Deutsche Zeitung Cóndor – diario alemán Chile http://www.condor.cl Die deutsche Zeitung Cóndor in Chile - diario / periódico alemán Mon, 15 Jan 2018 14:02:07 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.1 https://i1.wp.com/www.condor.cl/wp-content/uploads/2016/11/condor-ave.jpg?fit=32%2C32 Deutsche Zeitung Cóndor – diario alemán Chile http://www.condor.cl 32 32 120365451 Papst Franziskus beginnt Reise nach Chile und Peru http://www.condor.cl/magazin/papst-franziskus-chile-peru/ http://www.condor.cl/magazin/papst-franziskus-chile-peru/#respond Mon, 15 Jan 2018 13:06:06 +0000 http://www.condor.cl/?p=23047 In Chile trifft der Papst Vertreter der indigenen Mapuche. In Peru will er sich für die Erhaltung des Amazonas-Gebietes einsetzen. Unbekannte greifen vor seiner Ankunft Kirchen in Chile an.

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Katholisches Kirchenoberhaupt wird Montagabend in Santiago de Chile erwartet

Papst Franziskus besteigt am 15.01.2018 am Flughafen Leonardo da Vinci International in Fiumicino (Italien) sein Flugzeug. Der Papst bricht zu einer Reise nach Chile und Peru auf. Foto: Gregorio Borgia/AP/dpa
Papst Franziskus besteigt am 15.01.2018 am Flughafen Leonardo da Vinci International in Fiumicino (Italien) sein Flugzeug. Der Papst bricht zu einer Reise nach Chile und Peru auf. Foto: Gregorio Borgia/AP/dpa

In Chile trifft der Papst Vertreter der indigenen Mapuche. In Peru will er sich für die Erhaltung des Amazonas-Gebietes einsetzen. Unbekannte greifen vor seiner Ankunft Kirchen in Chile an.

 

Rom/Santiago de Chile (dpa) – Papst Franziskus ist zu seiner sechsten Reise nach Lateinamerika aufgebrochen, die ihn nach Chile und Peru führen soll. Um 8.55 Uhr am Montag hob der Papstflieger am Flughafen Fiumicino bei Rom ab. Franziskus wird um 20.10 Uhr (Ortszeit) in Santiago de Chile erwartet.

Im Fokus der 22. Auslandsreise des Pontifex stehen Begegnungen mit Indios und Migranten. In Chile trifft Franziskus Vertreter der Mapuche-Indianer, die seit Jahren für die Rückgabe ihrer Ländereien kämpfen. Außerdem will er mit zwei Opfern der Pinochet-Zeit zusammenkommen und in Santiago de Chile ein Armenheim der Kirche besuchen.

In Chile wurden am Wochenende mehrere Brandanschläge gegen Kirchen verübt, bei denen nur geringer Sachschaden entstand. Auf Flugblättern an den Tatorten wurde der Kampf der Mapuche um Ländereien unterstützt und die katholische Kirche angeprangert. Rund 9.000 Sicherheitskräfte sind beim Besuch des Papstes in Santiago de Chile im Einsatz: in der nordchilenischen Stadt Iquique und in Temuco, im Süden des Landes.

Vor Hunderttausenden Gläubigen wird der Papst im Laufe der einwöchigen Reise eine Reihe von Messen feiern. Er wird Perus Präsidenten Pedro Pablo Kuczynski und Chiles scheidende Staatschefin Michelle Bachelet treffen sowie mit Priestern und Seminaristen zusammenkommen.

Karte mit Reiseroute und ausgewählten Terminen des Papstes. Redaktion: C. Wiemann; Grafik: A. Rigamonti

In Peru besucht der Papst von Donnerstag bis Sonntag Lima, das Departement Madre de Dios im Amazonasgebiet, wo illegaler Bergbau die Lebensgrundlage der Indios zerstört, und die nordperuanische Küstenstadt Trujillo.

«Die Kultur des Ausschließens hat immer mehr von uns Besitz ergriffen. Ich will an eurer Freude, eurer Trauer, euren Problemen und Hoffnungen teilhaben. Ich will euch sagen: Ihr seid nicht allein, der Papst ist bei euch», sagte Franziskus in einer Videobotschaft vor Reisebeginn.

«Keine Reise des Papstes ist frei von Schwierigkeiten. Aber die, die Franziskus heute nach Chile und Peru antritt (…), bringt besondere Herausforderungen mit sich», kommentierte am Montag die Zeitung «El Mundo». Die Kirche steht in Lateinamerika unter Druck, Konkurrenz machen ihr vor allem evangelikale Protestanten.

Mehrere Tausend Argentinier reisten am Wochenende über die Anden nach Chile, um den Besuch ihres Landsmannes an der Spitze der katholischen Kirche mitzuerleben. Franziskus hat es seit seiner Amtseinführung bislang vermieden, sein Heimatland zu besuchen.

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Papst Franziskus – Leben und Wirken eines Gottesmannes http://www.condor.cl/magazin/papst-franziskus-leben/ http://www.condor.cl/magazin/papst-franziskus-leben/#respond Mon, 15 Jan 2018 12:25:58 +0000 http://www.condor.cl/?p=23041 Am 13. März 2013, nach dem fünften Wahlgang hinter verschlossenen Türen, erhielt Kardinal Jorge Mario Bergoglio die zur Papsternennung nötige Zweidrittelmehrheit der Stimmen. Der Argentinier nahm die Wahl an und entschied sich für den Namen Franziskus, im Gedenken an den Heiligen Franz von Assisi. Mit Bergoglio übernahm zum ersten Mal ein Amerikaner und ein Angehöriger des Jesuitenordens das hohe Amt.

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Erster Amerikaner und Angehöriger des Jesuitenordens als katholisches Oberhaupt

Der Argentinier Jorge Mario Bergoglio wurde 2013 zum Papst gewählt.
Der Argentinier Jorge Mario Bergoglio wurde 2013 zum Papst gewählt.

 

Am 13. März 2013, nach dem fünften Wahlgang hinter verschlossenen Türen, erhielt Kardinal Jorge Mario Bergoglio die zur Papsternennung nötige Zweidrittelmehrheit der Stimmen. Der Argentinier nahm die Wahl an und entschied sich für den Namen Franziskus, im Gedenken an den Heiligen Franz von Assisi. Mit Bergoglio übernahm zum ersten Mal ein Amerikaner und ein Angehöriger des Jesuitenordens das hohe Amt.

 

Von Walter Krumbach

Die Wahl löste weltweit Erstaunen aus. Zwar hatten seine beiden Vorgänger die Tradition unterbrochen, der Papst müsse Italiener sein, aber ein Pontifex Maximus aus Argentinien stellte doch eine bedeutende Überraschung dar.

Im argentinischen Regierungspalast herrschte alsbald allgemeine Bestürzung. Während der Amtszeit von Präsident Néstor Kirchner und später von dessen Frau Cristina Fernández hatte Bergoglio sich entschieden gegen die Eheschließungen gleichgeschlechtlicher Paare und Abtreibungen ausgesprochen. 2004 warf er in einer Predigt Néstor Kirchner «Exhibitionismus» vor. Als im Jahre 2008 die Agrarunternehmer Argentiniens streikten, führte der Kardinal mit Vertretern der Bauern Besprechungen, worauf er die Präsidentin aufforderte, «eine großzügige Geste» zu vollführen, um den Konflikt zu entspannen, womit er sich erneut mit Cristina anlegte.

Bei seinem Amtsantritt war Cristina zugegen. Die Begrüßung war höflich-distanziert. Die Präsidentin trug ein hochelegantes schwarzes Kleid, eine schicke Kopfbedeckung und schüttelte ihrem Landsmann wiederholt die Hand, während sie auf Franziskus einredete. Am 18. März 2013, fünf Tage nach seiner Wahl, empfing er sie zur Audienz. Während des 20-minütigen Gesprächs und dem darauffolgenden Mittagessen bat Cristina Fernández den Papst, seinen Einfluss geltend zu machen, um mit dem Vereinten Königreich einen Dialog über die diplomatische Krise in Bezug auf die Souveränität der Falklandinseln anzubahnen.

