerungen zu verzeichnen. Rentner mit geringer Rente können da kaum mithalten. Laut dem Statistischen Bundesamt beziehen 44 Prozent der Seniorenhaushalte nur ein Einkommen zwischen 1.100 und 2.000 Euro im Monat. Weitere 23 Prozent haben noch weniger zur Verfügung. Insgesamt muss fast ein Viertel der Haushalte als einkommensschwach bezeichnet werden. Sinkende Alterseinkommen und steigende Wohnkosten werden zu einer steigenden Umzugshäufigkeit bei älteren Menschen führen.

 

Zum Semesterstart wird es eng

Phänomen demografischer Wandel: Während im Jahr 1960 noch fast 30 Prozent der Bevölkerung unter 20 Jahre alt war, sind es heute nur noch 18,4 Prozent. Und die Zahl sinkt weiter: Laut Statistischem Bundesamt werden 2060 nur noch 15,7 Prozent unter 20-Jährige in Deutschland leben. Trotz dieser Situation sind auch junge Menschen mit Problemen bei der Wohnungssuche konfrontiert, besonders Studenten.

Gerade um diese Zeit, im Oktober, stürzen sich Studienanfänger auf kleine Singlewohnungen und Wohngemeinschaften. Besonders in den angesagten Universitätsstädten wie Köln, Münster und Hamburg wird das Angebot dann knapp. In Nordrhein-Westfalen startet zudem in diesem Jahr der doppelte Abiturjahrgang mit dem Studium. Dadurch ist die Lage noch mehr angespannt.

Viele Studenten haben Probleme damit, bei der hohen Nachfrage eine Wohnung für ihren schmalen Geldbeutel zu finden. Einige müssen die erste Zeit von ihrem Elternhaus zur Uni pendeln und lange Wege in Kauf nehmen. Andere finden Unterschlupf bei Freunden und Verwandten auf dem Sofa.

Unterdessen steigen die Mietpreise vor allem in Großstädten immer weiter. Besonders Bezieher kleiner und mittlerer Einkommen sind durch die hohen Mieten überlastet – Studenten und junge Erwachsene, die gerade frisch im Berufsleben sind. Denn viele von ihnen erhalten nur ein geringes Gehalt.

Einer Umfrage zufolge, die das Marktforschungsinstitut TNS Infratest im Auftrag der Wüstenrot Immobilien GmbH durchgeführt hat, geben Mieter in Deutschland mehr als ein Drittel ihres Einkommens für das Wohnen aus. Und jeder vierte Deutsche sucht nach einer günstigeren Wohnung. Der Mieterbund prangert an, dass die Eigentümer die Preise besonders stark in die Höhe treiben, wenn sie ihre Wohnung neuvermieten. Zum Teil zahlen so genannte Starterhaushalte, also Menschen, die neu in Ballungsräume ziehen, rund 30 Prozent mehr Miete als ihre Vorgänger.

Wie angespannt die Lage ist, hängt allerdings auch vom Ort ab. In München, Frankfurt und Hamburg wird der Wohnraum immer knapper. In vielen ostdeutschen Städten findet man im Gegensatz dazu leichter eine Wohnung. Gleiches gilt für weite Teile des Ruhrgebiets.

 

Von Katrin Ewert

 

 

Wohnpartnerschaften: Alt und Jung unter einem Dach

 

In den Universitätsstädten Deutschlands sind Wohnungen Mangelware. Viele Studenten sind ewig auf der Suche nach einer günstigen Bleibe. In vielen Städten gibt es mittlerweile das Projekt «Wohnen für Hilfe». Dadurch können Studenten und junge Leute günstiger leben, indem sie ihren Nachbarn ihre Hilfe anbieten.

Dabei leben Alt und Jung zusammen unter einem Dach; man spricht von einer Wohnpartnerschaft. Die Aufgaben sind vielfältig und werden individuell festgelegt: Einkaufen, Kochen, Staubsaugen, Gartenpflege oder Hausaufgabenhilfe. Studentenwerke oder soziale Einrichtungen vermitteln die Interessenten. In Freiburg etwa gibt es inzwischen schon etwa 250 Wohnpartnerschaften.

Bei dem Projekt profitieren beide Seiten: Die Senioren sind weniger einsam und bekommen Hilfe; die Studenten wohnen komfortabel und günstig. Zunehmend interessieren sich auch Familien und Berufstätige für das Angebot. Manche wünschen sich Nachhilfe für ihre Kinder, andere eine Versorgung der Haustiere. Durchschnittlich bleiben die Studenten zwei bis drei Jahre in der Wohnpartnerschaft.

Wichtig beim Projekt Wohnen für Hilfe ist: Das Leben in einer Wohngemeinschaft mit Senioren oder Familien unterscheidet sich von dem in einer klassischen Studenten-WG: Durchfeierte Nächte oder WG-Partys gibt es hier nicht.

 

Von Katrin Ewert

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