In Deutschland ist die Sau los!

Wildschweine können gefährlich werden – auch für Jäger.

Allesfresser und sehr anpassungsfähig: Wildschweine gehörten zum wichtigsten Jagdwild der Menschen.
Allesfresser und sehr anpassungsfähig: Wildschweine gehörten zum wichtigsten Jagdwild der Menschen.

 

Von Arne Dettmann

Was ist bloß in Deutschland los? Einst galt das Land als ein Hort der Vernunft und Disziplin. Doch seit der Bundestagswahl Ende September steht noch immer keine neue Regierung. Verflixte Koalitionsverhandlungen statt verlässliche Führungsstärke prägen das Bild.

Und jetzt auch noch das: In Norddeutschland wurde ein 50 Jahre alter Jäger von einem Wildschwein angegriffen und getötet. Eigentlich war der Weidmann mit der Flinte in Vorpommern auf die Pirsch gegangen, um dem Keiler das Fell über die Ohren zu ziehen. Doch der unerschrockene Eber drehte den Spieß um und setzte zur Gegenattacke an.

Das ist kein Einzelfall. Schon im März 2016 hatte in Lübeck ein Wildschwein seinen zweibeinigen Kontrahenten zunächst in Sicherheit gewogen und war dann urplötzlich aus dem Schilfgürtel eines Teiches auf den Jäger zugeprescht.

Es scheint, dass die Saubande jegliche Angst vor den Menschen verloren hat. Und seitdem in Berlin nicht klar ist, wer künftig regieren wird, scheint sich dieser Respektverlust noch verstärkt zu haben: Im Oktober trauten sich mehrere Wildschweine in die norddeutsche Stadt Heide und rasten durchs Zentrum. Vier Menschen wurden verletzt. Ein Keiler drang sogar in eine Bank ein. Mitarbeiter und Kunden mussten über Fenster und Drehleitern aus dem Gebäude evakuiert werden. Die Behörden warnten die Bewohner, sicherheitshalber in ihren Häusern zu bleiben.

Nicht alle Experten glauben, dass die fehlende Staatssouveränität in Berlin allein schuld ist an dieser unerhörten Schweinerei. «Das Schwarzwild ist der Gewinner des Klimawandels und der Agrar- und Energiepolitik», meint etwa Torsten Reinwald vom Deutschen Jagdverband. Die dickhäutigen Vertreter von Sus scrofa aus der Ordnung der Paarhufer würden heutzutage fast das ganze Jahr über Nahrung finden, da Buchen und Eichen immer mehr Früchte produzieren. Zufrieden grunzend fressen sich die Borstentiere durch Wald und üppige Maisfelder sogar bis nach Dänemark und Schweden, wo sie früher nicht verbreitet waren.

Das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern hat bereits eine Kopfgeldprämie von 25 Euro für jeden zottigen Halunken ausgelobt. Und tatsächlich werden jährlich um die 500.000 Wildschweine in Deutschland von Jägern erlegt. Aber das reicht lange nicht, um der Lage Herr zu werden.

Vielleicht sollten sich die Politiker in der Hauptstadt daran machen, nicht nur Erneuerbare Energien mit Subventionen zu fördern, sondern auch die allgemeine Schweinejagd auszurufen. Denn sonst brechen die furchtlosen Keiler eines Tages noch in den Reichstag in Berlin ein und suhlen sich im Plenarsaal. Denn: Cuando el gato no está en casa, los ratones bailan.

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