    

Schüler von Carlos Aldunate Lyon

Jorge Mario Bergoglio, Jahrgang 1936, wuchs als ältestes von fünf Kindern in Buenos Aires in einer katholischen Familie auf.

Mit 21, im Jahr 1957, entschied er sich für die Priesterlaufbahn und trat in das Seminar der Stadtgemeinde Villa Devoto ein. Nach zwei Jahren als Jesuiten-Noviziat beendete er sein Studium im Jesuitenjuniorat von Santiago de Chile. Sein Lehrmeister war der herausragende Vertreter der charismatischen Bewegung innerhalb der katholischen Kirche, Carlos Aldunate Lyon.

Zwischen 1964 und 1966 unterrichtete er an zwei Schulen in Buenos Aires Psychologie und Literatur.

Von 1967 bis und 1970 studierte er Theologie. Eine prägende Persönlichkeit war für ihn in diesem Lebensabschnitt der Jesuit Juan Carlos Cannone, Gründer der «Filosofía de la liberación» («Philosophie der Befreiung») und der «Teología del pueblo» («Volkstheologie»), die Bergoglios Weltanschauung tief beeinflussen sollten. Im Dezember 1969, mit knapp 33, wurde er als Priester ordiniert. Sein Tertiat, die dritte und letzte Prüfungszeit eines Jesuiten, absolvierte er in Spanien.

 

Provinzial des Jesuitenordens

Von 1973 bis 1979 übte er das Amt des Provinzials der argentinischen Provinz des Jesuitenordens aus. Von 1980 bis 1986 war er Rektor der Theologischen Fakultät von San Miguel. 1986 reiste er nach Deutschland, um an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen (Frankfurt am Main) zu promovieren. Seine Dissertation ließ er unvollendet.

Bergoglios Verhalten während der argentinischen Militärdiktatur ist umstritten. Zum einen wird er beschuldigt, zwei Priesterkollegen den Behörden ausgeliefert zu haben, und zum anderen heißt es, er habe sich für ihre Freilassung eingesetzt. Ebenso wurde ihm vorgeworfen, er habe vom Raub Neugeborener gewusst, ohne etwas dagegen zu unternehmen.  

1992 ernannte Johannes Paul II. Bergoglio zum Weihbischof von Buenos Aires und zum Titularbischof von Auca. Im Februar 1998 trat er die Nachfolge von Kardinal Quarrancino, des verstorbenen Erzbischofs von Buenos Aires, an.

 

Der Fall Podestá

2001 besuchte er, als einziger katholischer Amtsträger, den ehemaligen Bischof Jerónimo José Podestá. Der Todkranke hatte sich für die Schließung von Priesterehen und Frauenordinationen eingesetzt. Zudem hatte er mit seinen regimekritischen Äußerungen einigen Staub aufgewirbelt. Seine Haltung hatte zur Suspendierung von allen seinen kirchlichen Ämtern geführt. Nach Podestás Tod war Bergoglio wiederum der einzige Vertreter der katholischen Kirche, der die Verdienste des einstigen Bischofs öffentlich würdigte.

Während der schweren Wirtschaftskrise im Jahr 2001 setzte der Erzbischof sich für den sozialen Wiederaufbau ein. Er unterzog die damals aktuellen Konzepte wie Globalisierung und freie Marktwirtschaft harscher Kritik, setzte sich entschieden für das verarmte Volk ein und beeindruckte durch seinen bescheidenen Lebensstil.

 

Kardinal

Im Februar 2001 ernannte Johannes Paul II. Bergoglio zum Kardinal. Im November 2005 wählte die argentinische Bischofskonferenz ihn für drei Jahre zu ihrem Vorsitzenden. 2008 bestätigte sie ihn für eine weitere Amtszeit.

Während der fünften Generalversammlung des CELAM (Rats aller Bischöfe von Lateinamerika und der Karibik) in Aparecida (Brasilien) leitete er die Abfassung des Schlussdokuments, in dem es heißt: «Wir leben im Teil der Welt mit der größten Ungleichheit, der am meisten gewachsen ist und das Elend am wenigsten verringert hat. Die ungerechte Verteilung der Güter dauert an und hat eine Situation der sozialen Sünde entstehen lassen, die zum Himmel schreit und die Möglichkeiten eines erfüllteren Lebens für so viele unserer Brüder begrenzt.»

 

Frischer Wind im Vatikan

Der als medienscheu und wortkarg bekannte Franziskus führte schon kurz, nachdem er den Thron Petri bestiegen hatte, drastische Reformen durch. Den fünf Kardinälen, die die Vatikanbank verwalteten, kürzte er den Jahreszuschuss sowie die Sondergratifikationen für Vatikanangestellte zum Pontifikatswechsel. Er feuerte Nunzio Scarano, der die Güterverwaltung des Apostolischen Stuhls leitete und wegen Geldwäsche- und Korruptionsverdachts verhaftet worden war. Er beauftragte ein Finanzberatungsunternehmen, sämtliche Kundenkontakte der Vatikanbank auf Geldwäsche zu untersuchen.

Ferner ließ Franziskus verlauten, die Evangelisierung setze «apostolischen Eifer» und «kühne Redefreiheit» voraus, damit «die Kirche aus sich selbst herausgeht». Er kritisierte die «kirchliche Selbstbezogenheit» und den «theologischen Narzissmus». Es sei die Aufgabe der Kirche, das Evangelium zu verkündigen, denn Jesus Christus selbst bewege sie dazu.

Franziskus Hauptsorge ist nach wie vor die Bekämpfung der sozialen Ungleichheit. In seinem Lehrschreiben «Evangelii Gaudium» («Freude am Evangelium») nimmt er unmissverständlich zur freien Marktwirtschaft Stellung: «Diese Wirtschaft tötet.» Anschließend bekräftigt er seine Auffassung mit vier verneinenden Aussagen: «Nein zu einer Wirtschaft der Ausschließung», «nein zur neuen Vergötterung des Geldes», «nein zu einem Geld, das regiert, statt zu dienen» und «nein zur sozialen Ungleichheit, die Gewalt hervorbringt.»

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Papst Franziskus besucht Chile http://www.condor.cl/magazin/papst-franziskus-chile/ http://www.condor.cl/magazin/papst-franziskus-chile/#respond Fri, 12 Jan 2018 16:32:24 +0000 http://www.condor.cl/?p=23031 Drei Städte wird Papst Franziskus während seiner apostolischen Reise nach Chile zwischen dem 15. und dem 18. Januar besuchen: Santiago, Temuco und Iquique.

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Katholisches Kirchenoberhaupt aus Rom wird am 15. Januar erwartet

Papst Franzikus ist nach Johannes Paul II. das zweite Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche, das chilenischen Boden betritt.
Papst Franzikus ist nach Johannes Paul II. das zweite Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche, das chilenischen Boden betritt.

 

In Santiago sind Zusammenkünfte mit der Staatspräsidentin Michelle Bachelet, sowie mit dem Diplomatischen Corps vorgesehen. Im Parque O’Higgins wird Franziskus Messe halten, danach ein Frauengefängnis besuchen, sich mit Geistlichen treffen und die Weihestätte des Paters Alberto Hurtado besichtigen.

