Alte Fotografien von Frida B. de Böhmwald

Valdivianer Familien im Fokus

Erstkommunion von Graciela Geywitz Carrasco und Manuela Rozas de Bianchi (1908)
Erstkommunion von Graciela Geywitz Carrasco und Manuela Rozas de Bianchi (1908)

 

Von Arne Dettmann

Sie war wahrscheinlich die erste weibliche Fotografin Chiles, die professionell Familienaufnahmen machte: Frida B. de Böhmwald verewigte von 1905 bis 1925 in Valdivia Menschen auf Fotopapier, die nun wieder aus der vergessenen Vergangenheit auftauchen: 20 Aufnahmen sind bisher aufgearbeitet und digitalisiert worden, auf denen Babys, Ehepaare und Schwestern den heutigen Betrachter anblicken.

J. Rothgänger und seine Ehefrau um 1915
J. Rothgänger und seine Ehefrau um 1915

Doch es müsste noch viel mehr dieser alten Fotografien existieren, glaubt Tanya Wagemann. Die Kulturexpertin am Centro Cultural El Austral von Valdivia will ab Februar 2018 möglichst viele Aufnahmen von Frida B. de Böhmwald und deren Geschichte einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Ihre Forschungsarbeit wird vom staatlichen Programm Fondart gefördert.

Die Drillinge Adolfo, Vera und Gertrudis Neumann, Foto von 1909
Die Drillinge Adolfo, Vera und Gertrudis Neumann, Foto von 1909

Unterstützung erhält sie zudem von Karin Weil von der Museumsabteilung an der Universidad Austral. Ein Teil der Fotografien wird vom Museo Histórico y Antropológico Maurice van der Maele der Universidad Austral dokumentiert, andere Aufnahmen stammen von deutsch-chilenischen Familien in und um Valdivia. Und auf deren Dachböden, in deren Kellern und Familienalben müssten noch viele weitere Bilder von damals schlummern, hofft Tanya Wagemann.

Herbert und Bruno Borneck Schmit im Jahr 1909
Herbert und Bruno Borneck Schmit im Jahr 1909

Denn Frida B. de Böhmwald lichtete wohl hauptsächlich Einwandererfamilien ab, die zu ihrem engsten Kundenkreis zählten. Sie selbst wurde 1886 geboren und stammte von den ersten deutschen Kolonisten ab, die ab 1850 nach Valdivia gekommen waren. Sie muss eine ehrgeizige, emanzipierte Frau gewesen sein, was in der damaligen Zeit sicherlich aus dem Rahmen stach. Sie studierte Kunst (Bellas Artes) und betätigte sich zunächst im Fotostudio Valck. Anschließend machte Frida sich selbstständig und mietete im zweiten Stock eines Hauses von Federico Borneck in der Straße Yungay Räume, in denen sie ihr Atelier einrichtete.

Jens Butendieck, Aufnahme aus dem Jahr 1910
Jens Butendieck, Aufnahme aus dem Jahr 1910

Hier müssen in den folgenden zwei Jahrzehnten unzählige Fotos von Einwandererfamilien entstanden sein, die Tanya Wagemann jetzt – fast 100 Jahre später – gerne für ihr Projekt mit in die Sammlung aufnehmen würde. Wer helfen möchte, meldet sich bitte unter der E-Mail: fridaboehmwald@gmail.com. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.facebook.com/fridaboehmwald/. Tanya Wagemann weist darauf hin, dass alte Fotografien im Familienbesitz nicht abgegeben werden müssen, sondern direkt vor Ort eingescannt werden können.

Ein Mitglied der 4. Feuerwehrkompanie von Valdivia um 1925
Ein Mitglied der 4. Feuerwehrkompanie von Valdivia um 1925
Lydia Petersen mit ihrem Sohn um 1910
Lydia Petersen mit ihrem Sohn um 1910
Fotografie von zwei jungen Damen im Jahr 1910
Fotografie von zwei jungen Damen im Jahr 1910
Anna Borneck Schmit, Fotografie von 1910
Anna Borneck Schmit, Fotografie von 1910
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