Martin Luther, Kirche und Glaube: Der Himmel ist nur ein Gotteswort entfernt

Vortrag über die Reformation in Temuco

Alexander Deeg, evangelischer Theologe und Professor für Praktische Theologie an der Universität Leipzig.
Alexander Deeg, evangelischer Theologe und Professor für Praktische Theologie an der Universität Leipzig.

Als ich Anfang November im «Mercurio» las, dass die Hauptstädter unseres Landes mal wieder zu einem «Santiago es Chile»-Vorteil in Form eines interessanten Martin-Luther-Vortrages kommen würden, stimmte mich das neidisch. Mit großer Freude und Genugtuung bekam ich aber kurz darauf eine Einladung unseres Pastors, laut der auch wir in Temuco glücklicherweise in den Genuss jenes Vortrages kommen würden.

 

Von Hans-Joachim Krämer

Professor Dr. Alexander Deeg, evangelischer Theologe und Professor für Praktische Theologie an der Universität Leipzig, flog also auch zu uns in den Süden, um miteinander einen für alle Anwesenden sehr interessanten Abend zu verbringen. Sein Besuch in Chile wurde von der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland organisiert und vermittelt und hat uns große Freude bereitet, worüber wir sehr dankbar sind.

«Luther war ein Leben lang ein Zeigender – von sich selbst weg und auf den lebendigen Christus hin, der in die Mitte gehört, ins Zentrum», stellte Dr. Deeg in seinem Vortrag «Der Himmel ist nur ein Gotteswort entfernt. Luthers Entdeckung – und wir in Temuco, Leipzig, Wittenberg» fest. Luther entdeckte in der Bibel die Gerechtigkeit Gottes und schrieb: «So sehr war mir diese Paulusstelle wirklich die Pforte zum Paradies.»

In seinem Dankesschreiben an den Botschafter der Bundesrepublik für die Vermittlung des Besuches bemerkte Alberto Weil, Vorsitzender unserer Gemeinde: «Wir sind dessen absolut überzeugt, daß die Reflexionen von Prof. Deeg die Menschen hier in Chile sehr bewegt und uns allen wichtige Denkanstöße und herausfordernde Perspektivenwechsel geschenkt haben. Sie haben uns aber auch einen offeneren und konstruktiv-kritischen Blick für die Person von Martin Luther, seiner Theologie und des Kirchenlebens in Deutschland beschert. Das erfrischt in positiver Weise den Bezug, den viele unserer Mitglieder zu ihrer Heimat haben.»

Übrigens unterstützte unser Pastor Eduardo Rojo den Vortrag ganz fantastisch, indem er den Text auf Spanisch übersetzt hat und ihn während des Vortrages, so zu sagen als Simultanübersetzung, auf der Bildleinwand mitlaufen ließ. So konnten die nicht der deutschen Sprache mächtigen Zuhörer den Vortrag zusammen mit den Gebärden des Redners perfekt mitverfolgen.

Die 40 bis 50 Besucher blieben nach dem Vortrag noch zu einer guten Stunde von reger Frage und Antwort beisammen. Dabei erfuhren wir, dass Dr. Deegs Spezialität die Homiletik, die Predigtlehre ist. Und zum Beispiel von den drei Typen der Gottesdienstbesuchern: kritische («das hat mir nicht gefallen»), assoziative («mich hat jener Teil besonders angesprochen»), und kontemplative («ich fand es sehr schön»). Leider vernahmen wir aber auch, dass trotz der Luther-Euphorie und den vielen Ausstellungen, Vorträgen und Feierlichkeiten die Kirchen- und Gottesdienstbesucherzahlen eher abnehmen.

Mit einem gemeinsamen Abendessen zu fünft schlossen wir diesen besonderen Abend internationaler Begegnung ab. Am Morgen jenes Tages hatte Pastor Rojo außerdem Dr. Deeg nach seiner Ankunft in Temuco zu einem der beeindruckendsten Ziele in der Natur unserer Region, an die Baum- und Schneegrenze auf dem Vulkan Villarrica, geführt.

 

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