Online-Frust beim Partnerangeln

Liebe Cóndor-Leser,

wo und wie haben Sie denn Ihren Lebenspartner kennen gelernt? Über eine gemeinsame Bekannte? Auf einem Betriebsausflug? Oder im Wartezimmer eines Arztes?
Meine Eltern fanden sich in Hamburg im Café Keese beim Tanzen. Damenwahl, Herrenwahl. «Ach du meine Güte, ist das spießig», dachte ich einmal. Doch ich selbst war viel langweiliger: Meine zukünftige Ehefrau lernte ich in einer Bar kennen.
Solche Geschichten gehören aber der Vergangenheit an. Schon im Jahr 2025 – so prophezeien es Studien – wird jedes dritte Paar über den Computer und ein Glasfaserkabel zusammenkommen. Bereits jetzt suchen sieben Millionen Deutsche ihr Herzblatt über Online-Portale anstatt altmodisch beim Tanztee oder in der Bierkneipe.

4127_p6_editorial
Sehr beliebt in Chile ist derzeit die App «Tinder», wie mir Kumpels berichteten, die noch frauenlos durch die Welt geistern. Das Programm wird aufs Handy geladen, dann muss ein Benutzerkonto mit einem Foto eingerichtet werden. Und nun beginnt die Suche: Mit Hilfe des Ortungssystems GPS unterbreitet das Programm Vorschläge möglicher Flirtkandidaten, die sich im Umkreis von zwei, drei oder gar 80 Kilometern bewegen. Gefällt dem Nutzer ein Bild und sagt auch die Gegenseite zu, wird die Chat-Phase eingeleitet: Jetzt heißt es kennen lernen und sich vielleicht auch verabreden.
Ich habe diese Smartphone-Anwendung einmal getestet – natürlich nur aus journalistischem Interesse für diesen Artikel hier. Schließlich bin ich verheiratet und wollte keiner alleinstehenden Prinzessin falsche Hoffnungen machen. Tatsächlich ist das «Angebot» in der Menge überwältigend: Hunderte, wahrscheinlich tausende Fotos waren im Beziehungsnetz zu sehen. Nicht umsonst soll Chile innerhalb der Oecd-Staaten das Land mit den meisten Singles sein. Ganze sechs Millionen sind partnerlos.
Doch nun die große Enttäuschung: Laut Experten bietet Online-Dating ein hohes Frustrationspotenzial. Denn im virtuellen Netz tummeln sich zwar Schwärme von Alleinstehenden, doch nur selten angelt sich jemand aus dem Meer der Möglichkeiten den Fisch fürs Leben heraus. Die meisten verlieren sich im ewigen Such-Prozess und verpassen so die große Liebe.
Psychologen warnen daher, dass die Kontaktaufnahme übers Internet zwar schnell und bequem sei. Doch der erste Kuss lässt sich natürlich nicht online herstellen.
Wo wir wieder bei den alten Rezepten wären: Vielleicht mal tanzen gehen und gemeinsam ein Bier trinken gehen…

Herzlichst Ihr

Arne Dettmann

Print Friendly, PDF & Email

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*