In Temuco hält der Papst am 17. eine Messe auf dem Flughafen Maquehue ab. Anschließend wird er sich mit Araukanern zu einem gemeinsamen Mittagessen treffen. Am gleichen Nachmittag erfolgt die Rückreise nach Santiago, nach der Franziskus auf der Weihestätte in Maipú eine Zusammenkunft mit Jugendlichen haben wird. Am Abend wird er der Pontificia Universidad Católica de Chile einen Besuch abstatten.
Für den 19. ist seine Reise nach Iquique vorgesehen. In der nördlichen Stadt wird Franziskus auf dem Campus Lobito eine Messe zelebrieren. Anschließend steht ein gemeinsames Mittagessen in der Casa de Retiro del Santuario de Nuestra Señora de Lourdes mit dem päpstlichen Gefolge auf dem Programm. Danach begibt der Gast sich auf den Flughafen, um gegen 17 Uhr in Richtung Lima abzufliegen.

800.000 Argentinier zu Papst-Besuch in Chile

Zum sechsten Mal reist Papst Franziskus nach Lateinamerika, zum sechsten Mal nicht in sein Heimatland nach Argentinien. Daher wird sich eine «Blechlawine» über die Anden nach Chile in Bewegung setzen.

 

Buenos Aires (dpa) – Die argentinischen Grenzbehörden rechnen mit bis zu 800.000 Gläubigen, die zum Besuch von Papst Franziskus Mitte Januar über die Anden in das Nachbarland Chile pilgern werden. Das teilte die Provinzregierung von Mendoza mit. Es würden zur Bewältigung des Ansturms von Autos und Bussen entlang der Strecke sieben Gesundheitsposten errichtet, 300 Polizisten seien im Einsatz.

Auch auf seiner sechsten Lateinamerikareise besucht der Papst nicht sein Heimatland Argentinien. Vom 15. bis 18. Januar ist er im benachbarten Chile und feiert mehrere Messen, danach bis zum 21. Januar in Peru. Es wird erwartet, dass ein Thema auch die schwierige Lage der indigenen Minderheiten sein wird. In Chile kämpfen die Mapuche für eine Landrückgabe, in Peru fühlen sich Ureinwohner im Amazonasgebiet durch die dramatische Zunahme illegaler Goldminen und damit verbundene Verseuchung von Flüssen in der Existenz bedroht.

Vor 60 Jahren war der heute 81 Jahre alte Jorge Bergoglio dem Jesuitenorden beigetreten und hatte zeitweise auch in Chile studiert (siehe Seite 16 in dieser Ausgabe). Als Papst war der frühere Erzbischof von Buenos Aires seit 2013 in Lateinamerika bisher in Brasilien, Ecuador, Bolivien, Paraguay, Kuba, Mexiko und Kolumbien – nun folgen in Kürze Peru und Chile.

Dass Franziskus einen Bogen um seine Heimat macht, dafür gibt es mehrere Mutmaßungen in Argentinien. Zum einen wolle er nicht zum Spielball der argentinischen Innenpolitik werden und von Präsident Mauricio Macri oder seiner linken Widersacherin, Ex-Präsidentin und Vorgängerin Cristina Kirchner, vereinnahmt werden. Diese war ihm als Präsidentin im Jahr 2015 sogar bis nach Kuba hinterhergereist. Zudem soll Franziskus Macri nicht verziehen haben, dass dieser als damaliger Bürgermeister von Buenos Aires keine Berufung gegen ein Urteil eingelegt hatte, mit dem die Homo-Ehe in Buenos Aires genehmigt wurde – das Erzbistum kritisierte das öffentlich. Zudem soll er einen unzureichenden Einsatz Macris für Arme kritisieren.

 

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Empfehlenswerte Klassikeinspielungen – Januar 2018 http://www.condor.cl/musik/empfehlenswerte-klassikeinspielungen-januar-2018/ http://www.condor.cl/musik/empfehlenswerte-klassikeinspielungen-januar-2018/#respond Thu, 11 Jan 2018 14:21:17 +0000 http://www.condor.cl/?p=23021 Zusammenstellung: Walter Krumbach     Niccolò Paganini: 24 Capricen Augustin Hadelich, Violine Warner Classics, 1 CD. Erscheint am 12. Januar 2018.   Augustin Hadelich (1984), ist Italiener, Sohn deutscher Eltern. Er gewann 2015 den Warner Musikpreis. Mit der vorliegenden Einspielung wagt er sich an eines der technisch kniffligsten Werke der […]

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Zusammenstellung: Walter Krumbach

 

 

Niccolò Paganini: 24 Capricen

Augustin Hadelich, Violine

Warner Classics, 1 CD.

Erscheint am 12. Januar 2018.

 

Augustin Hadelich (1984), ist Italiener, Sohn deutscher Eltern. Er gewann 2015 den Warner Musikpreis. Mit der vorliegenden Einspielung wagt er sich an eines der technisch kniffligsten Werke der gesamten Literatur für Geige solo heran.  

 

Jean-Marie Leclair: Sechs Sonaten für Streicher, op. 4

Musica Alta Ripa

MDG, 1 CD.

Erscheint am 12. Januar 2018.

 

Neuauflage der preisgekrönten Einspielung. Das Ensemble Alta Ripa aus Hannover entstand 1984. Es spezialisiert sich auf Barockmusik, die es mittels historischen Instrumenten auf der Suche nach dem authentischen Klangbild wiedergibt.

 

Neujahrskonzert 2018 der Wiener Philharmoniker

Wiener Philharmoniker/Riccardo Muti

Sony Classics, 1 Blu-Ray-Disc, 1 DVD, 2 CDs, 2 Vinyl.

Erscheint Mitte Januar 2018.

 

Bereits zwei Wochen nachdem im Musikvereinssaal der letzte Applaus verklungen ist, sollen die Platten des Neujahrskonzerts der Wiener Philharmoniker auf dem Markt sein. Diesmal sind außer Werken der Strauß-Dynastie Kompositionen von Franz von Suppé und Alphons Czibulka auf dem Programm.     

 

Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 1 C-Dur, «Der Titan»

Gewandhausorchester Leipzig/Riccardo Chailly

Accentus Music, 1 Blu-Ray-Disc.

Erscheint am 12. Januar 2018.

 

Ein weiteres Kapitel in der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen dem Gewandhausorchester und Riccardo Chailly. Dementsprechend hoch sind die Erwartungen zu dieser neuen Einspielung.      

 

Johann Joachim Quantz: Konzerte und Sonaten für Blockflöte

Stefano Bagliano (Blockflöte), Collegium Pro Musica

Brilliant Classics, 1 CD.

Erscheint am 19. Januar 2018.

 

Über 300 Flötenkonzerte schrieb Quantz während seines 32jährigen Aufenthalts am Potsdamer Hof, wo er Friedrich den Großen im Flötenspiel unterwies. Der herausragende italienische Musiker Stefano Bagliano zeigt in der neuen Aufnahme vier Stücke für Blockflöte und Kammerensemble, in denen die melodische Erfindungsgabe und die Virtuosität eindeutig das Sagen haben.     

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Stadtrundgang durch das historische Zentrum von Santiago de Chile http://www.condor.cl/magazin/stadtrundgang/ http://www.condor.cl/magazin/stadtrundgang/#respond Thu, 11 Jan 2018 14:09:48 +0000 http://www.condor.cl/?p=23013 Ohne Reiseführer, aber mit viel Neugier bin ich im Zentrum Santiagos auf Entdeckungstour gegangen.

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Entdeckungstour ohne Reiseführer, aber mit viel Neugier

Reste der Festungsanlagen auf dem Cerro Santa Lucía im historischen Zentrum von Santiago de Chile
Reste der Festungsanlagen auf dem Cerro Santa Lucía im historischen Zentrum von Santiago de Chile

 

Von Michael Köbrich

Den Anfang meiner Laufstrecke machte ich beim zentral gelegenen Cerro Santa Lucia. Laut Gemeindeinfo der meistbesuchte Park in Santiago. Der Name bezieht sich auf eine blinde Heilige.

Der Santa Lucía, eine künstlich angelegte Grünfläche im Stadtkern, ist nicht sehr groß und leicht überschaubar. Ein guter Start ergibt sich von der Alameda Bernardo O´Higgins aus, wo sich ein schönes Barockportal mit dem prunkvollen Neptunspringbrunnen befindet. Auf diesem Berg wurde Santiago vor weniger als 500 Jahren vom spanischen Eroberer Pedro de Valdivia gegründet (1541).

