«Was da war, habe ich genommen»

Buch-Rezension zu «Alemanes en Valparaíso» von Elisabeth von Loe

Die Autorin Elisabeth von Loe mit ihrem Buch «Alemanes en Valparaíso», das die deutsche Einwanderung in der chilenischen Hafenstadt im 19. Jahrhundert behandelt. Foto: Ingrid Gloria Tapia Lehmann
Die Autorin Elisabeth von Loe mit ihrem Buch «Alemanes en Valparaíso», das die deutsche Einwanderung in der chilenischen Hafenstadt im 19. Jahrhundert behandelt. Foto: Ingrid Gloria Tapia Lehmann

«Es ist schon so etwas wie ein Lebenswerk», sagt Elisabeth von Loe bei einem Gespräch über ihr Buch.

 

Von Thomas Magosch

Seit Ende der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts hat von Loe angefangen, deutschstämmige Familien in Valparaíso zu besuchen und sie über ihre Vorfahren zu fragen. Das hing mit ihrer Magisterarbeit an der PUCV zusammen und der beginnenden Forschungsarbeit an der Universidad de Playa Ancha, kurz UPLA, von Loes langjährigem Arbeitgeber.

«Ich habe Sitzfleisch, da habe ich mich gleich gemeldet», sagt sie mit einem sympathischen Augenzwinkern, und da für die Region Valparaíso noch nichts systematisch erforscht war, hatte sie ein weites Feld vor sich. Wichtig ist für sie zu betonen, dass sie nie eine Chronologie der Besiedelung schreiben wollte und auch keine Heldengeschichte. Es sind die kleinen Dinge des Lebens, die kleinen Entdeckungen, die sie interessieren und die einen langen Atem haben.

Das bedeutet viel Arbeit. Gut 30 Jahre sammelte sie Material für das nun vorliegende Buch. Natürlich hat sie nicht kontinuierlich daran geschrieben. Anfangs gab es nicht viel, aber wenn man das Material heute überblicken würde, könnte man noch einmal so ein Buch schreiben, meint sie.

Schwierigkeiten mit Quellen hatte sie keine. «Die Leute geben ihre Unterlagen sehr gerne.» Einer der ersten ihrer Quellen war Herr Bostelmann. Er war von seinen Enkeln aufgefordert worden, sein Leben aufzuschreiben. In ihr Buch hat sie diese Skizzen fast vollständig übernommen. Von den anderen Quellen hat von Loe jeweils eine Auswahl getroffen.

Aber «jedes Dokument hat seine Spezialitäten» meint sie ein wenig verschmitzt, und hat man einmal angefangen, sich in die unterschiedlichen Briefe und Aufzeichnungen einzulesen, wird man regelrecht gefesselt. Wichtige Aspekte bei der Auswahl ist die Wohn- und Lebenssituation, das Verhältnis zu Chile (bei dem die Deutschen nicht immer gut wegkommen), Integration, Erziehung und natürlich klingen auch immer wieder wirtschaftliche Themen durch.

Grundsätzlich gibt es viel zu entdecken, zum Beispiel mit welcher Selbstverständlichkeit man damals in den Straßen Valparaísos den Geburtstag Bismarcks oder des Kaisers feierte, oder die Metakultur der deutschen Kneipen in Valparaíso, von denen es bis zu 30 gab. Immer wieder kommt auch Geld zur Sprache, «schnell Geld verdienen und sich dann zur Ruhe setzen, so hatten sich das manche Männer gedacht», sagt von Loe, oder gar Kolonialisierungspläne Patagoniens (Chodowiecki).

Mit den Flüchtlingsbewegungen heute ließen sich die Migrationsbewegungen der Deutschen damals schwer vergleichen. Viele der deutschen Immigranten des 19. Jahrhunderts brachten wahrscheinlich etwas Geld mit, um sich mit ihren handwerklichen Betrieben und Geschäften in Valparaíso zu installieren. Sie sind mit den heutigen Flüchtlingsströmen, die vor Krieg, Unrecht und Hunger flüchten, nicht in eine Schublade zu stecken. Was nicht heißen soll, dass man aus den zahlreichen Aufzeichnungen für die heutige Zeit nichts lernen kann, ganz im Gegenteil. Lesenswert ist die Sammlung in jedem Fall.

 

Info: Das Buch ist im Verlag Puntángeles der Universidad de Playa Ancha erschienen. Bestellungen beim Verlagsleiter Óscar Valenzuela unter E-Mail oscar.valenzuela@upla.cl oder per Telefon 957 46 99 76. Das Buch kostet 9.000 Pesos.

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