100 Jahre Untergang der «Dresden»

Am 14. März 1915 ging der Kreuzer «SMS Dresden» in der Cumberland-Bucht unter. Auf den Tag genau 100 Jahre später gedachten nun Deutsche, Engländer und Chilenen auf der Robinson-Crusoe-Insel diesem Kriegsereignis.

Kranzniederlegung: Melitha Krause, Tochter des Obermatrosen Max Krause, und der deutsche Botschafter Hans Henning Blomeyer-Bartenstein
Kranzniederlegung auf dem Friedhof von Juan-Fernández: Melitha Krause, Tochter des Obermatrosen Max Krause, und der deutsche Botschafter Hans Henning Blomeyer-Bartenstein

Von Arne Dettmann

Mit einer Kranzniederlegung auf dem Friedhof der Robinson-Crusoe-Insel begann die Gedenkfeier, an der die britische Botschafterin Fiona Clouder sowie der deutsche Botschafter Hans Henning Blomeyer-Bartenstein, Nachfahren der deutschen Besatzung der «Dresden», Mitglieder des Deutsch-Chilenischen Bundes sowie der chilenischen Marine als auch Inselbewohner teilnahmen. Die Blumengestecke wurden an dem Grab von drei deutschen Soldaten aufgestellt, die beim Beschuss und der anschließenden Selbstversenkung des Kriegsschiffes damals den Tod fanden. Fünf weitere deutsche Matrosen starben höchstwahrscheinlich ebenfalls bei diesem Ereignis.
Zum geschichtlichen Hintergrund: Die «SMS Dresden», erbaut 1908 auf der Werft Blohm & Voss in Hamburg, beteiligte sich während des Ersten Weltkriegs am 1. November 1914 in chilenischen Gewässern vor der Stadt Coronel an einem Seegefecht, bei dem das britische Geschwader eine bittere Niederlage mit mehr als 1.500 Toten verkraften musste. Die Vergeltung für die erlittene Schmach folgte am 8. Dezember bei einem Seegefecht vor den Falklandinseln, bei der das deutsche Geschwader vernichtend geschlagen wurde – mit einer Ausnahme: der «Dresden».

Die Gedenkfeier fand am Ehrenmal der drei gefallenen deutschen Soldaten der "Dresden" statt.
Die Gedenkfeier fand am Ehrenmal der drei gefallenen deutschen Soldaten der „Dresden“ statt.

Insbesondere dank seines schnellen Turbinenantriebes konnte der Kleine Kreuzer seinen Gegnern im Atlantik entkommen. Nun folgte ein dreimonatiges Katz-und-Mausspiel in den einsamen Buchten und Fjorden Feuerlands bis in den Pazifik. Im März 1915 versteckte sich der Kreuzer in der Cumberland-Bucht der Robinson-Crusoe-Insel, wurde aber letztendlich doch von seinen Verfolgern aufgespürt, die das Feuer eröffneten.
Der deutsche Protest durch den Verhandlungsführer Wilhelm Canaris, dass ein Beschuss in chilenischen Gewässern die Neutralität verletzten würde, beeindruckte die Engländer nicht. Angesichts fehlender Kohlenreserven, angeschlagener Maschinen und einer ausgezehrten Mannschaft sah Kapitän Franz Lüdecke nur noch in einer Selbstversenkung den Ausweg. Nach dem Öffnen der Seeventile und eingeleiteten Explosionen sank die «Dresden» am 14. März 1915 um 11.15 Uhr. Um die gleiche Uhrzeit, 100 Jahre später, erinnerte die Gedenkfeier an das Geschehen.

Beim Beschuss der "Dresden" durch britische Kriegsschiffe trafen einige Granaten auch die Felswand der Küste.
Beim Beschuss der „Dresden“ durch britische Kriegsschiffe trafen einige Granaten auch die Felswand der Küste.
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Einschussloch mit dem Projektil einer 15-cm-Granate

Nach der Zeremonie besichtigte die Abordnung die Felsenküste hinter dem letzten Liegeplatz der «Dresden», in deren Gestein noch einige Granaten aus den Geschützen der britischen Kreuzer stecken. Anschließend begab sich die Delegation auf den zentralen Platz des Inselortes San Juan Bautista, auf dem der deutsche Botschafter feierlich der Gemeinde eine Nachbildung der Schiffsglocke übergab. Das 144 Kilogramm schwere Original war 2006 von deutschen und chilenischen Tauchern aus einer Tiefe von 65 Metern geborgen worden. Nach ihrer Restaurierung im Archäologischen Landesmuseum Schleswig ist sie derzeit im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden zu sehen und soll voraussichtlich 2021 nach Chile zurückkehren. Eine weitere Nachbildung hatte die deutsche Botschaft im Juni vergangenen Jahres an das Marinemuseum in Valparaíso überreicht.

Auf dem Platz der Inselgemeinde San Juan Bautista wird die Glockennachbildung überreicht.
Auf dem Platz der Inselgemeinde San Juan Bautista wird die Glockennachbildung überreicht.

Am folgenden Tag eröffnete der Deutsch-Chilenische Bund auf der Insel die Ausstellung «Wie der Erste Weltkrieg nach Chile kam – das Schicksal des Kleinen Kreuzers SMS Dresden». Die historische Wanderschau hatte ihren Anfang in Santiago genommen und war dann in Punta Arenas, Puerto Montt, Concepción und Valparaíso zu sehen gewesen. Nach DCB-Planungen soll die Ausstellung nun auf der Robinson-Crusoe-Insel verbleiben.
Die 361-Seemeilen lange Fahrt von Valparaíso bis zum Archipel hatten die Inselgäste auf dem Fracht- und Passagiertransporter «Aquiles» unternommen, wofür sich der deutsche Botschafter Hans Henning Blomeyer-Bartenstein bei der chilenischen Marine bedankte. Mit an Bord befand sich auch das 28-köpfige Bläserensemble Riesa aus Dresden, dass zusammen mit dem Orchester der Marineinfanterie für die musikalische Begleitung der Feierlichkeiten sorgte. Die gesamte Veranstaltung war von der Armada de Chile und der deutschen Botschaft unter Mitwirkung der Gemeinde Juan Fernández sowie der Nichtregierungsorganisation Oceana organisiert worden.

 

Das Bläserensemble Riesa aus Dresden sorgte nicht nur bei den Feierlichkeiten für die musikalische Untermalung. Auch an Bord der "Aquiles" spielten die 28 Musiker.
Das Bläserensemble Riesa aus Dresden sorgte nicht nur bei den Feierlichkeiten für die musikalische Untermalung. Auch an Bord der „Aquiles“ spielten die 28 Musiker.
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