Sprachwirrwarr

Liebe Cóndor-Leser,

 

auch bei der diesjährigen DCB-Hauptversammlung am vergangenen Wochenende wurde es erneut deutlich: Nicht immer fällt der Gebrauch der deutschen Sprache leicht. Zwei Vortragende meinten scherzhaft-entschuldigend, sie hätten für ihre Rede die Übersetzungsmaschine vom Internetdienstleister Google verwendet und hofften nun, dass die Technik sie bei ihrer folgenden Rede nicht im Stich lassen würde. Sozusagen alle Angaben ohne Gewähr.

Das wiederum veranlasste die DCB-Leiterin Bettina von Dessauer, die sich für den Erhalt und den Einsatz der deutschen Sprache stark macht, zu einer süffisanten Intervention: Ab sofort herrscht Google-Übersetzungsverbot. Vokabeln pauken und selbstständiges Sprechen sind dagegen angesagt!

Wenn es doch so einfach wäre. Denn die Realität sieht anders aus, wie Dr. Christoph Dorschfeldt, Pressesprecher und Kulturreferent an der Deutschen Botschaft, anmerkte. Deutsch würde nur noch selten in den Familien gesprochen werden und sei oftmals auf den Unterricht in den Klassenräumen begrenzt. Kein Wunder, dass es dann so manchem schwer fällt, wenn er nur einmal im Jahr seinen Auftritt zur Deutschstunde hat.

Doch nicht einmal auf die Deutschen selbst, die dank der Gnade der Geburt den Wortschatz mit der Muttermilch aufgesogen haben, ist Verlass. Wer bereits länger in Chile lebt und zudem eine chilenische Partnerin oder chilenischen Partner hat, der läuft in Gefahr, so ganz langsam und unmerklich vom Spanischen unterwandert zu werden.

So erzählt mir eine deutsche Tourismusunternehmerin ständig, was sie so alles auf ihrem fundo anbietet. Das deutsche «Grundstück» scheint offenbar in der Heimat geblieben zu sein. Eine andere deutsche Dame von einer bekannten Wirtschaftsinstitution ist schon so lange hier in Chile, dass sie nur noch zu einer reunión geht; Sitzungen, Tagungen, Versammlungen oder gar Konferenzen kennt sie gar nicht mehr. Und auf so einer reunión spricht man dann vom patrimonio einer Firma – so als ob das Vermögen vollends verschwunden ist.

Dieser Sprachmischmasch – auch als Launa-Deutsch bezeichnet in Anlehnung an diese gesprochene Sprachvariante des Deutschen rund um den Llanquihue-See – befällt sogar die Speerspitzen der vermeintlichen Deutschbewahrer: So sprach Alexander Schultheis, Bibliotheksleiter beim Goethe-Institut in Santiago, während seiner charla – ups, ich meine Vortrag – vom neuen sede dieser Einrichtung. Niederlassung oder Sitz gibt befinden sich ja schließlich in Deutschland.

Ojo! Wer also nicht höllisch aufpasst und atento ist, der fängt unbewusst an die beiden idiomas zu mezclaren. Im gesellschaftlichen Leben hat man einfach zu viele compromisos mit rein Spanischsprachigen, um noch richtig deutsch zu sprechen. Und im Geschäftlichen ist die competencia einfach zu groß, als dass man noch Zeit und Muße hätte auf Deutsch zu conversaren. Und wenn das celular klingelt, dann gucken die meisten ohnehin nur noch auf ihren spanischen plan anstatt den deutschen Tarif.

Doch tranquilo! Das alles ist noch kein Fall für ein exámen beim Doktor. Denn letztendlich funktioniert die Kommunikation auch so. Ende gut, alles gut?, fragt

 

Arne Dettmann

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One Comment

  1. Rafael

    Selbst in Alemania tut man sich schwer mit der Muttersprache!
    Ohne Englisch findet man sich im öffentlichen Leben kaum noch zurecht – sei es beim Einkaufen, wo es “Sale” statt “Schlußverkauf” heißt. oder bei der Deutschen Bundesbahn, wo man vergeblich nach einem Auskunftschalter sucht, wenn man nicht mit dem englischen Begriff “Service-Point” bewandert ist.
    Schade, daß die Sprache der Dichter und Denker von den Unternehmen so zerstückelt wird! Gerade die Älteren finden sich nicht mehr zurecht!

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