Dieser Ort war für lange Zeit nur eine unbeachtete Felsgruppe, die die östliche Grenze der Stadt festsetzte. Auf der Spitze befand sich eine kleine Festung mit Verteidigungsanlagen aus den Jahren der Freiheitskämpfe gegen die spanische Krone. Diese mussten aber nie eingesetzt werden und sind heute noch teilweise erhalten.

Dieses Panorama änderte sich Ende des 19. Jahrhundert, als ein junger und tatkräftiger Bürger dieser Stadt, später auch angesehener Politiker und Stadtgouverneur, Benjamín Vicuña Mackenna, diesen verachteten Ort mit viel Aufwand und persönlichem Engagement in einen Park im französischem Stil verwandelte. Die Stadtmodernisierung war fällig und die feine Gesellschaft jener Zeit brauchte ein Standort für ihren Zeitvertreib.

Der Anfang um 1870 war sehr aufwändig, da Sträflinge viel Erde anschaffen mussten, um die vielen Felsen und Brocken aufzufüllen. Heutzutage findet man einen gepflegten Hügelpark mit viel Grün vor: Verschiedene Baumarten, Büsche und Blumenbeete, aber auch viele Treppen und Spazierwege, auf denen man bis zur Spitze hochlaufen kann, wo man in ungefähr 80 Meter Höhe auf die Reste der kleinen Festung stößt. Wenn die Luftverschmutzung nicht zu stark ist, wird man mit einer guten Aussicht auf Santiago belohnt.

Auf halber Höhe befindet sich die Caupolicán-Terrasse, ein ausgedehnter Aufenthaltsplatz, wo es auch einmal ein Café und Restaurant gab. Dieser Platz sollte von den Damen der Oberschicht leicht zu erreichen sein, weshalb ein Spazierweg ohne Stufen angelegt wurde, um die langen und empfindlichen Kleider zu schützen. Der «Subida Las Niñas» ist aber momentan nicht zugänglich, da er vom letzten Erdbeben stark beschädigt wurde.

 

Kanonenknall und alte Gräber

Es gibt noch andere Sehenswürdigkeiten wie das Castillo Manuel Hidalgo, eine alte Kaserne, früher auch eine Haftanstalt und bis vor zwei Jahren ein Eventcenter. Es ist leider nicht zu besichtigen. Hier muss die Stadtgemeinde über die Zukunft dieser Einrichtung eine Entscheidung treffen: entweder ein Stadtmuseum oder Restaurant. Übrigens: Sogar eine Sternwarte gab es hier oben einmal.

Einzigartig ist der tägliche 12-Uhr-Kanonenknall! Aus Umweltgründen wurde er gelegentlich eingestellt, doch diejenigen, die ihn abschaffen wollten, haben letztlich auch ein Wiedereinstellen gefordert. Es ist schon eine laute Gewohnheit, nach der man die Uhr stellen kann. So etwas ist im Digitalalter nicht mehr nötig, doch vor 100 Jahren, schien es angebracht zu sein.

Besonders aufgefallen sind mir auch zwei Denkmäler. Auf beiden sind klassische Frauenfiguren zu erkennen. Unter alten Akazien und Pfefferbäumen auf der Ostseite des Berges erkennt man eine dieser Statuen als den «Heimatlosen und Ungläubigen» gewidmet. Auf den ersten Blick scheint das nichts Sonderbares zu sein, doch hier wurden auch einige Protestanten – «Seelenlose» in der damaligen Zeit – und alle, die in Ungnade gefallen waren, unrechtsmäßig begraben. Für sie gab es seitens der katholischen Kirche kein Platz auf dem öffentlichen Stadtfriedhof Cementerio General. Bei Renovierungsarbeiten des Santa Lucía sind auf dieser Bergflanke auch mehrere Gräber gefunden worden.

Auf der Plakette des zweiten Frauendenkmals, das sich auf der Südostseite längs der Alameda B. O`Higgins befindet, kann man Folgendes lesen: «Dankspende des Deutschen Volkes 1951» (auf Spanisch: Tributo de Gratitud del Pueblo Alemán). Schwer zu erfahren, um was für eine Dankspende es hier ging.

Außergewöhnlich und nicht zu übersehen ist die Statue, die dem heldenhaften Mapuche-Häuptling Caupolicán gewidmet ist. Er sieht aber ganz wie ein Mohikaner aus, der gar nicht in die chilenische Geschichte passt und eher eine Beleidung für diese Volksgemeinschaft ist. Ein unglaublicher Fehler, der heute wohl den Wenigsten auffällt. Ein Fremdenführer behauptete sogar, dass man im Central Park von New York angeblich die gleiche Statue finden kann.

Stolzer Mapuche-Krieger oder Mohikaner-Abklatsch? Caupolicán-Statue auf dem Cerro Santa Lucía
Stolzer Mapuche-Krieger oder Mohikaner-Abklatsch? Caupolicán-Statue auf dem Cerro Santa Lucía

Auch der spanische Eroberer Pedro de Valdivia ist hier aufgestellt. Sein Gesicht fällt nicht besonders auf, doch nach geschichtlichen Recherchen gibt es von ihm weder Porträt noch sonstige Beschreibungen. Es wurde ihm schlicht und einfach das Gesicht vom Don Quijote zugefügt, eine Hauptfigur der spanischen Literatur.

 

Das Barrio Lastarria

Vom Nordeingang aus (Straße Merced Ecke José Manuel de la Barra) laufe ich weiter in Richtung Osten, um zum benachbarten Viertel Barrio Lastarria zu gelangen.

Dieses Künstlerviertel besteht aus einer etwas ruhigeren Hauptstraße (Jose Victorino Lastarria), die sich von der Alameda B. O´Higgins bis nach Merced erstreckt und zum Teil auch Fußgängerzone ist, plus ein paar Querstraßen, in die man hineinschauen sollte, um versteckte Cafés zu finden. Man bewegt in einer Umgebung mit anregenden Restaurants und Kneipen.

Im Mittelpunkt der Nachbarschaft befindet sich die Kirche Iglesia de la Vera Cruz, eine moderne Kunstgalerie (Mavi), das Kino «El Biógrafo» und der Platz Pintor Mulato Gil de Castro. Ein Trödelmarkt mit viel Sammelsurium ist auch an einigen Tagen präsent.

Cafés, Restaurants und ein wenig Bohème-Flair: das Barrio Lastarria in Santiago de Chile
Cafés, Restaurants und ein wenig Bohème-Flair: das Barrio Lastarria in Santiago de Chile

Die Fassaden und Häuser vermischen Stile und Bauarten. Etwas französischer Stil, ein Hauch von Neoklassik und die Moderne aus den 60er Jahren. Ein namhafter Architekt früherer Jahre, Luciano Kulsewski, hat auch mehrere Häuser in Lastarria entworfen. Sie sind unverkennbar und verschönern den Anblick. Hier lohnt sich unbedingt ein abendlicher Bummel, um das lockere Ambiente zu genießen. Und wenn es mal zu spät werden sollte, gibt es auch genügend Hotels in der Gegend.

Zurzeit wird an einigen Ecken das Straßenpflaster renoviert, was das Schlendern etwas erschwert. Auffällig sind Plakate, die an verschiedenen Wohnungen hängen und um die notwendige Nachtruhe plädieren! (Gracias por bajar el volumen; vecinos descansando!) Fazit: Wir leben in einer lauten und rücksichtslosen Stadt!

