Oldtimer auf Kurzwelle

Liebe Cóndor-Leser,

kürzlich erhielt Cóndor-Leser Ulrich Behrendt in Concepción einen Brief von der «Deutschen Welle» (DW) in Bonn. «Seit vielen Jahren haben Sie regelmäßig unsere Kurzwellensendungen für Ihre Region abgehört und uns Ihre Frequenzbeobachtungen mitgeteilt. Ihre Informationen waren von großem Wert für die DW-Frequenzplaner. Für Ihre zuverlässige Unterstützung können wir Ihnen nicht genug danken.»
Doch dann wird es ernst in dem Schreiben: Die Kurzwellensendungen für das Zielgebiet» würden eingestellt werden. Seit dem 30. November 2011 gibt es kein lineares DW-Radioprogramm in deutscher Sprache mehr. DW-Radio werde zukünftig auf Kurzwelle nur noch auf Englisch und ausschließlich in Afrika ausgestrahlt werden. «Wahrscheinlich wird das ein trauriger Tag für Sie sein. Auch ich werde den Kontakt zu meinen Monitors sehr vermissen», heißt es in dem Schreiben weiter, das zwar kein «Abschiedsbrief» sein soll, aber von Ulrich Behrendt doch als solcher aufgefasst wurde.
«Das Ende einer Epoche», bilanzierte der Hobbyfunker. Denn die Deutsche Welle setzt zukünftig mehr auf Fernseh- und Online-Angebote anstatt Radio. Ulrich Behrendt: «Internet statt Kurzwelle heißt anscheinend die Devise. Tja, so langsam wird man wirklich zum Oldtimer.» Eine eigene E-Mail-Adresse hat er jedenfalls nicht. Und in dem betreffenden Antwortformular der Deutschen Welle hat Ulrich Behrendt unter der Angabe «E-Mail» entsprechend sarkastisch vermerkt: «Keine (`Kybernetischer Analphabet´)».

Nostalgie zum Jahresende
Dabei steht Ulrich Behrendt mit seinem Abschied von der Kurzwelle nicht alleine da. Insgesamt macht sich – und ganz besonders zum Jahresende – eine Nostalgie breit. Mit leichter Trauer wird auf alles Zurückliegende geschaut. Der renommierte Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx spricht gar von einer starken soziokulturellen Tendenz hin zum «Retro»: Mode, Musik, Gedanken – alles dreht sich um eine Idealisierung der Vergangenheit, die angeblich besser war als die Gegenwart. Und das wird auch in 2012 so weitergehen. Die Zukunft und das Nach-Vorne-Schauende stünden dabei nicht so hoch im Kurs.
Wir wissen natürlich nicht, ob Sie ausgelassen fröhlich oder auch mit einem weinenden Auge Silvester feiern werden. Für alle Pessimisten und Nostalgiker haben wir aber einen kleinen Hinweis parat. «Unsere Jugend ist heruntergekommen und zuchtlos. Die jungen Leute hören nicht mehr auf ihre Eltern. Das Ende der Welt ist nahe.» – Diese Sätze stammen von einer Keilschrift aus Ur um das 2.000 v. Chr. Und das beweist: Trotz aller düsteren Prophezeiungen geht es doch irgendwie weiter. Sicherlich auch im nächsten Jahr.

Herzlichst Ihr,

Arne Dettmann

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