Total abgeboilert*

Liebe Cóndor-Leser,

haben Sie auch die leidvolle Erfahrung mit einem «maestro chasquilla» gemacht? Also einem Handwerker, der vorgibt, alles zu können und am Ende doch nur Flickschusterei liefert? Bestimmt. Ich könnte fast ein kleines Buch darüber schreiben.

Da war der selbst ernannte Zimmermann, der uns einen kleinen Schuppen (bodega) baute. Glücklich stand ich vor den Schiebetüren, die in der Mitte mit einem Schloss gesichert waren, bis meine Frau mich darauf hinwies, dass ein Einbrecher dennoch beide Türen zusammen jeweils nach links und rechts drücken könnte und dann hinein käme. Nach der Aufklärung dieses Schildbürgerstreiches musste ich selbst zwei zusätzliche Schlösser anbringen.

Fast zum Lachen waren dagegen die Doppelglasscheiben, die im Wohnzimmer für Wärmedämmung sorgen sollten. Doch irgendwie wurde es nicht richtig warm. Woran lag´s? Wenn man direkt vor den Fenstern stand, merkte man nichts. Aber ein paar Schritte seitlich entdeckten wir dann, dass man vergessen hatte, den Isolierrahmen anzubringen: Zwischen den beiden großen Schiebefenstern pfiff der Andenwind hindurch. Meine Frau und ich lachten Tränen – und riefen dann den Installateur an.

Boiler Calefont
Darf ein Boiler im Bad installiert werden? Was sagt der Gesetzgeber dazu? Und passt das 14er Abzugsrohr auch auf den 15er Boiler?

Es gibt aber auch Geschichten, die sind zum Verzweifeln. Vor Kurzem wollten wir einen neuen Boiler (calefont) einrichten lassen. Die gute Nachricht zuerst: es funktionierte. Die schlechte: Ich wurde halb wahnsinnig bei der Abwicklung.

Beim Kostenvoranschlag sagte ein Gasfeater, er könne den Boiler im Bad einbauen. Ein zweiter sagte später, das sei verboten, er würde das Gerät im Hauseingang installieren. Der dritte wiederum – es war der Hersteller – meinte, beides sei falsch, der Boiler müsse ganz draußen an der Wand hängen. Wem nun glauben?

In der Zwischenzeit gab der alte Calefont immer mehr seinen Geist auf, das Wasser lief nur noch lauwarm aus der Leitung. Ich bestellte beim Baumarkt ein Gerät. Es kam auch an, leider ohne das nötige Entlüftungsrohr. Beim nervigen Umtausch diskutierte ich mit den Baumarkt-Experten weitere Einzelheiten. Passt ein 12er-Abzugsrohr auf einen 15-Liter-Calefont? Und wenn ja, ist das im Lager vorrätig und überhaupt gesetzlich erlaubt?

Ich las dann tatsächlich bei der Aufsichtsbehörde im Gesetz 66 nach, ein Werk von immerhin 214 Seiten. Doch ich wurde nicht schlauer. Das anfänglich so harmlos aussehende Gerät entpuppte sich für mich zur wirklichen Belastungsprobe.

Die Tage vergingen, die Wassertemperatur im Bad nahm weiterhin ab, während mein Wutpegel unaufhörlich stieg. Könnte man mit Zorn Wasser erhitzen, hätte ich eine ganze Badewanne mit heißem Wasser gefüllt. Ich wurde nun selbst zum Hochleistungsboiler.

Am Ende fand ich das richtige Gerät und einen Handwerker, der mir die Sache einbaute. Doch ich habe Angst bekommen: Sollte man nicht lieber zukünftig alle Arbeiten am Haus selbst erledigen? Ein weiteres abschreckendes Beispiel: Ich konnte es kaum glauben, als ich sah, dass ein «maestro chasquilla» beim Decken unseres neuen Dachs die Schrauben mit dem Hammer in die Dachbalken einschlug.

Dabei geht doch gute Handwerksarbeit über nichts. Ein von mir befestigtes Küchenregal – die Schrauben in die Dübel eingedreht, nicht geschlagen! – krachte beim Erdbeben 2010 herunter. Das Fabrikat aus chinesischer Produktion war geborsten – was soll man machen? Aber meine Schrauben steckten noch in der Wand – deutsche Wertarbeit eben!

Herzlichst Ihr

Arne Dettmann

* No busquen la palabra en el diccionario. No existe. Es una invención. Quiere decir la historia loca («Total abge…») del calefont («Boiler»).

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