Das verheerenden Erdbeben, das Chile in den frühen Morgenstunden des 27. Februars erschütterte, hat auch die Wirtschaft des Landes schwer getroffen. Das geht aus einem Bericht der chilenischen Exportförderung ProChile hervor, der an alle 62 Büros in insgesamt 45 Ländern übermittelt wurde. «Die chilenischen Exporte dürfen ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem Ausland nicht verlieren. Daher möchten wir umfassend über den Stand der Beschädigungen und eventuelle Produktionsausfälle informieren», sagte Alicia Frohmann, Direktorin von ProChile. Vor allem Stromausfälle und Beschädigungen der Verkehrinfrastruktur würden in zahlreichen Branchen zu Produktions- und Umsatzeinbußen führen. Der Transport sowohl über Land, Wasser und den Luftweg sei inzwischen jedoch sichergestellt, erklärte sie.
Zu den am stärksten
betroffenen Sektoren zählt dem Bericht zufolge die
Fischerei. Rund ein Viertel der Infrastruktur sei im Zuge der Katastrophe beschädigt worden. Nach Schätzungen von ProChile dürfte die Instandsetzung der betroffenen Anlagen mindestens ein Jahr in Anspruch nehmen. Die Lachsindustrie beklagt hingegen nur leichte Schäden.
In Mitleidenschaft gezogen wurde auch die Weinbranche. Rund 125 Millionen Liter Wein sind während des Bebens verloren gegangen. Dies entspricht rund 12,5 Prozent der Vorjahresproduktion und einem Umsatzausfall von 250 Millionen US-Dollar. Die chilenische Fruchtindustrie muss hingegen Produktionsausfälle von knapp 20 Prozent hinnehmen.
Bis zu zwei Prozent der Jahresproduktion verlieren die Cellulosefrabrikanten CMPC und Celulosa Arauco y Constitución mit jeder Woche, in denen der Betrieb in ihren Werken stillsteht. Aufgrund schwerer Beschädigungen wurde die Produktion in insgesamt acht Standorten der Unternehmen bis auf Weiteres ausgesetzt. Begutachtung und Reparatur könnten noch den ganzen Monat März in Anspruch nehmen, heißt es von Unternehmensseite.
Mit Einbußen muss auch auch die Stahlwirtschaft rechnen. Die Fertigung des Stahlproduzenten CAP wird aufgrund der vorübergehenden Schließung seines Werkes in Huachipato in diesem Jahr um knapp 295.000 Tonnen zurückgehen. Das entspricht rund 17,3 Prozent der chilenischen Inlandsverkäufe.
Aufatmen können hingegen die Beschäftigten im Bausektor. Bis zu 1,5 Millionenen Gebäude seien durch das Beben in Chile beschädigt worden. Im Zuge der Instandsetzungsarbeiten gehen Schätzungen von einem Beschäftigungsanstieg um bis zu zehn Prozent in den
kommenden Monaten aus.
Florian Strunck

Sehen Sie auch die Druckversion des Cóndor / Ver versión impresa de Cóndor
|
 |
|