Gleich nebenan in Sichtweite liegt das Centro Cultural Gabriela Mistral, von Lastarria schnell zu erreichen. Dieses ist das größte Kulturzentrum der Hauptstadt, wo es ständig was zu sehen, zu hören und zu kosten gibt. Bekannt unter der Abkürzung GAM sind andauernd Ausstellungen zu bewundern. Hier wird demnächst ein beachtliches Theater eingeweiht, ein neues Kulturgut für die Metropole, die schon einiges auf diesem Gebiet vorzeigen kann.

 

Der Parque Forestal

Von Lastarria gelange ich schnell zum bekannten Parque Forestal Rubén Darío, ein bedeutender Dichter aus Nicaragua, der auch in Chile gelebt und geschrieben hat. Diese Grünfläche dehnt sich von Plaza Italia bis zum Knotenpunkt Estación Mapocho aus und ist circa zwei Kilometer lang und breit genug, um sich dort angenehm aufzuhalten und dem Stadtlärm zu entrinnen.

Auf Höhe der José M. de la Barra liegt das Nationale Museum der Schönen Künste, auf Spanisch Museo de Bellas Artes, ganz im französischen Stil gebaut. Es gleicht in verkleinerter Kopie dem Petit Palais Museum in Paris. Hier gab es sogar einen Teich, der gut in den Park passte, aber wegen Verschmutzung das Jahrhundert nicht überlebte. So ein übler Mief hat nicht in diese schicke Umgebung gepasst, in der heute die vielen Art-déco-Gebäude renoviert wurden und gepflegt aussehen. Dieses Viertel ist eine gehobene Wohngegend.

Das Museo de Bellas Artes im Parque Forestal
Das Museo de Bellas Artes im Parque Forestal

Von der José Manuel de la Barra gelangt man auf die nahe gelegene Straße Mosqueto. Hier fällt eine groß bemalte Fläche mit einem kunstvollen Frauenporträt ganz besonders auf. Am Eingang zur Metro-Station Bellas Artes beeindrucken auch zwei bunte Grafittigesichter als Ausdruck von Straßenkunst.

 

Die Plaza de Armas

Ich ziehe weiter in Richtung Stadtzentrum zur Plaza de Armas, ein «Waffenplatz» aus der spanischen Gründerzeit, zu Fuß nicht weit entfernt vom Santa Lucía. Es ist der zentrale Treffpunkt der Metropole, umringt von Kathedrale, Rathaus, Postgebäude und ein Museum für Landesgeschichte.

Renovierungsbedürftige Arkadengallerien voll mit Imbissbuden und sonstigen Billigläden ergänzen den Rahmen dieses Ortes. Hier nimmt auch in Richtung Süden die erste Fußgängerzone Santiagos aus den 70er Jahren ihren Anfang, der Paseo Ahumada, eine Akazienallee. Viele belebte und interessante Galerien mit einer Vielfalt von Läden liegen zur linken und rechten Hand.

Keimzelle der spanischen Kolonisationszeit: die Plaza de Armas; im Hintergrund die Kathedrale
Keimzelle der spanischen Kolonisationszeit: die Plaza de Armas; im Hintergrund die Kathedrale

In diesem Umkreis tummeln sich viele Menschen aus anderen Ländern, lebhaft, laut und gesprächig; eine Atmosphäre als ein Ergebnis einer steigenden Migration nach Chile. Die Gesellschaft wandelt sich, und das ist ein unbestrittenes Zeichen dieser Zeit. So etwas spiegelt sich im Stadtbild wider, und so entsteht zum Beispiel «Klein Lima», eine Welt für sich gleich neben der Kathedrale. Hier ist alles zu finden, was diese Landesbürger benötigen, wie zum Beispiel eine schnelle Zahnbehandlung bis zu billigen Flugtickets nach Peru. Ein reichhaltiges Gastroangebot gehört auch dazu.

Die Kathedrale und benachbarte historischen Gebäude sind immer zu besichtigen, und ein Blick ins Innere lohnt sich genauso wie ein amüsanter Plazatrip. Ganz in der Nähe befindet sich auch das gut erhaltene neoklassische Gebäude des ehemaligen Landesparlament, der Congreso Nacional, ein stilvoller, Bau der an die ersten Jahre der Republik erinnert.

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Zu Gletschern und Walen am Ende der Welt http://www.condor.cl/magazin/parque-francisco-coloane/ http://www.condor.cl/magazin/parque-francisco-coloane/#respond Tue, 09 Jan 2018 18:56:35 +0000 http://www.condor.cl/?p=22997 Im südchilenischen Parque marino Francisco Coloane kann der Besucher hautnah Meeresriesen beobachten und dabei ein Whiskey mit Gletschereis genießen.

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Ganz im Süden von Chile: Erlebnistour in der Magellanstraße

Magellanstraße, Chile: Wände mal nicht aus Beton, sondern aus beeindruckenden Eismassen.
Magellanstraße, Chile: Wände mal nicht aus Beton, sondern aus beeindruckenden Eismassen.

 

Im südchilenischen Parque marino Francisco Coloane kann der Besucher hautnah Meeresriesen beobachten und dabei ein Whiskey mit Gletschereis genießen.

 

Von Fritz Meinardus

Die Reise beginnt in Punta Arenas, wo wir nachmittags von unserem Hotel abgeholt werden. Die Fahrt geht nach Süden in Richtung Fuerte Bulnes, vorbei an einer endlosen Reihe alter, ausgedienter Fischkutter. Nach 50 Kilometer erreichen wir den Ankerplatz der «Forrest». In Schlauchbooten werden wir an Bord gebracht und mit einem Willkommenstrunk empfangen.

Bald wird der Anker gelichtet. Es geht die Magellanstraße entlang, vorbei am südlichsten Punkt des Kontinents, dem Kap Froward. In der Abenddämmerung ist noch das Kreuz zu erkennen, das dort auf hohem Fels steht. In der Nacht rattert irgendwann die Ankerkette und der Motor wird abgestellt. Die «Forrest» ist ein älterer Kahn, Baujahr 1967 aus Schottland, verkehrte ehemals bei den Falkkandinseln. Der Motor ist noch der ursprüngliche. Die Inneneinrichtung ist bequem und modernisiert, Verpflegung und Bedienung sehr gut. 20 Passagiere haben Platz, wir sind nur 12 Personen.

 

Whiskey mit Gletschereis

Am nächsten Morgen sehen wir bald die Fontäne eines Wales. Es geht jedoch zunächst in einen Fjord der Insel Santa Inés hinein, an dessen Ende zwei Gletscher ins Meer münden. Wir treffen auf die ersten Eisschollen und sehen die Gletscher vor uns, eingerahmt von hohen Bergen. Nach einem trüben Morgen kommt die Sonne durch und lässt das Eis besonders blau leuchten.

Mit dem Schiff geht es durch die Magellanstraße zum Parque Marino Franciso Coloane, wo Wale beobachtet werden können.
Mit dem Schiff geht es durch die Magellanstraße zum Parque Marino Franciso Coloane, wo Wale beobachtet werden können.

Der Eindruck der Eismauer ist gewaltig. Es kracht, eine Welle kommt bis an das Schiff heran. Am kleineren Gletscher werden wir ausgebootet und können uns vor dem Eis die Füße vertreten. Tradition ist, einen Whisky mit Gletschereis zu trinken, was wir uns natürlich nicht nehmen lassen.

Es geht danach zurück in breiteres Gewässer. An den Steilhängen des Fjords nisten unzählige Kormorane. Zwei Kondore sitzen auch da und erheben sich, als wir uns ihnen nähern.

 

Erkennungsmerkmal Schwanzflosse

Der Nachmittag wird der Walbesichtigung gewidmet. Der Kapitän steuert geduldig viele Runden, um ihnen möglichst nahe zu kommen. Es sind Buckelwale, die wir hier antreffen. Sie werden bis zu 18 Meter lang und 20 Tonnen schwer. Sie kommen von weit her, aus dem Pazifik vor Ecuador, Kolumbien oder Panama. Die meisten ziehen bis in die Antarktis, wo sie reichlich Nahrung vorfinden. Einige sparen sich den weiteren langen Weg und bleiben hier am Südzipfel des Kontinents.

