Respektvoll, sachlich, effizient

Liebe Cóndor-Leser,

 

«Was lange währt, wird endlich gut.» – Dieses Sprichwort wird verwendet, wenn sich nach langer Zeit des Mühens ein gewünschtes Ergebnis einstellt. Zweimal hintereinander belegte die deutsche Nationalmannschaft den dritten Platz bei einer Weltmeisterschaft. «Aller guten Dinge sind drei» – Jetzt beim dritten Anlauf in Brasilien hat es endlich geklappt. Oder wie hier in Chile gesagt wird: «La tercera es la vencida.» Deutschland ist Weltmeister geworden!

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Kommentatoren verweisen nun im Nachhinein gerne auf die erfolgreiche Aufbauarbeit im deutschen Fußball (siehe auch Seite 8 und 9). Das ist richtig, die deutsche National-Elf belegt in der sogenannten Ewigen Tabelle gleich Platz zwei nach Brasilien in der Rangliste der besten WM-Mannschaften und zeigt seit Jahren ein hohes Niveau. Insbesondere in dieser sowie der vergangenen WM konnten die Zuschauer einen herrlichen Fußball aus deutschen Landen erleben: technisch sicher, besonnen koordiniert sowie effizient und dynamisch.

Doch seien wir ehrlich: Es war knapp. Meine deutschen Kumpels und ich schwitzten, litten und zitterten bei diesem Endspiel über alle Maßen. Mehr als einmal sah ich schon die Felle davon schwimmen, als der Gegner auf unser Tor ansetzte. Mag sein, dass die Argentinier hinten mauerten und vorne alles auf ihren Star Messi setzten – eine solche Taktik ist zwar nicht sehr innovativ und elegant, hätte aber auch zum Erfolg führen können. Ja, der deutsche Titelgewinn basiert auf Teamgeist, Talent und Technik und ist daher sicherlich verdient. Aber das Quäntchen Glück durfte auch nicht fehlen. Bundestrainer Löw sagte es selbst: Erfolge seien nicht kalkulierbar. Man könne versuchen dem Glück nachzuhelfen. Aber erzwingen könne man es nicht.

Was also symbolisiert der deutsche Weltmeistertitel 2014? Denn eines ist klar: Die WM ist mehr als nur ein Spiel. Hier werden Kicker zu Helden, hier werden Schlachten geschlagen, prallen Länder und Emotionen aufeinander.

Der Triumph in Brasilien steht für eine deutsche Mannschaft, die nicht wie Großmäuler, sondern respektvoll daher kam. Der 7:1-Sieg gegen den Gastgeber wurde nicht prahlerisch ausgeschlachtet, vielmehr zeigte man gegenüber dem Unterlegen sogar Mitgefühl. Und auch gegen Argentinien zog die National-Elf nicht hochmütig ins Feld. Mit dieser Bodenständigkeit und Bescheidenheit erwarben sich die Deutschen auch bei anderen Nationen viel Sympathie. Sachlich und nicht besessen gingen Löw und Co. ans Werk, von Besessenheit und Überheblichkeit keine Spur.

Und dieses positive Image trifft sicherlich auch auf Deutschland insgesamt zu. Dank Organisationstalent, Gründlichkeit und Verantwortungsbewusstsein steht Schwarz-Rot-Gold gut da, ohne dabei auf das Umfeld bedrohlich zu wirken. Die Nationalmannschaft trat unprätentiös, aber den Erfolg suchend auf. Es wäre kein nationaler Untergang gewesen, hätten wir das Endspiel gegen Argentinien verloren. Doch dass es anders gekommen ist, darüber darf man sich ganz normal freuen, von zufrieden bis ausgelassen.

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