Experten für Katastrophenschäden haben erste vorsichtige Schätzungen über den volkswirtschaftlichen Schaden des Erdbebens in Chile abgegeben und dabei Summen von 15 bis zu 30 Milliarden US-Dollar genannt.

Das entspräche bis zu 15 Prozent des chilenischen Bruttoinlandsproduktes (BIP). Diese Zahlen nannte das US-Beratungsunternehmen Eqecat, das im Auftrag der Versicherungswirtschaft Schätzungen über Schäden durch Stürme, Flutkatastrophen und Erdbeben abgibt.
Nach bisherigen offiziellen Angaben der Bachelet-Regierung sind durch das fünftschwerste Erdbeben in Chiles Geschichte und den darauf folgenden Tsunami 1,5 Millionen Häuser und Wohnung beschädigt worden, eine halbe Million wird als nicht mehr bewohnbar eingestuft. Chiles gewählter neuer Präsident Sebastián Piñera sagte in einer Stellungnahme, die zukünftigen Reparaturen könnten sich in diesem Bereich auf 20 Milliarden US-Dollar belaufen; bei den Krankenhäusern wären es vier oder fünf Milliarden. Hinzu kämen Kosten bei der Wiederherstellung von Straßen und Brücken sowie dem Elektrizitätsnetz.
Nicht nur das staatliche Kupferunternehmen Codelco sah sich gezwungen zwei seiner größten Minen vorübergehend zu schließen. Auch die Forstbetriebe haben ihre Produktion für mindestens eine Woche lang eingestellt. Erhebliche Schäden werden für die Landwirtschaft befürchtet, die 25 Prozent des BIPs ausmacht. Durch den Tsunami wurden zudem die Häfen Talcahuano sowie San Vicente in Mitleidenschaft gezogen. Der finanzielle Schaden kann dort noch nicht abgeschätzt werden. In den beiden wichtigsten Häfen San Antonio und Valparaíso sieht die Lage dagegen gut aus, der Betrieb wurde wieder aufgenommen.
Die chilenische Zentralbank hat für dieses Jahr ein BIP-Wachstum von 5,5 Prozent vorausgesagt, nachdem die Wirtschaft im vergangenen Krisenjahr um 1,9 Prozent geschrumpft ist. Während einige Experten von einem schweren Schlag für Chiles Ökonomie angesichts des Erdbebens sprechen, sind andere zuversichtlicher. Aufgrund des soliden Staatshaushaltes gehen sie nicht davon aus, dass die Beseitigung der Erdbebenschäden das prognostizierte Wachstum nachhaltig schwächen wird. Der Export von Chiles wichtigstem Exportgut Kupfer sei zudem nicht beeinträchtigt worden.

Birgit Tuerksch


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