Auf ihrem Weg von Ecuador und Kolumbien ziehen die Wale am Südzipfel des amerikanischen Kontinents vorbei.
Auf ihrem Weg von Ecuador und Kolumbien ziehen die Wale am Südzipfel des amerikanischen Kontinents vorbei.

Ihr Auftauchen wird durch eine hohe, sprühende Fontäne und einem fauchenden Geräusch angekündigt. Nach wenigen Atemzügen tauchen sie wieder ab. Dabei machen sie einen Buckel, daher ihr Name. Die Schwanzflosse (Fluke) kommt dann ganz aus dem Wasser. Bei jedem Wal sieht sie verschieden aus und dient als Erkennungsmal. Der Reiseführer zeigt uns ein Album mit Bildern von über 80 Fluken.

 

Ein Festschmaus für Tiere

Die «Forrest» macht nicht nur Touristenfahrten, sondern wird auch zur Meeresforschung angeheuert. Das Gebiet ist geschützt durch Fangverbot. Es gehört zum Seepark Francisco Coloane. Neben uns, auf der Insel Carlos III, steht eine Hütte mit einem Beobachtungsplatz für Wale. Es treffen sich hier Strömungen des Pazifiks mit denen des Atlantiks und bilden starke Wirbel, die Nahrung mitbringen. Ein Sardinenschwarm in unserer Nähe lockt die verschiedensten Seevögel an, ein unglaubliches Spektakel beginnt. Kormorane, Skuas, Albatrosse, Petreles und Magellanpinguine halten einen Festschmaus.

Noch in der Nacht fährt die «Forrest» zurück und geht an unserem Ausgangspunkt vor Anker. Nach dem Frühstück an Bord werden wir an Land gebracht.

Unser Aufenthalt in Punta Arenas endet mit Stadt- und Museumsbesuchen. Da gibt es viel zu sehen und zu erfahren, zum Beispiel im Museo Naval eine Seekarte, in der die über 150 gestrandeten und gesunkenen Schiffe um Kap Hoorn und in der Magellanstraße verzeichnet sind. Oder das Freilichtmuseum de la Patagonia, der ungewöhnlich prächtige Friedhof, die Nachbauten der bekanntesten Schiffe der Entdeckungsfahrten der Gegend, von Magellan bis Shackleton.

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Literaturtipp «El señor Presidente» von Miguel Ángel Asturias http://www.condor.cl/kultur/miguel-angel-asturias/ http://www.condor.cl/kultur/miguel-angel-asturias/#respond Mon, 08 Jan 2018 18:36:24 +0000 http://www.condor.cl/?p=22993 In dem lateinamerikanischen Klassiker «El señor Presidente» schildert Literaturnobelpreisträger Miguel Ángel Asturias die Mechanismen und Auswirkungen von Diktaturen.

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Wo alle Angst vor einem haben

Miguel Ángel Asturias wurde in Guatemala geboren, lebte aber als Diplomat viele Jahre im Ausland. 1967 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.
Miguel Ángel Asturias wurde in Guatemala geboren, lebte aber als Diplomat viele Jahre im Ausland. 1967 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.

 

In dem lateinamerikanischen Klassiker «El señor Presidente» schildert Literaturnobelpreisträger Miguel Ángel Asturias die Mechanismen und Auswirkungen von Diktaturen.

 

Von Arne Dettmann

Wütende Generäle, die mit Panzern und Soldaten eisern das eigene Volk unterjochen; und selbstherrliche Autokraten, die ihr Land ausbluten lassen, während sie selbst in Saus und Braus leben: Solche Schreckensherrschaften gehören offenbar immer mehr der Vergangenheit an. Zu diesem Schluss kommt jedenfalls das Center for Systemic Peace in den USA.

Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges hätte es demnach weltweit 225 bewaffnete Staatsputsche gegeben und immerhin 328 weitere, die allerdings fehlschlugen. Am meisten wurden die Regierungsmauern in den 60er bis 80er Jahren gestürmt, seitdem ist ein Rückgang zu verzeichnen. Die Globalisierung sowie die Unterstützung demokratischer Strukturen durch die USA, die EU und den Vereinten Nationen würde es machtlüsternen Tyrannen zunehmend schwerer machen, die Macht an sich zu reißen.
 

Staatliche Willkür und Gewalt

Was allerdings passiert, wenn sich ein Diktator erst einmal eingenistet hat, beschrieb der Schriftsteller Miguel Ángel Asturias (1899–1974) schon vor fast 100 Jahren am Beispiel seiner Heimat Guatemala. Staatliche Willkür und Gewalt, Entrechtung der Bürger sowie Bespitzelung in einer beklemmenden Atmosphäre, wo sich alle vor einem fürchten und einer vor allen, prägen das Bild in dem Klassiker «El señor Presidente» (deutscher Titel: «Der Herr Präsident»).

Und dass Asturias sein Werk bereits 1920 begann, aber aufgrund der strikten Zensur in Guatemala erst 1946 in Mexiko veröffentlichte, ist ein weiteres Merkmal von autokratischen Herrschaften: die Abschaffung der Pressefreiheit.

Als Vorbild für seinen unberechenbaren Despoten im Buch taugte Manuel Estrada Cabrera, der von 1898 bis 1920 Guatemala regierte. Wahlfälschung, Ausschaltung der Opposition – darunter auch Exekutionen – sowie Folter im Gefängnis ermöglichten seinen Machterhalt. Auch der Protagonist in Asturias Werk bekommt die Willkür des Präsidenten, der nie mit Namen genannt wird und somit als Muster für andere Diktatoren herhalten kann, zu spüren: Zunächst noch der Günstling des Präsidenten, endet er schließlich als anonymer Gefangener in Zelle 17 und stirbt an den unmenschlichen Bedingungen seiner Haft.
 

Caudillos und Diktatoren in Lateinamerika

Mit «El señor Presidente» schuf Asturias in Lateinamerika nicht nur das neue Genre der sogenannten Diktatorenromans, der sich speziell mit den Mechanismen des Caudillismo und seinen Auswirkungen auf die Gesellschaft beschäftigt. Der Autor gehört auch zu den ersten, die die Stilmittel des Magischen Realismus anwendeten. Traumbilder verschwimmen mit der Wirklichkeit, Gedanken und Geräusche werden laut ausgeschrieben, Textgattungen wechseln sich abrupt ab – die Entfremdung des Menschen in einer Diktatur wird dem Leser auch gefühlsmäßig über die Buchstaben vermittelt. Für seinen virtuosen Einsatz von Sprache erhielt Asturias 1967 den Nobelpreis in Literatur.

Trotz des schriftstellerisch hohen Niveaus beschreibt Asturias das Grauen oftmals ohne Umschweife. Ein Bettler wird beim Verhör zu Tode gefoltert, einer gefangen genommenen Mutter stirbt das Baby, nachdem die Soldaten ihre Brüste mit Kalk beschmiert haben, so dass der Säugling nicht mehr die Brust nimmt. Verzweiflung macht sich bis zur letzten Zeile breit. Ist eine solche plastische Anklage vielleicht übertrieben?

Wohl kaum. Zwei Jahrzehnte lang – von 1965 bis 1985 – dominierten Militärdiktaturen Lateinamerika. Fast alle Länder der Region wurden autoritär regiert. Und so kann der Leser am Ende der Lektüre zur Erkenntnis gelangen, dass die heutigen Demokratien – mögen sie auch noch so langsam arbeiten und mit vielen Mängeln behaftet seien – doch immer noch einem Staatsterrorismus vorzuziehen sind.

