Trennungssorgen

Der Recyclinghof beim Sodimac-Zenter in La Reina gibt für Kinder einen kleinen Einführungskursus zur Mülltrennung.
Der Recyclinghof beim Sodimac-Zenter in La Reina gibt für Kinder einen kleinen Einführungskursus zur richtigen Mülltrennung.

Liebe Cóndor-Leser,

die Wiederverwertung von Müll klingt zunächst einmal toll. Abfälle werden nicht einfach verbrannt, sondern für ihren ursprünglichen Zweck wiederaufbereitet oder zu anderen Erzeugnissen und Materialien umgewandelt. Doch bevor es soweit ist, müssen wir Endverbraucher den ganzen Kram erst einmal zum Recyclinghof fahren.

Was dort an einem Wochenende so los ist, schlägt selbst dem größten Mülleimer den Boden aus: Wagenkolonnen karren den Unrat einer gesamten Woche heran, der Kofferraum voll mit leeren Flaschen, Blechbüchsen, Keksschachteln, Milchtüten, Kartons und Papier. Mutter, Vater, Tochter, Sohn: alles trennt, rennt, flüchtet – so schnell ist der Müll vernichtet. Die Behälter bersten über, das Personal kommt kaum gegen die Recyclingwut samt Abfallflut gegen an.

Mitunter setzt das richtige Sortieren fast schon ein abgeschlossenes Recycling-Diplom voraus. Da gibt es einen Kasten für PET-Flaschen, allerdings nur transparent, denn welche mit Farbtönung kommen in eine Öffnung weiter links hinein. Andere Kunststoffflaschen sollten der Konsument von PET unterscheiden lernen und dann korrekt entsorgen. Das Gleiche gilt für Plastikverpackungen: hier wird zwischen starr, halbstarr und folienweich unterschieden. Schon mehrmals wies mich der Müllwächter mit einem genervten Blick darauf hin, dass ich die Müsli-Tüte fast in den falschen Behälter geworfen hatte. Ich war offenbar nicht der einzige, dem ein solcher Fauxpas unterlief.

Und so stapelt sich nun im Laufe jeder Woche bei uns Zuhause eine kleine Müllhalde an, die dann am Wochenende immer schön entsorgt werden will. Laut Bundesumweltamt fabriziert jeder Deutsche pro Jahr sage und schreibe 617 Kilogramm Haushalts- und Verpackungsabfälle. Ein Blick auf unsere eigene Deponie legt den Schluss nahe, dass diese Statistik stimmt und auch auf Bundesbürger in Chile zutrifft. Die Behörde mahnt denn auch: Recycling sei zwar keine schlechte Sache, aber Müllvermeidung noch besser.

Doch was sollen wir noch tun? Auf dem Wochenmarkt verwenden wir Stofftaschen, in denen Obst und Gemüse nach Hause getragen werden. Schön und gut. Küchen- und Gartenabfälle landen auf unserem Kompost. Biologisch vorbildlich! Doch wie wollen Sie Jogurt, Erbsen, Eier und Säfte ganz ohne Verpackungen vom Supermarkt in die Küche bekommen? Schreiben Sie mir bitte! Anregungen, Kritik und Visionen herzlich willkommen.

Apropos Visionen: Ich träume natürlich davon, nicht am Wochenende zum Recyclingplatz fahren zu müssen. Wie schön wäre das! In einer Welt, wie ich sie sehe, so ganz ohne Verpackungen und Behälter, stünde eine Kuh in unserem kleinen Garten und gäbe täglich Milch für den Kakao. Das Huhn würde über den Frühstückstisch spazieren, gackern und ein frisches Ei servieren. Forellen und Lachs sprängen direkt vom Teich in die Pfanne und von dort auf den Teller. Und das Bier, ja das Bier käme gleich neben dem Wasserhahn aus einer Leitung – ganz ohne Einwegflaschen, zum Trinken notfalls sogar ohne Glas, der Umwelt zur Liebe.

Herzlichst Ihr

Arne Dettmann

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