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Cóndor-Interview: Loretta Nass Lüer http://www.condor.cl/portrat/loretta-nass-lueer/ http://www.condor.cl/portrat/loretta-nass-lueer/#respond Mon, 08 Jan 2018 17:59:01 +0000 http://www.condor.cl/?p=22986 Loretta Nass Lüer ist 59 Jahre alt und stammt gebürtig aus Valdivia. Sie ist Chiles bekannteste Toningenieurin mit 32 Jahren selbstständiger Arbeit mit nationalen und internationalen Orchestern, Sängern und Solisten.

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Loretta Nass Lüer
Loretta Nass Lüer

Alter und Geburtsort: 59, Valdivia

Familienstand:ledig, aber nicht allein

Werdegang, Beruf und derzeitige Tätigkeit: 32 Jahre, Toningenieurin, selbstständige Arbeit mit nationalen und internationalen Orchestern, Sänger und Solisten.

Hobbys: mein Beruf, Schreiben

 

Was wollten Sie als Kind werden?
Musikalsängerin und Tänzerin

 

Wenn Sie wieder auf die Welt kämen, würden Sie den gleichen Beruf ergreifen?
Nein, es ist zu schwer Familie und Freunde zu behalten

 

Wer war und ist Ihr Vorbild?
Die Arbeit der Tonmeister in Deutschland, mit denen ich acht Jahre zusammen gearbeitet habe.

 

Wofür sind Sie Ihren Eltern dankbar?
Meiner Mami für ihre unendliche Liebe, Lust auf Reisen, eine positive Einstellung im Leben, Musik

 

Was war Ihr schlechtestes Schulfach?
Chemie

 

Was macht Sie glücklich?
Ein Fahrradtour oder Pferdereiten in der Natur

 

Was macht Ihnen Angst?
Feuer

 

Worauf könnten Sie verzichten?
Auf eine Mall

 

Was ist Ihnen peinlich?
Mich lächerlich zu machen

 

Wen beneiden Sie?
Meine Katze

 

Mit wem würden Sie nie tauschen wollen?
Mit einem Politiker

 

Wen würden Sie gerne einmal treffen?
George Clooney

 

Was würden Sie niemals tun?
Graffiti

 

Was regt Sie auf?
Eine Lüge in einer Familie

 

Was ertragen Sie mit Humor?
Von der Vergangenheit unter Freunden zu plaudern.

 

Über welche eigenen Schwächen ärgern Sie sich?
Kann Routine nicht haben. Anfangen zu rauchen nach sieben Jahren Pause.

 

Weshalb würden Sie nie aus Chile auswandern?
Wer sagt das?

 

Wenn Sie einen Tag Präsident wären, was würden Sie ändern?
Die Erziehung. Die Schüler sollen voll- und anständige Bürger werden, nicht nur Kenntnisse bekommen.

 

Was sollten die Chilenen ernster nehmen?
Arbeit, Qualität und Respekt vor anderen.

 

Welches Buch lesen Sie gerade?
«Bin ich zu laut? Erinnerungen eines Begleiters» von Gerald Moore

 

Was ist Ihr Lieblingsgericht?
Austern mit Champagner

 

Was machen Sie am liebsten in Ihrer Freizeit?
Tanzen und in der Natur spazieren gehen

 

Bei welchem Film haben Sie geweint?
«Always Alice» und viele andere. Ich weine oft, Gott sei Dank!

 

Welchen Männertyp finden Sie anziehend?
Ein guter Tänzer

 

Wem wollten Sie schon lange ein Kompliment machen?
Madonna

 

Was sollte Ihnen später einmal nachgesagt werden?
Sie hat viel für Musik und Kultur geschaffen.

 

Wie lautet Ihr Lebensmotto?
Heute, heute, nur nicht morgen

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Rapa Nui – wirklich der Nabel der Welt? http://www.condor.cl/magazin/osterinsel/ http://www.condor.cl/magazin/osterinsel/#respond Sat, 06 Jan 2018 14:53:58 +0000 http://www.condor.cl/?p=22978 Drei bis vier Tage seien genug, sagten alle. Aber man müsse unbedingt einmal dort gewesen sein. Recht hatten sie. Cóndor-Reporter Enno von Schirmeister berichtet über die Osterinsel.

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800 Moais, der Manu-Tara-Kult und weitere ungelöste Rätsel auf der Osterinsel

Der Ahu Tongariki auf der Osterinsel: Unter den 15 Moais befindet sich die mit 86 Tonnen schwerste Steinfigur, die die Rapa Nui jemals errichteten.
Der Ahu Tongariki auf der Osterinsel: Unter den 15 Moais befindet sich die mit 86 Tonnen schwerste Steinfigur, die die Rapa Nui jemals errichteten.

 

Drei bis vier Tage seien genug, sagten alle. Aber man müsse unbedingt einmal dort gewesen sein. Recht hatten sie.

 

Von Enno von Schirmeister

Egal ob am oder der Nabel der Welt oder von der Welt abgenabelt – die Osterinsel ist einmalig, und wer sie nie besucht hat, hat etwas verpasst. Ein voller DreamLiner fliegt täglich in fünf bis sechs Stunden von Santiago de Chile über den Pazifik, oben Touristen, unten im Cargo-Bauch alles, was diese chilenische Insel benötigt, denn sie produziert so gut wie nichts. Außer Tourismus.

Man sollte vorher ein bisschen gelesen haben. Nicht unbedingt Thor Heyerdahls «Aku-Aku», aber dafür auf alle Fälle Jo Anne Van Tilburg («Easter Island»), die Chilenen Julio Flores («Te Pito Te Henua») und Francisco Campos Menéndez («Enigma del Pacífico») und den Deutsch-Chilenen Walter Knoche («Die Osterinsel»); von Hans Helfritz gibt es einen hübschen Bildband, für heute schon etwas veraltet (meist schwarz-weiß).
 

Vulkangestein im polynesischen Dreieck

Das dreieckige Inselchen im rechten unteren Winkel des polynesischen Dreiecks Hawaii-Neuseeland-Pascua ist nicht viel mehr als ein vulkanischer Auswurf, ursprünglich schwarzes Lavagestein, über das der Tourist noch heute laufend stolpert, wenn er querbeet den «Pascuologen» folgt, die ihm in recht verständlichem Englisch zu erklären versuchen, was sich hier im Laufe von rund 12 Jahrhunderten abgespielt hat. Wer ihnen wie ich mit 99 Fragen folgt, kehrt zum Schluss mit hundert Fragen zurück.

Angefangen mit den Moais. Über 800 Stück, wie riesige Lego-Steine, einige bis zu 20 Meter groß und über 80 Tonnen schwer, alle aus ein und demselben Steinbruch kommend, mit der Sauberkeit eines Kirchen-Steinmetzes ausgearbeitet und poliert, mit einem hervorstehen Kinnn wie Nick Knatterton und tiefliegenden Augenhöhlen, mit hervorstehenden Brustwarzen und langen Fingern, mit individuellen Petroglyphen auf dem Rücken wie ein modernes ID, mit wenigen Ausnahmen an allen drei Küsten des Dreiecks aufgereiht und dann eines Tages umgeworfen, mit dem Gesicht nach unten nach dem Motto «Schämt euch, ihr habt uns verraten».
 

Lego-Monster auf der Osterinsel

Was hatten die Einwohner für Werkzeuge außer Steinen, Obsidian und Muscheln? Wie haben sie diese Lego-Monster und später noch die teilweise dazu gehörigen Vulkansteinhüte (Pukao) über Land transportiert und aufgerichtet?

Alle Forscher scheinen von runden Baumstämmen auszugehen, die einen rollenden Untergrund wie bei einem Panzer gebildet haben sollen. Schön und gut, hatten sie zur entsprechenden Baumbearbeitung etwa Äxte und Sägen? Haben sie vielleicht nach kurzer Landstrecke die riesigen Götter oder Götzen per Floß an der Küste entlang verfrachtet, die übrigens an keiner einzigen Stelle einen Hafen zulässt? Viele Fragen…

Nach den gestürzten Moais kam der Manu-Tara-Kult. Es ging um das An-Land-Bringen des erst gelegten Eies des Seevogels gleichen Namens, der übrigens die Insel längst verlassen hat. Überhaupt sieht man kaum Seevögel; an Land ein paar Bussarde, einige Diucas und Rebhühner. Wilde Pferde nehmen überhand, einige Milchkühe grasen und kämpfen sich durch die struppigen Lupinen, die inzwischen trotz Parque Nacional die Insel als Unkraut zu überwuchern drohen.
 

Ein hübscher Menschenschlag, aber stolzer als erwünscht

Aber zurück zum Manu-Tara, zur neuen Religion nach den abgeschriebenen Moais. Auch er konnte keinen Segen bringen, und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die Einwohnerzahl der Insel von ehemals über zehntausend (?) auf 111 Personen gesunken! Erstaunlich, dass man heute in dem Städtchen Hanga Roa von rund neuntausend Einwohnern spricht, darunter circa ein Drittel Rapa Nui, so werden die Polynesier und Mischlinge der Insel genannt. Ein hübscher Menschenschlag, aber stolzer als erwünscht.

Ihnen allein und nur ihnen gehöre die Insel, behaupten sie. Tatsächlich kann keiner Land kaufen, der nicht ihresgleichen ist. Es gibt internes Geplänkel. Die chilenische Verwaltung des Parque Nacional soll zwar ihre Arbeit tun, aber das dank Tourismus anfallende Geld soll in die Kasse der Einheimischen fließen, meinen sie.

Da scheint der Wurm im System zu sein, so hört man es unterschwellig von den Touristenführern, die so gesprächig sind wie die Taxifahrer in Santiago. Unter ihnen ist ein hübsches Mädchen, groß und schlank; es könnte ein spätes Gauguin-Model sein, Großmutter deutsch, Großvater englisch – ihr Vater ehelichte eine Rapa Nui, von der Maja ihre bronzene Hautfarbe hat. Grundschule auf der Insel, spätere Schuljahre in Santiago. Auf welcher Seite steht sie? Wieder eine der vielen unbeantworteten Fragen. Vielleicht hat Mike Rapu, der «politische Insel-Fürst», eine Antwort.

Kein Wunder, dass ein französisches Buch von der Ille des Mystères spricht – nicht zu Unrecht.

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Windpark mitten im Konflikt-Gebiet http://www.condor.cl/wirtschaft/windpark-wpd/ http://www.condor.cl/wirtschaft/windpark-wpd/#comments Fri, 05 Jan 2018 14:34:25 +0000 http://www.condor.cl/?p=22969 Der größte Windpark Chiles wird mitten im Gebiet des sogenannten Mapuche-Konflikts der Region Araukarien errichtet werden. Der Betreiber, die deutsche Firma wpd, versucht es mit einer neuartigen Methode zur sozialen Akzeptanz des Projekts und setzt auf gute nachbarschaftliche Beziehungen.

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Collipulli: Deutsche Firma wpd setzt auf gute nachbarschaftliche Beziehungen

Blick auf die Landschaft bei Collipulli: Hier in der Provinz Malleco will die deutsche Firma wpd einen Windpark errichten.
Blick auf die Landschaft bei Collipulli: Hier in der Provinz Malleco will die deutsche Firma wpd einen Windpark errichten.

 

Der größte Windpark Chiles wird mitten im Gebiet des sogenannten Mapuche-Konflikts der Region Araukarien errichtet werden. Der Betreiber, die deutsche Firma wpd, versucht es mit einer neuartigen Methode zur sozialen Akzeptanz des Projekts und setzt auf gute nachbarschaftliche Beziehungen.

 

Von Petra Wilken

Der auf Windenergie spezialisierte Erzeuger erneuerbarer Energien wpd mit Stammhaus in Bremen hat bei einer öffentlichen Stromausschreibung Chiles Lieferverträge über 20 Jahre für eine installierte Leistung von 350 MW gewonnen. 2021 muss die Stromlieferung beginnen. Dafür ist der Bau von drei Windparks vorgesehen.

Der größte mit 270 MW wird ab 2018 in Collipulli in direkter Nachbarschaft von acht indigenen Gemeinschaften mit rund 350 Anwohnern errichtet werden. Der Ort in der Provinz Malleco ist aufgrund von Anschlägen auf Forstbetriebe zur «Roten Zone» erklärt worden. Die anderen beiden kleineren Windparks, die in der Nähe von Los Ángeles, in Negrete und Duqueco, Region Bio Bio, gebaut werden, liegen nicht in Konfliktgebieten.  

Strom- und Forstunternehmen verwenden seit Langem verschiedene Methoden zur Vermeidung oder Minderung von Konflikten mit den Anwohnern von Großprojekten in Chile. Die Firma wpd jedoch hat speziell für den Park in Collipulli einen neuen Index zur sozialen Akzeptanz für Energieprojekte entwickelt. Die Initiative wird mit öffentlichen Geldern aus Deutschland unterstützt: Über den Fonds Public Private Partnership, der über die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) abgewickelt wird, erhält wpd einen Zuschuss von 200.000 Euro über drei Jahre.
 

Systematisch Vertrauen bei den Anwohnern aufbauen

Für Carolina Roe Atria, bei wpd für Corporate Social Responsibility (CSR) zuständig, liegt der Unterschied zu anderen Methoden darin, dass wpd bereits seit fünf Jahren in der Zone von Collipulli präsent ist, um systematisch das Vertrauen der Anwohner in das Projekt aufzubauen. «Die Mapuche-Gemeinschaften leben in sehr prekären Verhältnissen ohne Stromversorgung und Kanalisation. Das Grundstück, das wpd für den Windpark gepachtet hat, ist eine Agrarfläche. Wir haben ihnen mit einem Besuch bei einem bestehenden Windpark gezeigt, dass neben den Turbinen Kühe weiden und die Bienen nicht beeinträchtigt werden».

Das Projekt von wpd sieht nicht, wie zum Beispiel in Deutschland üblich, Gewinnbeteiligungen für die Anwohner vor. Doch werden die Mapuche in Collipulli auf andere Weise materielle Vorteile haben. So hat die indigene Gemeinschaft Choinlafqueche selbst den Bau von zwei eigenen Windparks von 18 und 3 MW beschlossen. Die Turbinen hat wpd für sie in einer Großbestellung zu einem günstigeren Preis eingekauft. Zudem wird wpd produktive Projekte der Mapuche-Gemeinden finanziell unterstützen.

«Es wird jedoch keine Geldgeschenke geben, um die Akzeptanz zu erreichen», so Carolina Roe. Die Sozialarbeiterin unterstreicht den Aufbau einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit mittels permanenter Präsenz der Firma und einer transparenten Kommunikation. «Ich reise seit fünf Jahren in die Zone und habe noch nie Gewalt gesehen«, betont sie.

Public-Private-Partnership

Bei einem Pressefrühstück Anfang Dezember informierte Verónica Vukasovic vom Energieprogramm 4E der GIZ Chile über die Projekte, die derzeit über das Programm der öffentlich-privaten Kooperation der Bundesrepublik Deutschland DeveloPPP (für Public-Private-Partnership) in Chile gefördert werden.

Neben dem Index für soziale Akzeptanz der Firma wpd gehören dazu weitere Initiativen, die alle dazu dienen, die erneuerbaren Energien zu fördern. Die Firma Soventix Chile hat ein Investitions-Tool erarbeitet, mit dessen Hilfe eine Gruppe chilenischer Investoren gefunden wurde, die 25 Photovoltaik-Anlagen mit insgesamt knapp 80 MW finanzieren werden. Das Unternehmen Grammer Solar wird Solar-Trockenanlagen für Agrarprodukte installieren können. Die Universidad Talca wird eine Versuchsanlage zur Solar-Bewässerung für die Fakultät für Landwirtschaft einrichten. Und die Firma Sumsol Ltda. wird Solarpumpen installieren können.

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